04/03/13

Speakers Tour zu Goldhandel mit Kolumbien 11. April bis 2. Mai 2013

03.04.2013

Kolumbianische Direktbetroffene berichten über die negativen Konsequenzen des illegalen Goldabbaus

Die Verantwortung der Schweiz: Transparenz und Sorgfaltspflicht in der Goldhandelskette notwendig

Ein afrokolumbianischer Kleinbauer und eine Menschenrechtsanwältin berichten über die Folgen unkontrollierten Goldabbaus und über die Bedrohung des Lebensraumes der Schwarzengemeinschaften durch multinationale Minenkonzerne. Noch wird das Gold mehrheitlich durch kleine und mittlere illegale Minen abgebaut, inmitten des bewaffneten  Konflikts und unter dem Druck des organisierten Verbrechens, und mit einer erschreckenden Umweltbilanz. Rund ein Drittel der kolumbianischen Goldproduktion gelangt zur Verarbeitung in die Schweiz. Den Schweizer Akteuren im Goldgeschäft mangelt es aber bisher an Problembewusstsein. Es gibt keine Transparenz und sie gehen nicht mit der notwendigen Sorgfaltspflicht vor, um den Ankauf von Konfliktgold zu vermeiden.  

Gäste der ASK aus Kolumbien zum Thema Bergbau/Gold

Ximena González arbeitet bei der NGO Tierra Digna, sie ist Anwältin und die Hauptverantwortliche für das Thema Bergbau bei der NGO. Tierra Digna setzt sich für die Respektierung der Menschenrechte von Gemeinschaften ein, die durch wirtschaftliche Projekte und Aktivitäten von (multinationalen) Unternehmen in ihren Rechten betroffen sind. Tierra Digna arbeitet als Anwaltskollektiv v.a. juristisch in einer integralen Verteidigung der Menschenrechte, des Zugangs zu Justiz und in der Stärkung der Gemeinschaftsprozesse. Tierra Digna existiert seit 5 Jahren und beschäftigt drei Anwältinnen und eine Ökonomin. Tierra Digna arbeitet zu Energieproduktion (Staudämme), Bergbau (Kohle und Gold), zum Recht auf Wasser und die Ausbeutung der Wälder/Biodiversität. Neben dem Goldthema arbeitet die ASK mit Tierra Digna zu Glencore-Prodeco / Kohleabbau zusammen und unterstützen sie in der Begleitarbeit der umzusiedelnden Dorfgemeinschaft Boquerón in Cesar. Zum Thema Gold arbeitet Tierra Digna v.a. im Chocó und zu Anglo Gold Ashanti und unterstützt den Gemeinschaftsrat der COCOMOPOCA bei der Verteidigung der Menschenrechte und des kollektiven Territoriums.

Américo Mosquera ist Vertreter (Representante legal) des Afrokolumbianischen Gemeinschaftsrates des Oberen Atratoflusses  COCOMOPOCA (Consejo Comunitario de la Organización Popular Campesina del Alto Atrato). Der Gemeinschaftsrat COCOMOPOCA umfasst 2‘250 Familien, ca. 10‘500 Personen in über 50 Dorfgemeinschaften. 12 lange Jahre haben sie für einen kollektiven Landtitel gekämpft, den sie 2011 für eine Fläche von 73'000 Hektaren erhalten haben (nicht das ganze traditionelle Land von ihnen). 55'000 Ha sind an multinationale Goldkonzerne konzessioniert, der grösste Teil an Anglo Gold Ashanti; diese Konzessionen sind in der Explorationsphase. Jedoch gibt es Dutzende Nass- und Schaufelbagger, die illegal das Territorium und den Fluss ausplündern, einige von illegalen (bewaffneten) Akteuren kontrolliert. Dieses Gold gelangt nach Medellín, von wo aus der Grossteil exportiert, eventuell auch in die Schweiz.

Kolumbianisches Konfliktgold in der Schweiz?

Kolumbien produzierte gemäss Regierungsdaten 2011 55 Tonnen Gold; 22 Tonnen wurden in die Schweiz exportiert und bei Metalor und Argor raffiniert. Das meiste in die Schweiz exportierte Gold stammt gemäss kolumbianischen Regierungsstatistiken aus Antioquia und Chocó. Der grösste Teil des Goldes wird in kleinen Minen (Berggold in Stollen oder durch Goldwaschen in Flüssen) gewonnen, ohne Bergbautitel und Umweltlizenz. Einerseits gibt es traditionelle Kleinschürfern (agromineros), die seit Generationen Gold in Kleinmengen abbauen. Mit den stark gestiegenen Goldpreisen bauen auch viele illegale Minenunternehmen mit Baggern und Motorpumpen in grossem Stil Gold ab. Die Regierung Kolumbiens kriminalisiert die kleinen handwerklichen Goldminen als illegal und tituliert das Land an multinationale Konzerne. Ein beträchtlicher Teil der Minen muss einem oder mehreren der illegalen bewaffneten Akteuren Schutzgelder oder „Steuern“ bezahlen, viele Minen werden auch direkt von Paramilitärs oder Guerillas kontrolliert oder betrieben. Diese informellen Produktionsregionen zeichnen sich durch hohe Umweltverschmutzung  und schwere Menschenrechtsverletzungen aus. Auf Grund der Mengen und der Herkunftsregion des Goldes gehen wir davon aus, dass Gold mit einer erschreckenden Menschenrechts- und Umweltbilanz auch in die Schweiz gelangt. 

