Goldrausch und Kriegsfinanzierung

Der neue Goldrausch der Kolumbien erfasst hat und die daraus resultierenden Möglichkeiten zur Profitmaximierung, blieben den bewaffneten Konfliktparteien nicht verborgen. Eine vielbeachtete Reportage, die Anfang März in der New York Times erschien, bezeichnet die Goldminen denn auch als die neue Finanzierungsquelle des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien.1

Von den annähernd 6’000 Kohle- und Goldminen in Kolumbien wird rund die Hälfte illegal betrieben. Vor allem die Kontrolle dieser illegalen Minen sowie die Schutzgelderpressung der Goldwäscher bescheren den bewaffneten Gruppen erhebliche Einnahmen, welche wiederum zur Kriegsfinanzierung eingesetzt werden.

Dass die Minen eine wichtige Finanzierungsquelle der Guerilla sind, und neuerdings auch anderer bewaffneter Gruppen, ist unbestritten, jedoch keine neue Erkenntnis. Aussagen des Direktors der Fundación Seguridad y Democracia zufolge, ist die Tatsache, dass die Guerilla sich über Erpressungen, das Erlassen von Lizenzen für den Abbau, sowie die Kontrolle von illegalen Minen finanziert, ein alter Hut. Seit bald drei Jahrzehnten finanziert sich die Guerilla unter anderem durch den Betrieb illegaler Minen. Neu hingegen ist die Proportion dieser Finanzierungsquelle. Nach dem Drogenhandel stehen die Minen, vor den Entführungen, neu an zweiter Stelle der Finanzierung. Doch die Minen sind nicht nur attraktive Geldquellen, sondern dienen seit jeher auch der Geldwäscherei von Drogengeldern.

Der neue Goldrausch

Diese Entwicklungen können auf zwei Faktoren zurückgeführt werden; einerseits die Entwicklung des Goldpreises und andererseits die teilweise erfolgreiche Bekämpfung des Cocaanbaus.

In Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit ist Gold immer noch ein sicherer Anlagewert, der Goldpreis ist die letzten Jahre denn auch kontinuierlich angestiegen. Von diesem neuen Goldrausch blieb Kolumbien denn auch nicht verschont. Das Instituto Colombiano de Geología y Minas (Ingeominas) sagt für die nächsten zwei Jahre eine Verdoppelung der Goldproduktion voraus. Der Goldrausch zieht nicht nur Multinationale Unternehmen ins Land, sondern auch Bauern, für die der Bergbau zu einer sichereren Einkommensquelle als z.B. der Cocaanbau geworden ist, suchen ihr Glück fernab ihrer Felder. Die (illegalen) Minen haben sich für die Guerilla und die bewaffneten kriminellen Banden durch den steigenden Goldpreis zu einem noch lukrativeren Geschäft als bis anhin entwickelt. Die Rolle der bewaffneten Konfliktparteien in der unkontrollierten Etablierung neuer, illegaler Minen darf somit nicht unterschätzt werden. Ein weiterer Grund wird in der mehr oder weniger erfolgreichen Umsetzung des Plan Colombia gesehen. Durch die Besprühungen von Cocapflanzungen sind diese zu einer unsicheren Anlage geworden. Zudem ist die Investition in Goldminen ein legales Geschäft im Gegensatz zum Cocaanbau.

Zunehmende Gewalt und Umweltzerstörung

Besonders betroffen durch diese jüngsten Entwicklungen ist das Departement Antioquia. Seit jeher eine Zone des Bergbaus, ist Antioquia noch heute für rund 80% der nationalen Goldproduktion verantwortlich.

Durch die Präsenz rivalisierender Banden, die sich die Kontrolle der einzelnen Minen streitig machen, hat die Gewalt enorm zugenommen. Diese Gewaltzunahme wird am Beispiel von Caucasia offensichtlich. In dieser 100'000 Einwohner zählenden Stadt kämpfen die aus den demobilisierten paramilitärischen Gruppen hervorgegangen Banden der Urabeños und der Rastrojos um die Kontrolle über das Goldgeschäft. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen sind die Tötungsdelikte drastisch angestiegen. Die Mordrate in Caucasia ist denn auch mehr als 5mal so hoch wie der nationale Durchschnitt.

Doch nicht nur die Zunahme der Gewalt hat schwerwiegende Konsequenzen für die Region und deren Bevölkerung, sondern auch das beim illegalen Goldabbau eingesetzte Quecksilber. Schätzungsweise 67 Tonnen Quecksilber werden jedes Jahr in die Umwelt der Region freigesetzt. Einem UN-Bericht zu Folge führen diese enormen Mengen dazu, dass Antioquia eines der weltweit höchsten Niveaus an Quecksilberverschmutzung als Folge des handwerklichen Goldabbaus aufweist. Der direkte Kontakt mit Quecksilber oder aber auch dessen Akkumulation in der Umwelt und der Nahrung kann zu schweren Nerven- und Hirnschäden führen.

Zwischen den Fronten

Im Januar kündigte Präsident Santos eine breit angelegte Offensive gegen die illegalen Goldminen an. Im Kampf gegen die bewaffneten kriminellen Gruppen und die Guerilla soll der illegale Goldabbau als zunehmend wichtige Finanzierungsquelle des Krieges in Kolumbien unterbunden werden.

Doch die Leidtragenden dieser Aktionen werden wohl einmal mehr die kleinen Goldwäscher sein, die auf eigene Faust arbeiten und zwischen den verschiedenen Fronten stehen. Einerseits müssen sie der jeweiligen kriminellen Bande, die die illegale Mine kontrolliert, Schutzgeld bezahlen, andererseits werden sie durch die Regierungsoffensive, die das Ziel verfolgt, alle illegalen Minen zu schliessen, ihrer Einkommensmöglichkeit beraubt. Und obwohl diese selbständig arbeitenden Bergleute mehrheitlich keine Lizenz haben, bergt deren Bestrafung die Gefahr, dass sie noch mehr in die Abhängigkeit der kriminellen Banden geraten.

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Quellenangaben:

Simon Romero, In Colombia, New Gold Rush Fuels Old Conflict, The New York Times, 03.03.2011 http://www.nytimes.com/2011/03/04/world/americas/04colombia.html

Hernando Salazar, La minería ilegal financia al crimen en Colombia, BBC Mundo, 11.03.2011 http://www.bbc.co.uk/mundo/noticias/2011/03/110310_colombia_mineria_ilegal_az.shtml

Hernando Salazar, El oro también financia a la guerrilla en Colombia, BBC Mundo, 18.11.2010 http://www.bbc.co.uk/mundo/noticias/2010/11/101117_colombia_guerrilla_oro_financiacion_jg.shtml

1 Simon Romero, In Colombia, New Gold Rush Fuels Old Conflict, The New York Times, 03.03. 2011 http://www.nytimes.com/2011/03/04/world/americas/04colombia.html

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

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Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com