12.09.2017

Bergarbeiterstreik in Segovia und Remedios

12.09.2017 | von Stephan Suhner

Lösung nach 43 Tagen Protest, mehreren Toten und Dutzenden Verletzten

Am 21. Juli 2017 traten Tausende Bergleute aus Segovia und Remedios in einen friedlichen Zivilstreik. Bis zu 12‘000 Personen nahmen am Streik und an den Protesten teil, es gab viel Unterstützung aus den umliegenden Gemeinden, aus Medellín und von verschiedenen NGOs und Sozialbewegungen. Dank all der Solidarität konnten die Bergleute schliesslich fast eineinhalb Monate durchhalten und all den Verleumdungen, Drohungen und gewaltsamen Übergriffen durch die Sicherheitskräfte standhalten. Der aktuelle Protest hat eine lange Vorgeschichte an Gewalt und unerfüllten Abkommen. Einerseits gibt es eine lange Geschichte von Gewalt gegen die Gewerkschaften, die bei der Frontino Gold Mines und später bei anderen Minenunternehmen arbeiteten (über acht ermordete Gewerkschafter seit 1983) und gegen kleine Bergmänner, die z.B. gegen Gran Colombia Gold protestierten. So wurden im Juli 2012 Yamison Amaya und Nelson Cadavid durch Paramilitärs ermordet. Andererseits erschwerte das neue Bergbaugesetz von 2001 die Koexistenz des Grossbergbaus mit den kleinen und mittleren Minenbetrieben. Diese wurden für illegal erklärt und durch die Polizei angefeindet, an der Arbeit gestört, es gab dann Räumungsbefehle und mehrere Minen und Stollen wurden 2013 zerstört und gesprengt. Gleichzeitig war es den kleinen Minen nicht möglich sich zu formalisieren, da sie sich auf einem privaten, zeitlich unbefristeten Bergbautitel (Registro de Propiedad Privada a Perpetuidad) befanden, so selbst keine Titel beantragen und sich somit auch nicht legalisieren konnten. Gran Colombia Gold, die heutige Inhaberin des Titels, versucht die kleinen Bergleute zu zwingen, sich über nachteilige Assoziierungsverträge 70/30 zu legalisieren, das heisst dass der Grossteil ihrer Arbeit (70% des abgebauten Erzes) an den multinationalen Konzern gehen würde. Aus diesem Grund gab es mehrere Proteste und Streiks, die jeweils durch den ESMAD gewaltsam aufgelöst wurden. Die Mesa Minera der traditionellen kleinen und mittleren Minenbetriebe suchte intensiv nach Lösungen. Nach einem Streik im September 2016 ging die Departementsregierung einige Verpflichtungen ein und es wurde eine Mesa de Soluciones (Tisch zur Lösungsfindung) einberufen, der aber nicht effizient war. So kam es eben am 21. Juli 2017 zu einem neuen Streik.[1]

Die Gründe für diesen neuen Bergbaustreik sind: In den Verhandlungen über eine Legalisierung der Bergbauaktivitäten gab es Unregelmässigkeiten, und in den sogenannten Mesas de Soluciones gab es keine Lösungen. Der Multi Gran Colombia Gold weigerte sich, den traditionellen Bergbau in der Zone anzuerkennen. Dann gibt es mehrere Dekrete und Verfügungen, die erlassen wurden, die die Bergbauaktivitäten in traditionellen Zonen (zonas ancestrales) verbieten respektive verunmöglichen. Es sind Dekrete von Ende Juni 2017, die die Kommerzialisierung des Minerals verunmöglichen. Kleine und mittlere Bergleute können ihre Produktion nicht mehr verkaufen, das Dekret 1102 vom 27. Juni 2017 hat die Vermarktung blockiert, da die Banken die Konten der Goldhändler blockieren und diese nicht  mehr auf die Gelder zurück greifen können. Der Inhaber einer Mine muss belegen können, dass die Mine legal ist. Die Subsistenz-Bergleute müssen zudem im Registro Unico de Comerzializadores de Minerales RUCOM (Einheitliches Register für Mineralienhändler) und im Registro Unico de Tributación (Steuerregister) erscheinen. Weiter war der Vorschlag von Gran Colombia Gold und deren Tochterfirma Zander Capital zur Legalisierung der Arbeit der kleinen Bergleute für diese ungenügend, lässt die traditionellen Bergleute aussen vor und hätten den Bergbau für die Kleinen finanziell nicht tragbar gemacht. Schon am 22. Mai 2017 hatten die Bergleute einen alternativen Vorschlag eingebracht, aber keine Antwort darauf erhalten. Zudem gibt es eine grosse Präsenz der staatlichen Sicherheitskräfte, die immer wieder traditionelle Bergleute juristisch belangen wollen, es gibt eine permanente Drohung des Staates, mit Sicherheitskräften gegen „illegale“ Minen vorzugehen. Eine der wichtigsten Forderungen der Streikenden ist deshalb, die Regierung solle das Verbot der Kommerzialisierung des informellen Goldes zurücknehmen, dass die Banken die Konten der Goldhändler nicht mehr blockieren, und dass die Mesa de Soluciones weitergeführt wird, auch mit Beteiligung der Gran Colombia Gold.[2]

