01/30/15

Goldexportfirma mit Schweizer Bezug im Zentrum eines Geldwäschereiskandals

30.01.2015 | Von Stephan Suhner

Am Dienstag 20. Januar 2015 wurde der CEO des kolumbianischen Goldhandelsunternehmens GOLDEX, John Uber Hernández, von der Polizei in einem Linienbus in Montenegro, Quindío, zusammen mit seiner Ehefrau verhaftet. Hernandez und der Goldhandelsfirma C.I. Firma Goldex werden vorgeworfen, in einen Geldwäscheskandal von 970 Mio. USD verwickelt zu sein, in den auch Drogenhändler involviert sind.

Nach monatelangen Untersuchungen hatten die Strafverfolgungsbehörden nun genug Anhaltspunkte, um John Hernández zur Verhaftung auszuschreiben, zusammen mit rund zwei Dutzend weitern Personen. So wurden am Freitag 16. Januar 2015 26 Personen festgenommen, denen eine Beteiligung an diesem Geldwäschereiskandal vorgeworfen wird. Hernández gelang es zuerst noch, sich der Verhaftung zu entziehen.
Goldex hatte bisher nur angegeben, dass ein Grossteil des von ihr gehandelten Goldes aus dem Nordosten Antioquias stammt, wo Guerilla und paramilitärische Gruppen aktiv sind, lehnte aber jegliche illegale Tätigkeit ab. Die Strafverfolgungsbehörden gehen nun aber davon aus, dass das Unternehmen dazu benutzt wurde, um illegal abgebautes Gold dem legal gewonnenen Gold beizufügen und so zu helfen, die Aktivitäten von Rebellen und Neo-Paramilitärs zu finanzieren. Goldex ist nicht das einzige Unternehmen, gegen das Untersuchungen laufen. Gegen insgesamt sechs Unternehmen sind Untersuchungen wegen Geldwäscherei und unrechtmässiger Bereicherung am Laufen.[1] 
John Úber Hernández, CEO von Goldex, hat schon mehrfach gegenüber der Generalstaatsanwaltschaft ausgesagt. Gemäss dem Anwalt, der die Firma vertritt, erklärte er die Umstände von über 600 Transaktionen und Exporten sowie die Hintergründe seiner Lieferanten, v.a. diejenigen aus dem Nordosten Antioquias. Die Staatsanwaltschaft überprüft sämtliche Buchhaltungsunterlagen, vergleicht die Zahlen des Goldankaufs bei den Lieferanten mit den Exportzahlen, und arbeitet mit der Zollbehörde DIAN zusammen um zu verifizieren, ob die angegeben Mengen auch tatsächlich physisch exportiert wurden, oder ob es sich lediglich um Papiergeschäfte handelte.[2]

Es begann mit Steuerhinterziehung
Erste Hinweise auf illegale Machenschaften ergaben sich 2010 bei Untersuchungen der Zollbehörde DIAN, da die Buchhaltungs- und Zolldokumente Fehler und Ungereimtheiten aufwiesen und Goldex deswegen gebüsst wurde. Ausgangspunkt des aufgedeckten Geldwäschereiskandals war also ein simples Verfahren wegen Steuerhinterziehung, und am Ende flog ein grosses Netzwerk des illegalen Goldabbaus und der Finanzierung illegaler bewaffneter Akteure auf. Die Untersuchungsbehörden kamen Goldex ebenfalls auf die Spur, als 2011 in Antioquia eine grosse Menge illegales Gold beschlagnahmt wurde, die zu verschiedenen sonderbaren finanziellen Transaktionen führte, und schliesslich zu Goldex. Darauf wurden verschiedene Unterlagen von Goldex über die Produktion aus „legalen“ Minen überprüft, die sich als gefälscht herausstellten, während es in  derselben Region illegale Minen gibt.        
Goldex handelte demnach systematisch mit Gold von illegalen Minen, das sie exportierten. Um die Exporte zu rechtfertigen, benutzte Goldex nebst einigen legalen Minen eine ganze Reihe von Scheinunternehmen und nicht existierenden natürlichen Personen in den Departementen Antioquia, Córdoba, Santander, Chocó und Huila. Die Scheinunternehmen wurden meist erst vor kurzem gegründet, weisen kaum Eigenkapital, aber grosse Transaktionen, auf. Verschiedene Unternehmen existierten auch lediglich auf dem Papier. Bei den natürlichen Personen handelte es sich um Personen, die schon verstorben waren, deren Namen aber in einem ID-Kartenregister weiter verwendet wurden.[3]

