Lebensmittel, Gesundheit & Agrarsektor

Der Agrarsektor Kolumbiens steht im Zentrum des bewaffneten Konflikts, insbesondere auf Grund der ungleichen Verteilung des Grundbesitzes. Im Agrarsektor wurden aber auch heftige soziale Kämpfe ausgefochten, so bei der versuchten Rückgewinnung von Land für landlose Kleinbauern, wie bei der Hacienda Bellacruz. Dort haben die illegitimen Besitzer die Bauern der ANUC, die Land besetzten und dessen Umverteilung forderten, massakrieren lassen. Auch im Ölpalmensektor bezahlten Gewerkschaften im Kampf um würdige Arbeitsbedingungen einen hohen Blutzoll. Zusammen mit dem Bananenanbau und den Viehzüchtern sind es die Sektoren, die am meisten Paramilitärs finanzierten. Chiquita wurde für die Finanzierung der Paramilitärs in Urabá zu hohen Bussen verurteilt. Aber auch im Lebensmittelsektor waren die Arbeitskämpfe heftig. Coca Cola ist beschuldigt, Paramilitärs angeheuert zu haben, um Gewerkschafter ermorden zu lassen und ganze Gewerkschaftssektionen zum Aufgeben zu zwingen. Auch bei Nestlé gibt es über ein Dutzend tote Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder, deren Ermordungen alle straflos geblieben sind. Syngentas Geschäftspraxis ist auch in Kolumbien wegen Gentechsaatgut und hochgiftigen Pestiziden umstritten. Bei Pharmafirmen wie Novartis drehen sich die Konflikte um überhöhte Medikamentenpreise und Zwangslizenzen für Generikahersteller, gegen die sich die Pharmariesen auch mit Klagen beim Weltbankschiedsgericht zur Wehr setzen.

 

Streit zwischen Novartis und Kolumbien über Zwangslizenz für Krebsmedikament eskaliert

Streit zwischen Novartis und Kolumbien über Zwangslizenz für Krebsmedikament eskaliert

Seit eineinhalb Jahren schwelt ein Konflikt zwischen kolumbianischen Gesundheitsorganisationen, dem kolumbianischen Staat und Novartis, rund um die Frage einer Zwangslizenz für das Krebsmedikament Glivec. In den vergangenen zwei Monaten ist nun Bewegung in die Geschichte gekommen, nachdem der kolumbianische Gesundheitsminister Gaviria angekündigt hatte, den Wirkstoff Imatinib als von öffentlichem Interesse zu erklären. Diese Massnahme ist aber auch in Kolumbien nicht unumstritten und hat v.a. massive Drohungen aus den USA zur Folge.

Mord an Nestlé-Arbeiter Romero in Kolumbien: Beschwerde gegen die Schweiz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Mord an Nestlé-Arbeiter Romero in Kolumbien: Beschwerde gegen die Schweiz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Die Schweizer Justiz hat sich geweigert, die Rolle des Konzerns Nestlé bei der Ermordung des Arbeiters und kolumbianischen Gewerkschafters Luciano Romero aufzuklären. Deswegen hat das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) für Romeros Witwe beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg Beschwerde gegen die Schweiz eingereicht. Das ECCHR beruft sich auf das Recht auf Leben (Artikel 2) und das Recht auf eine wirksame Beschwerde (Artikel 13) aus der Europäischen Menschenrechtskonvention.