Ziele und Forderungen der Delegation

Das Ziel der Delegation aus Kolumbien besteht in der Sensibilisierung der Schweizerinnen und Schweizer über die Auswirkungen des Goldabbaus und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden. Es geht darum, die Mitverantwortung von Schweizer Raffinerien und Goldhändlern sowie der Goldverarbeiter wie der Schmuck- und Uhrenindustrie aufzuzeigen und konkrete Verbesserungen in der Sorgfaltspflicht anzustossen. Die Schweizer Regierung als Repräsentantin eines der weltweit wichtigsten Goldverarbeitungs- und Handelsplätze muss ihre Verantwortung ebenso wahrnehmen, für Transparenz sorgen und die Firmen in die Pflicht nehmen.

Wichtigste Anliegen und Forderungen der Delegation:

·         Aufbau grosser Tagebau-Goldminen auf dem kollektiven Territorium des Gemeinschaftsrates der Cocomopoca verhindern, die den Lebensraum der Afrokolumbianer massiv beeinträchtigen würden;

·         Umfassende Respektierung und Erfüllung der Menschenrechte der betroffenen Gemeinschaften, insbesondere auch ihrer ethnischen und kollektiven Rechte;

·         Einfordern von korrekten Prozessen zur Erreichung der freien, vorgängigen und informierten Zustimmung der Schwarzengemeinschaften zu Bergbauprojekten, was auch ein Vetorecht bei schwerwiegenden Auswirkungen auf die Lebensweise und Kultur der Gemeinschaften beinhaltet;

·         Unterstützung bei der Legalisierung traditionellen, gemeinschaftlichen Kleinbergbaus (z.B. traditionelles Goldwaschen – barrequeo) und technische Unterstützung für eine saubere Produktion, allenfalls im Rahmen von Fair Trade Modellen

·         Einforderung einer konkreten und weit gehenden Sorgfaltspflicht bei Menschenrechten und Umweltproblemen durch Schweizer Akteure im Goldhandel 

Die arbeitet seit über 25 Jahren für die Einhaltung der Menschenrechte und den Frieden in Kolumbien und gibt den stimmlosen in Kolumbien eine Stimme. Seit 10 Jahren arbeitet die schwerpunktmässig zur sozialen Unternehmensverantwortung und Rechenschaftspflicht sowie zur Rolle von Unternehmen in einem Konfliktgebiet. Wir versuchen, lokale Gemeinschaften im Einflussbereich von Schweizer Unternehmen zu stärken und in der Einforderung ihrer (Menschen-)Rechte zu begleiten. Als Trägerorganisation der Kampagne Recht ohne Grenzen setzen wir uns am Beispiel von Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Unternehmen in Kolumbien für verbindliche Regelungen für Schweizer Multis und insbesondere für eine verbindliche Sorgfaltspflicht  im Menschenrechts- und Umweltbereich ein.

Geplante öffentliche Veranstaltungen 

Zürich: Donnerstag den 11.4.2013, 18:30 Uhr, Hauptgebäude Universität Zürich, Rämistrasse 71, Raum KOL-E-21 (Zusammenarbeit mit Hochschulgruppe Amnesty International Zürich, EVB Regionalgruppe Zürich und ASOCOL)

Bern: Freitag den 12.4.2013, 19.30 Uhr, Käfigturm (Zusammenarbeit mit Multiwatch und TdL)

Lausanne: Samstag den 13.4.2013, ab 13.30 Uhr, Maison de quartier Sous-Gare, 50 avenue Édouard Dapples, 1006 Lausanne im Rahmen des Gegen-Forums zum FT Rohstoff-Gipfel

Neuchâtel: Dienstag den 16.4.2013, 19.30 Uhr, Auditoire de l’Institut d'ethnologie, Saint-Nicolas 4, Neuchâtel  

Hausen am Albis: Mittwoch den 17.04.2013, 20.00 Uhr, Katholisches Pfarreizentrum, Bifangstrasse 6, Hausen am Albis, (nebst Gold auch Thema Glencore und Kohle)

Wohlhusen: Samstag den 20. April, Besammlung 11.00 Uhr beim Bahnhof Wohlhusen, Ende ca. 17 Uhr.

Bern: Mittwoch den 24. April 2013, 18.30 Uhr, Podium „Die Rolle der Schweiz im Goldhandel mit Kolumbien und Peru – Herausforderung für Umwelt und Menschenrechte“, zusammen mit GfbV und CDE der Universität Bern, Hörraum 205 an der Hallerstrasse 6, Universitär Bern   

Genf: Donnerstag, 25.4.2013, 18.30 Uhr, Salle MS130 Sous-sol d’Uni Mail, Boulevard du Pont d'Arve 40 - 1205 Geneve, zusammen mit Amnesty Unigruppe, GfbV, tdh Genève, CETIM und Aipazcomun.

Download als pdf

Aktueller Artikel zur Goldproblematik  

Flyer Lausanne Gegenforum

Flyer Goldvortrag Bern

Flyer Goldvortrag Zürich

Flyer Podium Bern 24.4.

Plakat  Bern

Flyer Hausen am Albis

Flyer Neuchatel

Flyer Wohlhusen

Flyer Genf

Aktuell

16.09.2016

Den Frieden wagen: Kolumbien nach 50 Jahren Bürgerkrieg

 

Mehr zur Kampagne