Extreme Ungleichheit

Ein weiterer trauriger Rekord für Kolumbien; obwohl die offiziellen Daten noch erwartet werden, scheinen die Entwicklungen eindeutig. Kolumbien weist die grösste Schere bezüglich der Einkommensverteilung zwischen arm und reich in ganz Lateinamerika auf und würde heute weltweit wohl den vierten Platz belegen.
Während sich die 10% Reichsten der Bevölkerung 50% des Bruttoinlandproduktes (BIP) teilen, müssen sich die Ärmsten 10% mit nicht mal 0.6% des BIP zufrieden geben.

Reine Armutsbekämpfung

Die sich immer weiter öffnende Schere in Kolumbien muss als strukturelles und historisches Problem betrachtet werde, welches nicht alleine mit Programmen zur Armutsbekämpfung gelöst werden kann, sondern vielmehr tiefgreifende strukturelle und sozio-ökonomische Veränderungen verlangt. Die orthodoxe Ansicht, dass das wirtschaftliche Wachstum das Problem der Armut von alleine lösen wird, hat die Ungleichheit in den letzten Jahren nur noch verschärft.

Auch die Politik der Regierung Santos’ scheint das Problem nicht strukturell angehen zu wollen, obwohl der Plan de Desarrollo Nacional verschiedene Massnahmen zur Reduktion der Armut vorsieht. So soll die regionale Ungleichheit verringert, die extreme Armut und der informelle Sektor bekämpft sowie in die Qualitätsverbesserung im Bildungssektor investiert werden. Doch ohne eine gerechtere Verteilung des Reichtums und ohne dass die Eliten der Gesellschaft in die Pflicht genommen werden, zum Beispiel über ein neues Steuersystem, wird auch die Politik Santos’ ein blosses Programm der Armutsbekämpfung bleiben und keine Politik der Umverteilung sein.

Armut und Ungleichheit sind nicht dasselbe

Hier liegt denn auch das fundamentale Problem; Programme zur Armutsbekämpfung müssen als Symptombekämpfung verstanden werden. Sie führen nicht zu einer strukturellen Veränderung, das heisst zu einer grundlegende Reform derjenigen Strukturen, die zur Armut breiter Bevölkerungsschichten beitragen. Daher führen sie auch nicht zu einer Reduktion der immer weiter zunehmenden Ungleichheit.

Allein mit der Bekämpfung der Armut wird die Ungleichheit nicht verringert. So wurde die Armut gemessen am Einkommen in Kolumbien zwischen 2002 und 2009 zwar verringert, doch die soziale Ungleichheit ist stabil geblieben. Die Armut muss vielmehr als ein Aspekt der sozialen Ungleichheit verstanden werden, und darf auf keinen Fall mit dieser gleichgesetzt werden. Mit sozialer Ungleichheit ist allgemein die ungleiche Verteilung von materiellen und immateriellen Ressourcen in einer Gesellschaft gemeint und die damit einhergehende ungleiche Teilhabe an derselben. Das heisst, die Ungleichheit umfasst mehrere Dimensionen und nicht nur die materielle Armut. Bei der Bekämpfung von sozialer Ungleichheit müsste demnach nicht nur die sozio-ökonomischen Situation in Betracht gezogen werden, sondern vor allem auch Unterschiede in der regionalen und der Stadt-Land Entwicklung sowie ethnische Faktoren und Gender-Aspekte die zu Diskriminierung führen.

Dass der Teufelskreis von Armut und zunehmender sozialer Ungleichheit unter der Politik des Präsidenten Santos gebrochen wird, wird von verschiedenen Seiten bezweifelt. Dies würde die Bereitschaft der Regierung voraussetzen, das Problem als ein grundlegend strukturelles zu verstehen. Dies wiederum würde bedeuten, dass Macht- und Besitzstrukturen beim oberen Ende der gesellschaftlichen Pyramide angegangen würden, zum Beispiel in Form der überfälligen Landreform oder auch durch eine Umverteilung der steuerlichen Belastung.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des am 12. März in der Wochenzeitschrift Semana erschienen Artikels „Desigualdad extrema“.
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Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

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Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com