08/31/16

Streit zwischen Novartis und Kolumbien über Preisfestlegung für Krebsmedikament geht weiter

31.08.2016 | von Stephan Suhner

Im Mai 2016 haben wir über den eskalierenden Konflikt zwischen dem kolumbianischen Staat in der Person des Gesundheitsministers und dem Schweizer Pharmakonzern Novartis rund um die Kosten für das Krebsmedikament Imatinib berichtet. Nun hat der Gesundheitsminister Gaviria trotz massivem Druck unter anderem aus den USA den Wirkstoff Imatinib als von öffentlichem Interesse erklärt. Damit wird ein tieferer Preis festgelegt, aber keine Nachahmerprodukte zugelassen. Das heisst, Novartis vermarktet Glivec weiterhin ohne Konkurrenz.

Am 14. Juni hat der Gesundheitsminister Alejandro Gaviria eine Verfügung[1] erlassen, mit der den Wirkstoff Imatinib als von öffentlichem Interesse erklärte. Basierend auf dieser Verfügung muss nun die Nationale Kommission für Medikamentenpreise einen neuen Preis festlegen. Der Gesundheitsminister geht davon aus, dass der neue Preis 40% bis 50% tiefer sein werde als der bisherige. Dieser Verfügung ging eine lange Kontroverse voraus, in der der Gesundheitsminister auch mit der Erteilung einer Zwangslizenz droht, womit andere Firmen Generika hätten herstellen können. Schliesslich sah der Minister davon ab, weil es ein langwieriges Verfahren zur Folge hätte, und der Patentschutz für Glivec sowieso in zwei Jahren ausläuft. Gaviria versuchte aber in Verhandlungen mit Novartis einen neuen, für beide Seiten akzeptablen Preis auszuhandeln. Gavirias Vorschlag von 140 Pesos pro Milligramm gegenüber 324 Pesos heute wurde von Novartis dezidiert abgelehnt, die Verhandlungen scheiterten.

Novartis veröffentliche nach der Verfügung des Ministers eine Mitteilung, in der sich das Unternehmen sehr besorgt zeigte über das Resultat der Diskussionen mit den kolumbianischen Behörden. Novartis habe in gutem Glauben Verhandlungen aufgenommen und eine ganze Bandbreite von Lösungen vorgeschlagen, die leider alle abgelehnt worden seien. Gemäss dem Gesundheitsminister lag das Problem aber darin, dass Novartis insbesondere verhindern wollte, dass ein öffentliches Interesse am Preis von Glivec deklariert würde. Novartis sagte, das Medikament sei ausreichend verfügbar und das staatliche Gesundheitssystem bezahle das Medikament für alle Patienten die es benötigen. Gesundheitsminister Gaviria liess diese Argumente nicht gelten und verwies auf die hohen Preise und den technologischen Anpassungsdruck, die das Gesundheitssystem an den Rand des Kollapses führen. Novartis führte eben noch an, dass der Preis in den letzten drei Jahren schon zweimal gesenkt worden sei und der Preis von Glivec in Kolumbien zu den weltweit tiefsten gehöre. Gaviria konterte mit dem Hinweis, dass Novartis weltweit hohe Preise durchsetzen wolle und den Preis mit einer anderen Methodologie festsetzen wolle.

Für Gavria ist die Preisreduktion der schnellere und effektivere Weg als das Anordnen einer Zwangslizenz, da die Preisreduktion schnelle umsetzbar ist und weniger rechtliche Fragen aufwerfe. Gaviria hat auch keine Angst vor Gegenmassnahmen seitens Novartis, wie ein Rückzug des Medikaments vom kolumbianischen Markt oder allfälligen Klagen.[2] Novartis behält das Monopol für die Vermarktung des Wirkstoffes Imatinib.      

Trotzdem zeigte sich nicht nur Novartis erbost über die Entscheidung des Gesundheitsministers und überlegt sich eine Klage gegen den Entscheid[3], auch der Kolumbianische Verband der Pharmalabors AFIDRO drückte seine starke Sorge über den Entscheid aus. Die Entscheidung des Ministers führe zu generellen Zweifeln über die Gültigkeit der Patente in Kolumbien und erschüttere das Recht auf geistiges Eigentum.[4] Anders sehen es die VertreterInnen der Gesundheitsorganisationen und NGOs, die 2014 die Zwangslizenz forderten. Germán Holguín von Misión Salud sagt, dass die Art und Weise wie die Verfügung des Gesundheitsministers verfasst sei, es Misión Salud und Ifarma erlaube, eine Zwangslizenz zu verlangen. Im geeigneten Moment würden sie diesen Schritt machen. Durch die Generika – Produktion wollen sie den Preis für das Medikamente noch weiter senken. Sie sehen darin einen wichtigen Präzedenzfall, da rund 46 Medikamente zu hohe Preise aufweisen und dem Budget des kolumbianischen Gesundheitssystems grossen Schaden zufügen.[5] Bis jetzt hat die Comisión Nacional de Precios de Medicamentos y Dispositivos Médicos Hepatitis C verlangte, lässt die Branche nichts Gutes hoffen.[6] Das letzte Kapitel in dieser Sache scheint auf jeden Fall noch nicht geschrieben. Die ask! wird weiter darüber berichten.

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[1] https://www.minsalud.gov.co/Normatividad_Nuevo/Resoluci%C3%B3n%202475%20de%202016.pdf

[2] BBC Mundo, La pelea entre Colombia y Novartis por el precio de un medicamento contra el cáncer, 17. Juni 2016, in : http://www.laopinion.com/2016/06/17/la-dura-pelea-entre-colombia-y-la-farmaceutica-novartis-por-el-precio-del-medicamento-para-el-cancer-glivec/

[3] El Colombiano, Salud en Colombia: Glivec enfrenta a Novartis y Gaviria, 28. Juni 2016, in:http://m.elcolombiano.com/salud-en-colombia-glivec-enfrenta-a-novartis-y-gaviria-BY4472535

[4] https://www.afidro.org/wp-content/uploads/Afidro-Imatinib-2-de-junio-de-2015.pdf

[5] Andrea Ornelas, La presión civil logra abaratar un anticancerígeno de Novartis, 7. Juli 2016, in: www.swissinfo.ch/spa/glivec-colombia_la-presi%C3%B3n-civil-logra-abaratar-un-anticancer%C3%ADgeno-de-novartis/42276598

[6] DRG Blog, 18. Juli 2016, https://decisionresourcesgroup.com/drg-blog/decision-de-colombia-con-imatinib-crea-revuelo-en-el-mercado-global/

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com