Natürliche Ressourcen, Energie & Infrastruktur

Kolumbien verfügt über vielfältige Landschaften und Klimazonen mit einer der grössten Biodiversitäten der Welt. Kolumbien hat ausreichend fruchtbare Böden, grosse Süsswasserreserven, ausgedehnte Wälder und verschiedene nicht erneuerbare Rohstoffe. Eine äusserst ungleiche Verteilung des Grundbesitzes zwingt jedoch landlose Bauern immer weiter in sensible Ökogebiete wie Hochmoore und Wälder. Dieser Prozess wird durch den Drogenanbau und die chemische Bekämpfung des Cocaanbaus noch verschärft. Verschiedene Megaprojekte wie Strassen, Pipelines und Staudämme bedrohen ebenfalls wertvolle Ökosysteme.

Kolumbien betreibt an seinen natürlichen Ressourcen massiv Raubbau, das Wirtschaftswachstum ist alles andere als nachhaltig. Wesentliche Probleme sind Umweltverschmutzung, Bodendegradierung und Abholzung sowie die Folgen des Bergbaus. Viele Böden werden nicht angepasst genutzt: auf fruchtbaren, ebenen Böden weiden Kühe, während Kleinbauern an erosionsgefährdeten Steilhängen Lebensmittel produzieren. Dieses Problem wird durch den massiv geförderten Anbau von Energiepflanzen zur Herstellung von Agrotreibstoffen noch verschärft. Auch der Klimawandel verschärft die Umweltkrise, die letzten Gletscher schmelzen in beängstigendem Tempo, Klimaschwankungen wie El Ñiño werden heftiger und mehrere grosse Städte haben Probleme mit der Trinkwasserversorgung. Sowohl in den andinen Nebelwäldern wie in den Regenwäldern des Pazifik und des Amazonas wird viel mehr abgeholzt als aufgeforstet wird oder nachwächst. Ohne Rücksicht auf die Umwelt werden die Bodenschätze (Öl, Kohle, Metalle) so schnell wie möglich abgebaut und dabei in immer sensiblere Ökogebiete vorgedrungen. Megaprojekte wie die Fertigstellung der Panamericana nach Panama, Strassen- und Eisenbahnverbindung zwischen dem Orinoko und der Pazifikküste, Staudämme zur Energiegewinnung etc. bringen ganze Ökosysteme in Gefahr.

 

Fleischkonsum, Abholzung und (un)nachvollziehbare Zusammenhänge

Fleischkonsum, Abholzung und (un)nachvollziehbare Zusammenhänge

Über das Thema Fleischkonsum wird in Europa und auch in der Schweiz schon seit einigen Jahren kritisch diskutiert. Soja aus Brasilien als Tierfutter für Schweizer Vieh ist ein Stichwort. Doch auch direktere Zusammenhänge wie die Abholzung von Primärwald um Viehweiden zu schaffen spielen eine wichtige Rolle. Doch obwohl es viele wissenschaftliche Studien gibt, die solche Zusammenhänge aufzeigen, ist es heute immer noch schwierig, ganze Lieferketten nachvollziehbar zu überwachen. Und die Firmen geraten unter zunehmenden Druck. 

Weiterhin grosse Herausforderungen und soziale Probleme in der Kohlenregion des Cesar

Weiterhin grosse Herausforderungen und soziale Probleme in der Kohlenregion des Cesar

Die Bergbaubehörde ANM hat immer noch nicht entschieden, ob es die Titelrückgabe von Prodeco akzeptiert. Derweil haben Oppositionspolitiker den Druck auf die Behörden und Unternehmen erhöht. Es gibt leichte Hoffnungen, dass die Umsiedlung von El Hatillo weitergeht. Boquerón hingegen wird nicht umgesiedelt und mit einem Entwicklungsplan abgespiesen.

Glencore Prodeco will die Bergbaukonzessionen an den Staat zurückgeben und sich aus Kolumbien zurückziehen

Glencore Prodeco will die Bergbaukonzessionen an den Staat zurückgeben und sich aus Kolumbien zurückziehen

Am 4. Februar kündigte Prodeco an, dass es die Bergbautitel an den kolumbianischen Staat zurückgeben wolle, das heisst den Kohleabbau beende. Grund dafür sei die mangelnde Rentabilität des Geschäfts. Prodeco hatte im Juli 2020 bei der nationalen Bergbaubehörde beantragt, die Kohlegewinnung für bis zu vier Jahre unterbrechen zu dürfen, um nicht wertvolle Kohle unter Verlust abbauen zu müssen. Als dieses Gesuch erstinstanzlich abgelehnt wurde, hatte Prodeco in der Beschwerde angedroht, dass sie bei erneuter Ablehnung die Bergbaukonzessionen allenfalls zurückgeben müsse.