Hernandez sah sich als Opfer einer Intrige
Gemäss den Untersuchungsbehörden handelt es sich um den grössten Geldwäschereiskandal in der Geschichte Kolumbiens, dessen sich der Vizegeneralstaatsanwalt persönlich annahm. Die Staatsanwaltschaft untersucht weiter, über welche Mechanismen die Gewinne aus dem exportierten illegalen Gold an die Organisationen, die den illegalen Goldabbau betreiben, zurückflossen. Und die Einheit für die Erlöschung des Besitzrechts in der Staatanwaltschaft führt parallel zu den Strafuntersuchungen Verfahren durch, um die illegal erlangten Güter zu beschlagnahmen. John Uber Hernández werden folgende Delikte zur Last gelegt: organisierte Kriminalität, Geldwäscherei, Dokumentenfälschung und Prozessbetrug.[4]        
Hernández verteidigte sich am Anfang damit, dass er nur einer von 152 untersuchten Personen und Firmen sei, und dass er als einziger freiwillig seine Buchhaltung gegenüber den Behörden offen legte. Aus den freiwilligen Aussagen sei in der Gerüchteküche dann ein Verhör geworden. Dritte wollten wohl sein Geschäft zerstören, so Hernández. Von den 152 Personen und Firmen, gegen die Untersuchungen laufen, sind über 60 Geschäftspartner von Hernández.
Die Tageszeitung El Tiempo deckte auf, dass zu seinen Lieferanten auch Jairo de Jesus Rendón Herrera gehörte, Bruder von Daniel Rendón alias Don Mario, Chef der Bande Los Urabeños, und von Freddy Rendón, alias El Alemán, ehemaliger paramilitärischer Anführer. Die mit der Familie Rendón verbundenen Unternehmen hiessen Mineros Regómez y Cia Ltda und Río Amarillo Ltda. Zwischen den Jahren 2007 und 2009 kaufte Goldex von diesen Gold im Wert von 6,5 Mio. USD. Hernández verteidigte sich damit, dass im Moment als er von Rendón Gold kaufte dieser noch keine juristischen Probleme hatte, und als er 2009 davon Kenntnisse erhalten habe, habe er den Ankauf sofort gestoppt. El Tiempo hat aber schon 2008 veröffentlicht, dass Rendón Verbindungen zu Paras, Drogenhandel und Goldminen hatte. Zudem erfolgte der letzte Goldkauf von Hernández bei Rendón im Juli 2009, in dem Monat als sich Rendón den USA stellte und seine Drogenhandelstätigkeiten zugab.[5]

Gold ging in die USA – Republic Metals und die Metalor-Tochter
John Uber Hernández hat in den letzten fünf Jahren bis 2014 über 40 Tonnen Gold exportiert, den grössten Teil davon in die USA, an das Raffinerieunternehmen Republic Metals in Florida. Anfangs 2014 habe Republic Metals aber aufgehört, Gold von ihm abzunehmen, da die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit gelangten. Ein weiterer beträchtlicher Teil – mehr als 10 Tonnen - ging in den Jahren 2008 bis 2013 an Metalor Technologies in den USA. Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien hat Metalor Schweiz im Januar 2013 ein erstes Mal kontaktiert, aber keine Antwort über kolumbianische Lieferanten und nur ungenügende Antworten über die Einhaltung der Sorgfaltspflicht erhalten. Eine Journalistin von Matin Dimanche hat im Herbst 2014 zu illegalem Goldabbau und -Export recherchiert, u.a. zu den Anschuldigungen gegen Goldex. Auf Anfrage der Journalistin antwortete Metalor, man habe die Geschäftsbeziehung mit Metalor 2013 abgebrochen, als die ersten Presseartikel in Kolumbien erschienen seien. Metalor betonte, sie hätten dies gemacht, obwohl sie eine schriftliche Bestätigung einer kolumbianischen Behörde hätten, wonach gegen Goldex keine Untersuchungen am Laufen seien und keine Vorwürfe vorlägen. Aus den jüngsten kolumbianischen Presseberichten geht klar hervor, dass die Verhaftung von Hernández das Resultat einer mehr als zweijährigen Untersuchung war. Daher ist fraglich, was für eine Behörde die erwähnte Bestätigung ausgestellt haben sollte, und weshalb Metalor trotz Sorgfaltsprüfungsprozessen erst durch Presseberichte hellhörig wurde.
Metalor hat bis zur Publikation dieses Artikels keine Fragen der ask! beantwortet. Allfällige Antworten würden nachträglich gewürdigt. Download PDF


[1] Colombian gold CEO involved in $970m laundering case arrested, 22. Januar 2015, http://www.mining.com/colombian-gold-ceo-involved-in-970m-laundering-case-arrested-91852/

[2] Los líos legales de Góldex, uno de los gigantes del oro en Colombia. Fiscalía investiga si fue utilizada para lavar plata de grupos ilegales, 17. September 2013, http://www.eltiempo.com/archivo/documento/CMS-13066362

[3] Capturan al 'zar del oro' en Quindío, 20. Januar 2015, in: http://www.semana.com/nacion/articulo/goldex-zar-del-oro-entrega-en-quindio-fiscalia/415338-3  und http://www.semana.com//nacion/articulo/john-uber-hernandez-el-lavador-de-dinero-mas-grande-del-pais/415371-3#cxrecs_s

[4] Goldex, la historia detrás de la empresa de oro más grande del país, 21. Januar 2015, in: www.semana.com/nacion/articulo/goldex-captura-zar-del-oro-lavado-de-activos-historia-de-la-empresa/415422-3

[5] El 'zar' del oro, enredado por negocios con un narco. 21. Juni 2014, in: http://www.eltiempo.com/politica/justicia/el-zar-del-oro-enredado-por-negocios-con-un-narco/14154442

 

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com