Falschinformationen, Verleumdungen und Repression

Die von den Bergleuten und Streikenden geforderten Verhandlungen wurden immer wieder verzögert. Es gab zwar gewisse Treffen, aber nicht mit Funktionären, die Entscheidungen treffen und Abkommen aushandeln konnten. Daher war eine Forderung der Protestierenden, dass der Vizebergbauminister nach Segovia und Remedios kommen müsse. Insbesondere mit Gran Colombia Gold war die Annäherung und der Dialog sehr schwierig. Bald kam es dann zu Falschinformationen, Verleumdungen, Drohungen und Repression. Nach zehn Tagen Bergbauprotest begann der Gouverneur von Antioquia die Gegend zu militarisieren und eine Ausgangssperre zu verhängen sowie grosse Kontingente der Demo-Bekämpfungspolizei ESMAD anzufordern. Hundertschaften des ESMAD haben dann den bisher friedlichen Protest mit übermässiger Gewalt angegriffen. Jaime Mongo, Vizepräsident der Mesa Minera betont, dass der Protest bis dahin friedlich verlief, ohne Strassenblockaden und ohne Unruhen. Bei der Auseinandersetzung mit dem ESMAD gab es aber eine beträchtliche Zahl von Verletzten, insgesamt über 50, viele davon schwer, und 3 Tote. Der ESMAD verschanzte sich in Schulen und sonstigen durch das humanitäre Völkerrecht geschützten Einrichtungen, zerstörte teilweise diese Installationen und posierte Scharfschützen.

Trotz Militarisierung, Ausgangsperre und gewaltsamer Unterdrückung durch den ESMAD wollen die Bergleute den Streik fortsetzen, bis die Regierung mit dem Vize-Bergbauminister vor Ort erscheint und bereit ist, über die Legalisierung zu sprechen. Die Regierung weigert sich bisher aber, einen Verhandlungstisch zu eröffnen, respektive mit hohen Funktionären nach Segovia und Remedios zu kommen, solange der Streik andauere. Die Sozialbewegung CAHUCOPANA betont, dass sie nicht bereit sind, weiter stigmatisiert zu werden, da die Normen sie kriminalisieren. Sie betrieben keinen illegalen, sondern informellen Bergbau, und wollen sich formalisieren. Die Bergmänner und Bauern der Region kritisieren, dass sie schon seit Generationen in der Region wohnen und u.a. vom Goldabbau leben, die Regierung ihnen aber für die Formalisierung viele Hindernisse in den Weg legt, während sie für die Multis die Türe öffnet und schnell Lizenzen erteile. Die Bergleute kämpfen für ihr Recht auf Arbeit und Einkommen. Da sie als illegal gelten, haben sie Schwierigkeiten, das Gold zu verkaufen, häufig gelingt es nur zu einem deutlich tieferen Preis. Es gebe wegen dieser Situation Personen in der Gegend, die Hunger litten.[3]         

