02/13/18

Der Valentinstag ist für die kolumbianischen Blumenarbeiterinnen kein Freudentag

13.02.2018 | von Stephan Suhner

Seit 2002 wird am 14. Februar, dem Valentinstag, der Internationale Tag der BlumenarbeiterInnen gefeiert. Hintergrund dieses Gedenktages ist, dass ein Grossteil des Umsatzes der Blumenindustrie um den Valentinstag herum gemacht wird und dann auch die Arbeitsbedingungen für die ArbeiterInnen am schlechtesten sind, beispielsweise mit überlangen Arbeitstagen.

Kolumbien ist heute der zweitgrösste Blumenexporteur hinter Holland und das Land, das am meisten Blumen in die USA schickt. 75% der Blumenproduktion Kolumbiens gehen in die USA die restlichen 25% verteilen sich auf 80 weitere Länder. Der Verband Asocolflores vertritt die Interessen von 220 Unternehmen die für 65% der Exporte verantwortlich sind. 2015 arbeiteten ca. 130‘000 Personen in der Blumenproduktion, 65% davon Frauen, viele alleinerziehende Mütter. Die NGO Corporación Cactus kritisiert, dass vor allem Frauen aus der Unterschicht mit tiefem Bildungsniveau in der Blumenindustrie arbeiten und dabei kaum den Mindestlohn verdienen. Asocolflores verweigert die Auskunft über die Löhne, brüstet sich aber damit, für 25% der formellen Arbeitsplätze für Frauen in Kolumbien aufzukommen. Die Corporación Cactus sieht die Beschäftigten der Blumenindustrie aber v.a. als verletzliche Arbeitsnehmende, die leicht auszubeuten sind. Nebst tiefen Löhnen ist das Outsourcing ein Problem, nicht einmal ein Prozent der ArbeiterInnen sind gewerkschaftlich organisiert. Kollektivpakts haben die Gewerkschaften und Gesamtarbeitsverträge ersetzt. In der Hochsaison der Blumenproduktion wie um den Valentinstag herum sind Arbeitstage von 20 Stunden für die ArbeiterInnen keine Seltenheit.[1]

Die Corporación Cactus denunziert, dass die Arbeitsbelastung und die Ausbeutung der Arbeiterinnen in den letzten Jahren stetig zugenommen haben. So werden die verlangten Produktionszahlen pro Arbeiterin ständig erhöht, was zu Ermüdungserscheinungen und Gesundheitsproblemen führt, vor allem durch langandauernde ungesunde Haltung und repetitive Tätigkeiten bei der Arbeit. Zudem sind die ArbeiterInnen verschiedenen giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt. Das Gesundheitssystem für die Angestellten der Blumenindustrie ist so ausgelegt, dass berufsbedingte Gesundheitsprobleme nicht als solche anerkannt werden. Frauen müssen häufig Schwangerschaftstests über sich ergehen lassen und Verhütungsmittel einnehmen, um eine Anstellung zu erhalten, da die Chemikalien krebserregend sein können und das Neugeborene gefährden könnten. Beim Outsourcing kommen verschiedene Instrumente und Figuren zum Einsatz wie Temporär-Dienstleister, Arbeits-Kooperativen etc., womit die Arbeiter keine Angestellten mehr sind, sondern Teilhaber am Dienstleistungsunternehmen, wodurch sie ihre Arbeitsrechte verlieren und die Blumenfarmen ihre Verantwortung für die Angestellten los werden. Auch wurden die Gewerkschaften in der Blumenindustrie arbeitsrechtlich unter Druck gesetzt wie auch mit offener Repression bekämpft.[2] Arbeitsverträge sind meist nur befristet und das Recht, Forderungskataloge zu präsentieren und Gesamtarbeitsverträge zu verhandeln, wird verneint.   

Seit über sechs Jahren existiert im Kontext des Freihandelsabkommens zwischen den USA und Kolumbien der Aktionsplan für Arbeit (Plan de Acción Laboral PAL), der zum Ziel hat, die Arbeitsrechte der KolumbianerInnen zu schützen, die Informalität und das Outsourcing zu reduzieren und Gewerkschaftsrechte zu stärken. In der Blumenindustrie, die im PAL als prioritär erachtet wird, sind bisher aber keine Verbesserungen feststellbar. Hingegen hat der Freihandelsvertrag der Blumenindustrie viele Vorteile gebracht, die Exporte und damit die Produktion ansteigen lassen, und z.B. in den Landwirtschaftszonen rund um Bogotá die Nahrungsmittelproduktion verdrängt. Um auf die Missstände in der kolumbianischen Blumenindustrie aufmerksam zu machen, führt die US-Organisation Witness for Peace jedes Jahr eine Kampagne durch. So ruft WfP dazu auf, eine Motion im US-Kongress zu unterstützen, mit der in den USA der 14. Februar ebenfalls als Internationaler Tag der BlumenarbeiterInnen anerkannt und damit dem Aktionsplan PAL mehr Nachachtung verschafft werden sollte.[3] Was nicht im Sinne der kolumbianischen ArbeiterInnen wäre, sind Boykottaufrufe, da sie dann ihre Arbeit verlieren würden. Dringend notwendig sind bewusste US-KonsumentInnen, die nachfragen, wie die Blumen produziert werden, damit in Zukunft der Valentinstag auch den BlumenarbeiterInnen Freude macht.[4]

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[1] El Tiempo, Luz y sombra del sector de las flores en Colombia, 26. Dezember 2017, in;: www.eltiempo.com/economia/sectores/luz-y-sombra-del-sector-de-las-flores-en-colombia-165444

[2] www.cactus.org.co/wp-content/uploads/2015/02/Comunicado-DITF-2017.pdf

[3] http://witnessforpeace.org/celebrate-february-14th-as-international-flower-workers-day/

[4] Das Fair Trade Label, wie es in der Schweiz durch Max Havelaar für viele Schnittblumen vergeben wird, konnte sich in Kolumbien nie gross durchsetzen, gerade wegen der starken Ausrichtung auf den tiefpreisigen US-Markt.

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Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

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www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com