05/31/10

Präsidentschaftswahlen in Kolumbien: Wollen wir wetten?

31.05.2010 | von Sylvia Meyer

Theoretisch ist alles möglich am 30. Mai. Es könnte eine grüne Revolution geben, wenn Antanas Mockus die Präsidentschaftswahl gewinnt. Oder aber es bleibt alles beim Alten unter Juan Manuel Santos. Denkbar ist auch, dass keiner der alten Hasen das Rennen in der ersten Runde macht, sondern dass ein Aussenseiter doch noch aufholt.

Der grüne Ex-Bürgermeister und der konservative Ex-Verteidigungsminister sind auf verschiedene Distanzen trainiert und verfolgen unterschiedliche Strategien. Dies zeigt das „Wahlwellenbad der Gefühle“, in dem Kolumbien in den letzten Wochen hin und her geworfen wird. Peter Stirnimann, Koordinator der Schweizer Friedensförderungsprogramms SUIPPCOL, meint: „Noch vor fünf Wochen herrschte Lethargie im Land. Santos Sieg schien sicher. Doch dann ging eine grüne Welle durch Kolumbien!“ Die vorwiegend jungen Anhänger des Mathematikers und Philosophen Mockus durften sich laut Umfragen berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen – sogar ohne Stichwahl am 20. Juni.

Doch auf den Sprintmeister zu setzen, bleibt riskant. So schnell das stürmische Zugpferd der jungen Partei – getrieben von der Moralpeitsche und ohne den Balast konkreter politischer Inhalte – auch links aussen überholte, so schnell begann Mockus auf den letzten Metern zu lahmen. Die kostengünstige und innovative Internetwahlkampagne via so genannter Sozial-plattformen wie Facebook entpuppt sich als ebenso effektiv wie elitär. Wenn die Kampagne auch zu repolitisieren vermag und aufrüttelt, Mockus könnte nicht nur im Parlament die Basis für den langfristigen Erfolg fehlen.

Schlachtross Santos hingegen läuft erst im Kampf zu Topform auf. Nachdem der Vorteil des Überraschungsangriffs von Mockus verpufft ist, spricht Uribes Nachfolger in den letzten Wochen gezielt die Wählergruppen an. Und sowieso steht die soziale Unterschicht hinter ihm. Wer würde auch die Hand beissen, die ihn füttert? Wenn die strukturellen Probleme in Kolumbien unter Santos auch nicht angegangen werden, so bleiben den Armen zumin-dest die Sozialprogramme. Wo es an nötigster Infrastruktur fehlt, ist der Bezug von Sozialleistungen weit stärker verbreitet als Internetanschluss und die Bindung an So-zialplattformen. In den Armutsregionen erreicht die Menschen vor allem Mundpropaganda. Und Gerüchte sagen, dass der, der nicht Santos wählt, vom Bezug assistenzieller Leistungen ausgeschlossen wird.

So ist auch die grüne Revolution – von aussen betrachtet schizophrener Weise – vor allem eine Bewegung des Bildungsbürgertums. Der Sprinter strauchelt und der Marathonläufer gewinnt an Boden? Derzeit liefern sich die beiden Spitzen-kandidaten den Prognosen zufolge weit ab vom restlichen Feld ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sich auf Statistiken zu verlassen ist und bleibt jedoch fahrlässig, egal wie seriös die Quellen auch sein mögen. Auch berechnen die Umfragen nicht den Effekt ein, den sie selber auf den Ausgang der Wahl haben könnten. Die Parlamentswahlen im März haben ausserdem bereits ge-zeigt, dass trotz anders lautender Behaup-tungen Wahltag in Kolumbien noch immer Zahltag ist. Vielleicht nimmt auch diesmal heimlich, still und leise die PIN noch auf den letzten Metern rechts aussen Einfluss? Und vielleicht hat der finanzstarke Santos in Runde zwei den längeren Atem? Die sicherste Wette ist, dass Spekulation zu diesem Zeitpunkt zwecklos ist. 

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com