Der Gouverneur von Antioquia, Luis Pérez, und weitere Amtspersonen oder Vertreter der Sicherheitsbehörden verbreiteten die Ansicht, die Proteste könnten durch Paramilitärs oder das ELN infiltriert sein. Es ist das Argument, das immer vorgebracht wird, um Proteste zu disqualifizieren. Dementsprechend wurden diese Aussagen von den Protestanführern auch vehement abgelehnt, da es die Sicherheit der 7000 Protestierenden gefährde. Am Freitag 11. August hatte dann auch das Unternehmen Gran Colombia Gold gesagt, der Protest sei durch die Autodefensas Gaitanistas beeinflusst, nachdem schon am 9. August Luis Carlos Villegas, der Verteidigungsminister, sagte, der Clan del Golfo habe seine Finger mit im Spiel. Eliober Castañeda von der Mesa Minera und einer der Anführer der Proteste bezeichnete diese Informationen als Unsinn und betonte, die Proteste seien friedlich. Sie seien müde von all der Gewalt und seien sich bewusst, dass Gewalt nichts zur Lösung beitrage. Er vermutet, die Anschuldigungen seien ein Mittel, um die Verhandlungen hinauszuzögern.[4]

Von Regierungsseite wird gesagt, dass die Proteste gewaltsam seien, dass unter anderem eine Schule beschädigt und die Cafeteria geplündert worden sei. Daher sei die Präsenz der Sicherheitskräfte erhöht und eine Ausgangssperre verhängt worden. Es würden keine Gewalttaten akzeptiert werden, die der Gemeinschaft schaden, so eine Regierungssprecherin. Zudem seien 12‘000 Schüler betroffen, da wegen der Gewalt der Unterricht suspendiert worden sei. Zudem gebe es Infiltration von illegalen Akteuren, weshalb hohe Belohnungen für deren Identifizierung ausgeschrieben wurden. Der Vizebergbauminister sagte, Regierungsvertreter würden nicht nach Segovia kommen und weiterverhandeln, solange die gewalttätigen Proteste anhalten. Bergleute des Protestes betonen den friedlichen Charakter der Proteste und werfen dem ESMAD übertriebene Gewalt und Zerstörung an der Schule vor. Tatsächlich seien am Rande der Proteste aber unbekannte, verdächtige Personen gesehen worden, die aber nicht identifizierbar seien, da es verschiedene Akteure gebe.[5]

Am 24. August 2017 hat die Mesa Minera in einer öffentlichen Verlautbarung die Infiltration von Unbekannten in die friedlichen Proteste denunziert, sowie verschiedene Drohungen. Zudem wurden mehrere Attentate mit Böllern denunziert, die glücklicherweise keine Verletzten forderten.

Das Problem mit Gran Colombia Gold 

1927 begann die Frontino Gold Mine zu arbeiten, ging 1975 aber Bankrott und unterzeichnete 1977 ein Abkommen, mit dem sie die Mine an die Arbeiter und Pensionierten übergab, um ausstehende Fälligkeiten zu begleichen. Seither wurde die Mine von den Arbeitern geführt. 2004 unter der Regierung Uribe wurde das Unternehmen liquidiert und FIDUAGRARIA übernahm die Verwaltung. Verschiedene Personen, Organisationen und Investoren machten Offerten, und schliesslich übernahm 2010 die Gran Colombia Gold den zeitlich unbefristeten Bergbautitel über 2‘900 Hektaren. Gran Colombia Gold hat dann 670 Festangestellte und 800 Temporärarbeiter entlassen und neue Arbeiter zu prekären Bedingungen eingestellt. Seither gibt es in Segovia und Remedios Probleme und Proteste. Grosse Streiks und Proteste gab es schon 2010, nach den Entlassungen. Da die Gewerkschaft gegen den Verkauf „ihres“ Unternehmens protestierte, wurde der Gewerkschaftspräsident Jhon Jairo Marulanda von Auftragskillern angeschossen und weitere Gewerkschafter bedroht, bis die Gewerkschaft aufhörte zu existieren.

