Rohstoffe & Infrastruktur

Rohstoffabbau und Infrastrukturvorhaben gehören zu den umstrittensten wirtschaftlichen Tätigkeiten in Kolumbien und sind Ursache für Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen. Breite soziale Bewegungen wehren sich gegen Bergbauprojekte wie im Páramo Santurban in der Nähe der Millionenstadt Bucaramanga, oder in Cajamarca Tolima, weil sie befürchten, dass der Goldabbau im Tagebau ihr Trinkwasser verseucht. Grosse Schäden richtet insbesondere auch der illegale Goldabbau entlang verschiedener Flüsse an, durch Sedimentierung, Quecksilberverseuchung und Konfliktfinanzierung. Ebenfalls hoch umstritten ist das Fracking, das die Regierung fördern will, breite zivilgesellschaftliche Kreise aber wegen möglicher Risiken aus Vorsicht verboten haben möchten.

Infrastrukturvorhaben wie Schnellstrassen, die Schiffbarmachung von Flüssen oder die Erweiterung von Häfen sind ebenfalls Quelle von Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen. So ist die Gewalt in Buenaventura auf dem Gebiet des zukünftigen Hafenterminals sehr gross, und die Vertreibungen im Chocó und am Atrato-Fluss ab 1997 hatten ebenfalls Strassen wie die Vervollständigung der Panamericana oder ein neuer Verbindungskanal zwischen Atlantik und Pazifik als Hintergrund.

Verschiedene Schweizer Unternehmen sind in diesem schwierigen Umfeld tätig, allen voran Glencore mit den Tagebau-Kohleminen in Cesar (Prodeco) und Guajira (Carbones El Cerrejón). Auch der Kalkabbau und die Zementherstellung von Holcim in Boyacá ist immer wieder Gegenstand von Kontroversen. Schweizer Goldraffinerien beziehen Gold von kolumbianischen Lieferanten, die beschuldigt werden, illegales Gold von Mafias und bewaffneten Organisationen legalisiert zu haben. Eine Tochterfirma von Trafigura, Impala, betreibt die Transportterminals am Magdalena-Fluss und war an der Pazifikeisenbahn beteiligt.

 

Gravierende Lücken bei der Kontrolle von Edelmetallen

Gravierende Lücken bei der Kontrolle von Edelmetallen

Gravierende Lücken bei der Kontrolle von Edelmetallen

Jun 30, 2020

Von Stephan Suhner

Am Montag 22. Juni veröffentlichte die Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) einen Bericht, der die «Lücken im aktuellen Aufsichtsdispositiv» für Edelmetalle in der Schweiz offen legt. Die Schweiz muss als weltweit wichtigste Drehscheibe für den Goldhandel endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und den Handel mit menschenrechtswidrig produzierten Edelmetallen bekämpfen, sagt eine Koalition von Schweizer Nichtregierungsorganisationen, darunter die ask!.

E-Book über illegalen Goldabbau mit schweren Maschinen im Chocó

E-Book über illegalen Goldabbau mit schweren Maschinen im Chocó

Steve Cagan, ein US-Fotograf, hat vor kurzem ein e-book über den zerstörerischen illegalen Goldabbau im Chocó veröffentlicht. Steve arbeitet seit Jahren als Fotograf unter anderem im Chocó zu illegalem Goldabbau und hat dabei auch mit der NGO Tierra Digna zusammengearbeitet. Die ask! hat Steve in Kolumbien kennen gelernt und seine Fotos auch schon verwenden dürfen. Wir möchten sein Buch wärmstens empfehlen.

Glencores Nachhaltigkeitsbericht nach wie vor ungenügend

Glencores Nachhaltigkeitsbericht nach wie vor ungenügend

Wenige Tage vor der Aktionärsversammlung vom 2. Juni 2020 veröffentlichte Glencore den 97-seitigen Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2019[1]. Zusammen mit zwölf weiteren Menschenrechts- und Umweltorganisationen hat die ask! in einem Communiqué ernsthafte Bedenken über die Glaubwürdigkeit dieses Berichts geäussert[2]. So hat Glencore verschiedene wichtige menschenrechtliche oder Umweltzwischenfälle nicht erwähnt oder herunter gespielt. Kritisiert haben wir insbesondere – wie schon letztes Jahr – die Definition der „ernsthaften menschenrechtlichen Vorfällen“. 2019 verzeichnete Glencore nach ihrer eigenen Einschätzung keinen einzigen ernsthaften Vorfall.