Informeller Goldbergbau

Aktuell wird Gold in Kolumbien meistens im informellen Bergbau produziert, da die Grossprojekte durch Unternehmen erst aufgezogen werden. Welche Produktionsverfahren sind üblich? Welche Akteure sind in diesem Bereich aktiv? Was bedeutet das für den Konsumenten? Kann der Käufer von kolumbianischem Gold wissen, unter welchen Umständen dieses produziert wurde? Können Schweizer Firmen mit gutem Gewissen Gold aus Kolumbien beziehen?

Die ask hat sich diese und weitere Fragen gestellt und hat nachgeforscht, welche Probleme im Zusammenhang stehen mit der Goldproduktion in kleinen oder mittleren Betrieben.

Wenn man über den informellen Sektor redet, stellt man sich oft Strassenverkäufer vor. In Zusammenhang mit Goldproduktion denkt man an einzelne Schürfer, welche ihr tägliches Brot beim Goldwaschen erwerben, und zwar nur mit rudimentärer Ausrüstung, zum Beispiel Schaufel, Goldwaschsieb und -pfanne. Dies ist leider nur ein Teil der Wahrheit.

Am Goldgeschäft nehmen nicht nur Grosskonzerne oder einzelne Goldschürfer als Selbstversorger teil, das sind nur zwei Extremfälle. Organisierte Banden, welche mit semi-industrieller Ausrüstung landesweit Goldreserven ausbeuten, sind ebenso beteiligt wie die Akteure des bewaffneten Konflikts, welche einen zunehmend grösseren Anteil ihres Einkommens in diesem Sektor erwirtschaften. Undurchsichtige Exportgeschäfte mit geschmuggeltem Gold dienen der Geldwäscherei und fördern die Korruption lokaler Amtsträger.

Die Umwelt leidet sehr stark unter dem unkontrollierten Bergbau: Um schneller an grosse Mengen Gold zu kommen werden meistens Cyanide und Quecksilber eingesetzt, selbst durch einzelne Bergbauer, was schwerwiegende Luft- und Wasserverschmutzung zur Folge hat. Wenn grosse Nassbagger an einem Fluss vorbeiziehen, hinterlassen sie eine dauerhaft zerstörte Landschaft.

Am Ende fliesst dieses Gold – dessen Produktion in den betroffenen Gebieten einen durchwegs negativen Saldo hat – in den legalen Handel ein. Die ask geht davon aus, dass ein beträchtlicher Anteil dieses Goldes in die Schweiz exportiert wird. Zum Beispiel sind 2009 rund 90% der Goldexporte aus dem Chocó, das mit Abstand ärmste Departement Kolumbiens, laut Statistiken der kolumbianischen Regierung in die Schweiz gekommen. In diesem Jahr wurden die Flüsse dieses Departements durch auswärtige Plünderer rücksichtslos heimgesucht. Zurück liessen sie verwüstete Flussufer und vergifteten Fisch, eine der wichtigsten Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung.

In dem vorliegenden Bericht werden diese Missstände ausführlich dokumentiert. Anhand des Beispiels vom Gebiet Bajo Cauca wird verdeutlicht, wie Goldbestände für die lokale Zivilbevölkerung nicht immer ein Segen sind, sondern viel öfters Entwicklungen hervorrufen, welche das ohnehin harte Leben im kolumbianischen Hinterland zusätzlich beeinträchtigen.

Angesichts dieser Tatsachen wünscht sich die ask mehr Transparenz von Seiten der Schweizer Firmen, welche im Goldgeschäft tätig sind.

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