05.04.2016

Organisierte Kriminalität und illegaler Goldabbau in Lateinamerika

05.04.2016

Heute wurde in Genf eine internationale Studie von The Global Initiative vorgestellt, die bestätigt, was die ask! seit 2013 sagt: illegaler Goldabbau und Handel wird für illegale Gruppen immer wichtiger und hat den Drogenhandel zum Teil überflügelt. In Peru und Kolumbien übersteigt der Wert des illegal exportierten Goldes den Wert der Kokainexporte. Illegaler Goldabbau ist die einfachste Methode für Drogenhändler, Geld zu waschen. 80% der kolumbianischen Goldproduktion stammt aus illegalem Abbau. Die bisherigen Instrumente zur Verhinderung von Konfliktmineralien, Geldwäsche und Korruption weisen noch grosse Lücken auf, und viele Leitlinien sind freiwillig und führen zu keiner ausreichenden Sorgfaltspflicht entlang der ganzen Lieferkette.     

Gemäss The Global Initiative führte der Drogenkrieg dazu, dass der Drogenhandel weniger profitabel wurde. Das verleitete illegale Gruppen dazu, vom Drogenhandel in den illegalen Goldhandel zu diversifizieren. Die fragmentierte Struktur des informellen kleingewerblichen Goldabbaus und die Distanz der Goldabbauregionen von regierungskontrollierten Gegenden erleichterten das Vorhaben. Heute weist die Region den weltweit höchsten Anteil an illegal abgebautem Gold auf: 28% des Goldes sind es in Peru, 30% in Bolivien, 77% in Ecuador, 80% in Kolumbien und gar bis zu 90% in Venezuela. Im illegalen Goldabbau sind in Lateinamerika Hunderttausende Personen beschäftigt, die gegenüber (sexueller) Ausbeutung und Menschenhandel sehr verletzlich sind.

Illegaler Goldabbau hat verheerende Folgen für die Umwelt und die Menschenrechte, vertreibt Gemeinschaften, verschmutzt Trinkwasser und zerstört Ökosysteme. 87% der intern Vertriebenen in Kolumbien stammen aus Regionen mit illegalem Bergbau. Kleingewerblicher Goldabbau schüttet jedes Jahr 30 Tonnen Quecksilber in die Gewässer der Amazonasregion und vergiftet Fische und Anwohner bis zu 400 km flussabwärts. Ebenso führt der illegale Goldabbau zu grossflächiger Abholzung im Amazonasregenwald.

Die Studie empfiehlt den Exportländern, die Formalisierungsprozesse für informelle Bergleute zu vereinfachen und mit mehr Ressourcen auszustatten, die Inspektoren mit genügend Ressourcen auszustatten, Opfer des illegalen Goldabbaus zu schützen und Unternehmen und kriminelle Organisationen zur Rechenschaft zu ziehen. Unternehmen sollen die UN Guiding Principles übernehmen und bessere Mechanismen anwenden, um die Lieferketten zu überprüfen, um sicher zu stellen, dass kein illegal produziertes oder unter Verletzung der Arbeits- und Menschenrechten hergestelltes Gold verarbeitet wird. Importländer sollen die Rechtsanwendung und Durchsetzung stärken, z.B. in Bezug auf Konfliktmineralien, und Unternehmen die illegales Gold verarbeiten und verkaufen zur Verantwortung ziehen.

Studie als Pdf

Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

Mitglied der ask! werden und/oder an die ask! spenden oder einfach eine Spende an das Postkonto der ask! IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2 überweisen.