Die Protestierenden beklagen sich, Gran Colombia Gold (GCG) wolle die kleinen Bergmänner zerstören, sie zum Aufgeben zwingen, weshalb das Unternehmen Verträge offeriere, die nicht erfüllbar seien und innerhalb von zwei Monaten zum Bankrott der Bergleute führen würde. Der Vorschlag von GCG war, dass die kleinen Bergleute das gesamt Erz der GCG abliefern sollen, so dass für die Chatarreras (meist Frauen, die im Abraum noch nach Gold suchen), die Transporteure und Händler nichts übrig geblieben wäre. Zudem manipuliere GCG den Goldgehalt des angelieferten Erzes und bezahlt zu wenig für das Material. Da GCG die Lizenz besitzt, verlangt sie willkürlich Abgaben. Um diese schlechten Vertrage mit dem Multi zu verhindern, verlangen die Bergmänner eine Anerkennung und Legalisierung des traditionellen Bergbaus, um die Kriminalisierung zu beenden. Die Bergleute wollen sich Formalisieren und das Gesetz respektieren, die Regelung muss aber gerecht und für die Bevölkerung vorteilhaft sein. Die Mesa Minera machte Vorschläge, wie die Produktions- oder Wertschöpfungskette erhalten und die Arbeitsplätze gesichert werden könnten, in dem sie nicht alles Erz an GCG liefern. Die Bergmänner sind dialog- und verhandlungsbereit, bisher war es aber schwierig, GCG an den Verhandlungstisch zu bringen.[6]

Die Forderungen der kleinen Bergleute

Dabei sind es Bergleute, die durch Gran Colombia Gold unter Vertrag genommen wurden, die von 2010 bis 2017 70% des Goldes förderten, das GCG insgesamt als Produktion auswies. Diese Bergleute drohen nun vertrieben, kriminalisiert und enteignet zu werden. Remedios und Segovia haben eine lange Geschichte von Gewalt und Massakern, weshalb es kollektive Wiedergutmachungsmassnahmen braucht, zur Widerherstellung der Rechte der Bergleute wie auch der Bevölkerung allgemein. Die Regierungen der nationalen, departamentalen und Gemeindeebene müssen endlich präsent sein und eine Verhandlungslösung ermöglichen. Zur Reparation braucht es die Auflösung der paramilitärischen Strukturen, eine Säuberung der Armee und der Polizei, damit sie effektiv die Bevölkerung schützen, die Rückgabe des Minenunternehmens an die Bevölkerung von Remedios und Segovia, wirtschaftliche Autonomie für die Bergleute und eine enge staatliche Begleitung und Beratung, damit die Goldproduktion soziale und Umweltstandards einhalten kann.[7] Es gibt auch eine Anordnung des Interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte (CIDH) an den kolumbianischen Staat vom 1. November 2016 (MC 548-15), damit dieser die Sicherheit der Führungspersonen gewährleistet und die traditionellen Bergbaugemeinschaften schützt.

In Remedios und Segovia wird seit 200 Jahren Bergbau betrieben. Das Bergbaugesetz verunmöglicht aber die Legalisierung des traditionellen und informellen Bergbaus seit 2001, auch unter dem Entwicklungsplan von Juan Manuel Santos. Die Regierungen unterstützten den informellen Bergbau nie, so dass dieser sich hätte technifizieren können, Titel erwerben und so seine Aktivität legalisieren können. Der Vizebergbauminister Carlos Andrés Cante kritisierte aber die Proteste, da die nationale und die Departementsregierung immer dialogbereit gewesen seien, und auch Gran Colombia Gold mit den illegalen Bergleuten im Dialog gestanden sei und man an der Formalisierung arbeite. Seit 2011 seien 36 Minen mit 2500 Arbeitern über Operationsverträge (contratos de operación) legalisiert worden. Der Vizeminister sagte, es brauch gut gemachten Bergbau, die Verschmutzung der Flüsse und eine unkontrollierte Vermarktung können nicht toleriert werden.

Weiter betonte Cante, dass die Regierung nicht bereit sei, über die Legalität zu verhandeln. Das war seine Antwort auf die Proteste der informellen Bergleute, die verlangen die Normen für die Bergbauaktivitäten zu flexibilisieren. Der Vizebergbauminister betonte, dass die legale und handwerkliche Aktivität des Barequeo (Goldwaschen) von skrupellosen Personen missbraucht werde, um Gold aus illegaler Produktion zu kommerzialisieren. Daher beharre die Regierung auf der Legalität, d.h. auf dem Verbot von Quecksilber und auf der Legalität der Vermarktung des Minerals. Eine Studie des Bergbauministeriums habe gezeigt, wie gewisse Personen versuchen, bis zu 1000 Gramm Gold pro Monat zu legalisieren, das mit Saugbaggern gewonnen wurde, und versuchen es als Gold von Barequeros zu legalisieren, die mit ihren handwerklichen Methoden nur 35 Gramm im Monat und 430 Gramm pro Jahr abbauen können, das ist der gesetzlich festgelegte Maximalwert.

