24.04.2013

Schmutziges Gold aus Kolumbien und Peru in der Schweiz

24.04.2013

Schmutziges Gold landet auch in der Schweiz. Denn die Schweiz spielt im internationalen Goldgeschäft eine zentrale Rolle. Vier der neun weltweit grössten Raffinerien befinden sich in der Schweiz. Rund ein Drittel des weltweit geförderten Goldes wird in einer der Schweizer Gold-Raffinerien verarbeitet.

Exemplarisch für die problematischen Produktionsbedingungen veröffentlichen die GfbV und die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) heute Informationen zu drei Schweizer Raffinerien und zu Goldimporten aus Peru respektive Kolumbien. Die Schweizer Raffinerien importieren und verarbeiten unter anderem Gold aus Regionen, in denen Gewalt ausgeübt, Menschenrechte verletzt und die Umwelt geschädigt werden.

Gold aus der umstrittenen peruanischen Mine Yanacocha

So verarbeitet beispielsweise die Tessiner Goldraffinerie Valcambi SA Gold aus der peruanischen Mine Yanacocha. Dort kam es letzten Sommer bei Protesten gegen eine Minenerweiterung zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und Demonstrierenden, bei denen fünf Personen starben. Wie sich nun zeigt, könnte die peruanische Polizei wohl im Auftrag der Minenbetreiberin Minera Yanacocha gehandelt haben – diese gehört wie die Tessiner Raffinerie Valcambi SA zum US-amerikanischen Newmont-Konzern gehört: Zwischen der peruanischen Polizei und Minera Yanacocha besteht ein Vertrag, mit welchem die «Erbringung von ausserordentlichen zusätzlichen Dienstleistungen» durch die Polizei und deren finanziellen Entschädigung geregelt sind. Dieser Vertrag liegt der GfbV vor.

Schmutziges Gold aus Kolumbien

Metalor Technologies, Valcambi SA und Argor Heraeus importieren Gold vom kolumbianischen Bergbauunternehmen Mineros S.A. im Departement Antioquia. Die kolumbianische Menschenrechtsorganisation CALP konnte anlässlich einer Beobachtungsmission Zeugenaussagen über gravierende Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden dokumentieren. So machen die Zeugen geltend, dass Mineros S.A. die lokalen (Umwelt-)Behörden kooptiert hat und die Armee beim Schutz der Installationen von Mineros S.A. schwere Menschenrechtsverletzungen begeht. Im Umfeld von Bergbaukonzessionen von Mineros S.A. kam es auch zu Vertreibungen. Ausserdem gibt es grosse Umweltbelastungen entlang der Flüsse; Mineros S.A. betreibt in ehemals geschützten Waldgebieten Bergbau. 

Die GfbV und die ask! fordern die Schmuck- und Uhrenhersteller sowie die Schweizer Goldraffinerien auf, folgende Schritte in Richtung sauberes Gold zu unternehmen:

1.      Schaffung von Transparenz und Massnahmen, um die Rückverfolgbarkeit des Goldes zu gewährleisten.

2.      Verbesserung der Sorgfaltspflicht der Produzenten, Raffinerien und Verarbeiter.

3.      Suspendierung des Kaufs und der Verwendung von Gold, wenn sich herausstellt, dass es aus Abbaugebieten stammt, wo die Menschenrechte massiv verletzt werden und/oder die Umwelt geschädigt wird und keine keine Massnahmen ergriffen werden, um die Probleme zu lösen.

4.      Förderung und Kauf von Gold aus Abbaugebieten, wo das Mitbestimmungsrecht der Lokalbevölkerung respektiert wird und keine nachhaltigen Umweltschäden entstehen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker und die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien haben in sogenannten «Briefings» Informationen zu Schweizer Goldraffinerien und zu den Bedingungen vor Ort zusammengestellt.

Download Briefing Kolumbien

Download GfbV-Briefing GfbV: «Schweizer Goldraffinerien: Umstrittene Goldimporte aus Peru»

Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

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