29.04.2007

Chiquita liefert Waffen an Paramilitärs in Kolumbien

29.04.2007 | Bruno Rütsche

Der Bananenmulti Chiquita Brands hat zwischen 1997 und 2004 mindestens 1,7 Mio. US-Dollar an die paramilitärischen Verbände Kolumbiens AUC bezahlt. Zudem wurden über den Hafen der Tochterfirma in Kolumbien Waffen an die Paramilitärs geliefert.

Nach Angaben der Firmenleitung sollen in früheren Jahren auch Zahlungen an die Guerilla getätigt worden sein. Die Zahlungen an die Paramilitärs waren nach einem Treffen zwischen dem Direktor von Banadex S.A., der kolumbianischen Tochterfirma von Chiquita, und dem Chef der paramilitärischen Verbände, Carlos Castaño, im Jahr 1997 vereinbart worden.

Doch nicht nur das: Im November 2001 wurden über den Hafen der kolumbianischen Tochterfirma Banadex S.A. 3000 Kalaschnikow-Gewehre und 5 Mio. Schuss Munition für die paramilitärischen Verbände AUC geliefert.
Im Juni 2002 bezeichnete der Chef der paramilitärischen Verbände AUC, Carlos Castaño, dies in einem Interview als bedeutendsten Erfolg der AUC. (El Tiempo, 30. Juni 2002)

Mit diesen Waffen sind Hunderte von Bauern, GewerschaftlerInnen, Indigene und soziale Führungspersonen ermordet worden. Die paramilitärischen Verbände haben Tausende von Menschen ermordet, zum Verschwinden gebracht und Hunderttausende von ihrem Land vertrieben. Kolumbien zählt heute 3,8 Mio. interne Flüchtlinge. Mit besonders abscheulichen Morden an Zivilpersonen schürten sie bewusst Terror und Panik. Wer nicht mit ihnen zusammenzuarbeiten bereit war, musste die Region verlassen oder wurde umgebracht. Die paramilitärischen Verbände AUC waren im Jahr 2001 von den USA auf die Liste der Terrororganisationen gesetzt worden. Damit machte sich Chiquita in den USA durch die Zahlungen strafbar.

Im April 2003 informierte Chiquita das US-Justizministerium über die Schutzgeldzahlungen an die kolumbianischen Paramilitärs. Die Zahlungen wurden jedoch erst im Jahr 2004 eingestellt. Chiquita gab im Mai 2004 zu, zwischen 1997 und 2004 mit Wissen hoher Manager am US-Hauptsitz in Cincinnati mehr als 1,7 Mio. US-Dollar an die Paramilitärs bezahlt zu haben.

Bereits nach den Aussagen von Carlos Castaño im Jahr 2002 hatte der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten OAS, der Kolumbianer Cesar Gaviria, auf Antrag von Nicaragua und Panama eine Untersuchung eröffnet. Dies hinderte ihn jedoch nicht daran, am 14. April 2004 Chiquita mit dem Preis für „soziale Verantwortung gegen Armut und Korruption“ auszuzeichnen.

In einem Vergleich hat sich Chiquita gegenüber der US-Justiz Mitte März 2007 bereit erklärt, insgesamt 25 Mio. US-Dollar Strafe zu bezahlen. Wer entschädigt die Opfer in Kolumbien? Wer sorgt dafür, dass die geraubten Ländereien wieder zurück gegeben werden?

Schmecken Ihnen Chiquita-Bananen noch?

Übrigens: Es gibt auch fair gehandelte Bananen. Sie tragen das Max Havelaar Label.

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