Die Bergleute haben einen 15 Punkte umfassenden Forderungskatalog, um den Streik wieder aufzuheben. U.a. verlangen sie die Flexibilisierung der Bergbau-Normen. Das andere grosse Anliegen der Bergleute betrifft die Abbaustellen auf dem Land des GCG. Insgesamt gibt es 137 Produktionseinheiten auf dem Konzessionsgebiet der GCG.

Eine Lösung zeichnet sich ab

Ab dem Freitag 25.August gab es erste Annäherungen bei einem Treffen zwischen den Bürgermeistern von Segovia und Remedios, dem Vizebergbauminister, dem Regierungssekretär von Antioquia, dem Unternehmen GCG und der Mesa Minera. Die Mesa Minera hat 14 Punkte in die Verhandlung eingebracht, um eine Lösung zu finden. U.a. verlangen sie: 1) eine Charakterisierung der ganzen Produktionskette des traditionellen Bergbaus; 2) eine 18-monatige Übergangsphase, um von der Informalität in die Formalität zu gelangen; 3) eine klare Unterscheidung zwischen traditionellem und illegalem/kriminellem Bergbau zu machen; 4) die Eröffnung eines permanenten Büros der Mesa Minera mit technischer und wirtschaftlicher Unterstützung des Bergbauministeriums; 5) eine neue Reglementierung der Operationsverträge; 6) eine Reform des Bergbaugesetzes und eine Suspension des Gesetzesprojektes 169 von 2016, bis dass die Bergbau-Produktionskette formalisiert sei. Als Gegenleistung soll GCG 8% des gewonnen Materials erhalten, 92% ginge an die traditionelle Wertschöpfungskette.          

Der Vizebergbauminister sagte, es sei möglich, sich zu einigen, aber nur wenn der Streik aufgehoben werde, was aber immer die Taktik der Regierung ist. Es konnten zehn Übereinkommen getroffen werden, die Behörden wollen aber im Gegensatz zur Mesa Minera nur ein Protokoll, aber kein Dekret oder keine Verfügung bezüglich den Einigungen unterzeichnen und auch des Gesetzesprojekt nicht zurückziehen. Allerdings könne im Kongress eine öffentliche Anhörung darüber einberufen werden. Nach dem Treffen vom 25. August hatte die Mesa Minera das Gefühl, dass es zu wenig Garantien für konkrete Lösungen gebe, zumal der Regierungssekretär von Antioquia kurz darauf sagte, der Streik werde so oder so beendet, entweder über ein Abkommen oder über die Sicherheitskräfte. Die Anfeindungen und Übergriffe gingen denn auch weiter, u.a. zirkulierte ein Flugblatt der Autodefensas Gaitanistas de Colombia, das Nahrungsmittel für den Protest erbat, worauf die Mesa Minera das richtig stellen mussten, dass die Autodefensas mit dem Streik nichts zu tun haben.    

Am 30. August gab es ein neues Treffen der Mesa de Soluciones, diesmal in Medellín. Die früheren Übereinkommen wurden beibehalten, aber es wurden keine neuen Vorschläge unterzeichnet noch gab es Übereinkommen mit GCG, weshalb der Streik weiterging. Es gab jedoch Falschinformationen, wonach der Streik aufgehoben werden würde.[8] Während v.a. der Vizeminister betonte, es sei eine Einigung erzielt worden, sprach der Vertreter der Mesa Minera davon, zuerst zurück nach Segovia zu reisen und das Erreichte zu sozialisieren, danach würde entschieden, ob der Streik beendet wird.[9] Zwei Tage später, am 1. September 2017, nahmen die Bergleute von Segovia und Remedios die getroffenen Übereinkommen an und unterzeichneten das Abkommen, womit der Bergarbeiterstreik nach 43 Tage zu einem Ende kam.

