Lebensmittel, Gesundheit & Agrarsektor

Der Agrarsektor Kolumbiens steht im Zentrum des bewaffneten Konflikts, insbesondere auf Grund der ungleichen Verteilung des Grundbesitzes. Im Agrarsektor wurden aber auch heftige soziale Kämpfe ausgefochten, so bei der versuchten Rückgewinnung von Land für landlose Kleinbauern, wie bei der Hacienda Bellacruz. Dort haben die illegitimen Besitzer die Bauern der ANUC, die Land besetzten und dessen Umverteilung forderten, massakrieren lassen. Auch im Ölpalmensektor bezahlten Gewerkschaften im Kampf um würdige Arbeitsbedingungen einen hohen Blutzoll. Zusammen mit dem Bananenanbau und den Viehzüchtern sind es die Sektoren, die am meisten Paramilitärs finanzierten. Chiquita wurde für die Finanzierung der Paramilitärs in Urabá zu hohen Bussen verurteilt. Aber auch im Lebensmittelsektor waren die Arbeitskämpfe heftig. Coca Cola ist beschuldigt, Paramilitärs angeheuert zu haben, um Gewerkschafter ermorden zu lassen und ganze Gewerkschaftssektionen zum Aufgeben zu zwingen. Auch bei Nestlé gibt es über ein Dutzend tote Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder, deren Ermordungen alle straflos geblieben sind. Syngentas Geschäftspraxis ist auch in Kolumbien wegen Gentechsaatgut und hochgiftigen Pestiziden umstritten. Bei Pharmafirmen wie Novartis drehen sich die Konflikte um überhöhte Medikamentenpreise und Zwangslizenzen für Generikahersteller, gegen die sich die Pharmariesen auch mit Klagen beim Weltbankschiedsgericht zur Wehr setzen.

 

Novartis gegen Kolumbien

Novartis gegen Kolumbien

In Kolumbien hat der hohe Preis des Medikamentes gegen Blutkrebs, Glivec, zu einer untragbaren finanziellen Belastung des Gesundheitswesens geführt. Die kolumbianische Regierung hat deshalb 2015 beschlossen, das Medikamente als von öffentlichem Interesse zu erklären und die Monopolstellung des Pharmagiganten Novartis zu beenden, damit der Wettbewerb durch Generikahersteller zu einem Preisrückgang führt. Novartis wollte jedoch nicht auf diese reichlich sprudelnde Gewinnquelle verzichten und drohte damit, Kolumbien vor einem Internationalen Schiedsgericht zu verklagen. Obwohl der Preis für Glivec schlussendlich gesenkt werden konnte, getraute sich Kolumbien jedoch nicht, das Monopol von Novartis in Frage zu stellen. Die Einschüchterungskampagne des Unternehmens verhinderte so einen Präzedenzfall, der andere Länder dazu hätte animieren können, ebenfalls gegen die überrissenen Preise von Novartis vorzugehen.