In den Worten des Bergbauministers wurden mit den Verhandlungen Massnahmen gefunden um den Bergbausektor zu formalisieren, die Bedingungen der Kleinschürfer und traditionellen Bergmännern zu verbessern und den illegalen Abbau zu vermeiden. Das unterzeichnete Abkommen umfasst 15 Übereinkommen und 5 vertraglich verpflichtende Minimalpunkte (5 puntos minimos de voluntad contractual). U.a. wurde die Eröffnung eines Büros für Lösungen im Bergbau beschlossen, das einen Raum mit permanenter Vertretung der zuständigen Institutionen bietet, um bei der Formalisierung zu unterstützen oder auch eine Umschulung zu ermöglichen für die, die aus dem Goldabbau austeigen wollen. Der Vizeminister betonte, dass es gelungen sei, den Rechtsrahmen zu erhalten. Die Tradition des Bergbaus werde anerkannt und garantiert, aber man könne ihn nicht weiterhin in der Informalität tätigen. Er anerkannte aber den Willen der Bergleute von Segovia und Remedios, sich formalisieren zu wollen und sagte, die Koexistenz von kleinem, mittlerem und grossem Bergbau werde möglich sein. Auch Yarley Marín, die Buchhalterin der Mesa Minera betonte den Wunsch der Bergleute in der Legalität zu arbeiten. Auf die Bergleute warte nun viel Arbeit, sie müssten Anpassungen vornehmen und die Normen erfüllen, aber dafür werden sie eine stabilere wirtschaftliche Grundlage haben. Gran Colombia Gold ihrerseits dankte der Regierung und den Sicherheitskräften, dass sie während dem Streik die Sicherheit der Arbeiter garantiert haben. Zudem würden mit der Aufhebung des Streikes die Rechte der Bevölkerung wieder vollumfänglich garantiert. Gran Colombia Gold sei weiterhin dialogbereit und wolle einen verantwortungsvollen, gut geführten Bergbau mitgestalten.[10]

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[1] Fernando Álvarez, ASOCIACIÓN DE VÍCTIMAS Y SOBREVIVIENTES DEL NORDESTE, Paro Minero en Segovia Remedios: contra el depojo por la dignidad, 28. August 2017, in: http://redcolombia.org/oscar/segovia/ParoMineroSegovia-ASOVISNA-ES.pdf

[2] El Espectador, Prohibición minera ancestral provoca paro en Segovia y Remedios, 21. Juli 2017, in: http://www.elespectador.com/noticias/nacional/antioquia/prohibicion-minera-ancestral-provoca-paro-en-segovia-y-remedios-articulo-704343

[3] Contagio Radio, Continúa paro de mineros en Remedios y Segovia pese a la represión, 3. August 2017, in:

http://www.contagioradio.com/continua-paro-de-mineros-en-remedios-y-segovia-pese-a-la-represion-articulo-44674/

 

[4] El Espectador, Mineros desmienten presencia del Clan de Golfo en paro de Segovia y Remedios, 11. August 2017, in: http://www.elespectador.com/economia/mineros-desmienten-injerencia-del-clan-del-golfo-en-paro-de-segovia-y-remedios-articulo-707554  

[5] El Espectador, “No estamos dispuestos a negociar la legalidad”: viceministro de Minas”, 2. August 2017, in: http://www.elespectador.com/noticias/nacional/no-estamos-dispuestos-negociar-la-legalidad-viceministro-de-minas-articulo-706241

[6] Contagio Radio, “Toque de queda y militarización no detendrán paro” mineros de Segovia y Remedios”, 2. August 2017, in: http://www.contagioradio.com/toque-de-queda-y-militarizacion-no-detendra-paro-mineros-de-segovia-y-remedios-articulo-44577/

[7] Maria Soledad Betancour, Segovia y Remedios demandan reparación y justicia, 8. August 2017, in: http://www.ipc.org.co/agenciadeprensa/index.php/2017/08/08/segovia-y-remedios-demandan-reparacion-y-justicia/

[8] Agencia de Prensa Rural, Mineros del nordeste mantienen la protesta pacifica, 31. August 20917, in: http://prensarural.org/spip/spip.php?article21984 

[9] El Colombiano, Mineros de Segovia y Remedios llegaron a acuerdo con el Gobierno, 30. August 2017, in: http://www.elcolombiano.com/antioquia/acuerdo-entre-gobierno-nacional-y-mineros-de-segovia-y-remedios-JC7206964

[10] El Colombiano, Tras firmasr acuerdo, mineros de Segovia y Remedios levantan paro, 1. September 2017, in: http://www.elcolombiano.com/antioquia/levantan-paro-minero-en-segovia-y-remedios-IX7220947

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