05/30/17

Red Sombra lanciert Schattenbericht zu Glencores Nachhaltigkeit in Lateinamerika

30.05.2017

Mitte Mai 2017 hat das Red Sombra einen Schattenbericht zur Nachhaltigkeit von Glencores Bergbauoperationen in den Ländern Argentinien, Bolivien, Peru und Kolumbien herausgegeben. Die ask! hat zusammen mit Multiwatch die Rundreise in der Schweiz von zwei Vertretern des Netzwerks organisiert. Die ask! hat sich mit Limbert Sanchez von der NGO CEPA aus Oruro in Bolivien und Jaime Borda von der NGO Derechos Humanos sin Fronteras aus Cusco, Peru, über das Netzwerk und den Schattenbericht unterhalten.

Ask: Das Red Sombra (Schattennetzwerk) – Observadores de Glencore veröffentlicht einen Schattenbericht zu Glencores Nachhaltigkeit in Lateinamerika. Könnt ihr uns über das Netzwerk und die Entstehung des Schattenberichtes erzählen?

Limbert: Im Jahre 2012 trafen sich erstmals verschiedene NGOs, die alle in irgend einer Form zu Glencore arbeiten, und beschlossen, sich rund um die Auswirkungen dieses Bergbauunternehmens zu vernetzen. Im Jahr 2013 hat sich das Netzwerk dann formalisiert und als „Red sombra – Observadores Glencore“ die Arbeit aufgenommen. Das Netzwerk besteht aus einem knappen Dutzend NGOs aus Argentinien, Belgien, Bolivien, Deutschland, Kolumbien, Peru und der Schweiz. Die Ziele sind unter anderen, die Gemeinschaften, die wir begleiten, zu vernetzen und Informationsarbeit zu leisten, indem wir allen Ländern gemeinsame kritische Verhaltensmuster Glencores zu identifizieren suchen und uns bei Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen gegenseitig unterstützen. Glencores Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen sollen sichtbar gemacht und die Gemeinschaften entschädigt werden.  

Jaime: Daraus entstand die Idee eines Schattenberichtes. Wir haben gemerkt, dass Glencore teilweise sehr einseitig und spärlich informiert, und dabei vor allem sich selbst gut darstellt. Oft hat dies mit der Realität, die die Gemeinschaften die wir begleiten erleben, wenig zu tun. Wir wollten deshalb den geschönten Nachhaltigkeitsberichten von Glencore die andere, gegenteilige oder fehlende Sichtweise gegenüber stellen. Der nun vorliegende Schattenbericht ist das Resultat unserer fünfjährigen Arbeit, effektiv geschrieben haben wir ihn natürlich schneller.

Ask: Das ist ja der erste Schattenbericht in dieser Art, der mehrere Länder umfasst und von mehreren Organisationen gemeinsam geschrieben wurde. Wie war eure Erfahrung damit?

Jaime: Es war nicht einfach. Erstens sind unsere Organisationen nicht auf die Recherche über Unternehmensaktivitäten spezialisiert. Wir machten das nebst all unseren anderen Tätigkeiten. Dann war es schwierig, je nach Land und Thema an die Informationen heranzukommen. Glencore operiert in den verschiedenen Ländern unter unterschiedlichen Vertragsbedingungen und die Transparenzanforderungen gegenüber Glencore und auch der Staaten selber sind sehr unterschiedlich. Viele Informationen haben wir nicht bekommen, andere sind widersprüchlich oder lückenhaft. Trotzdem ist es uns gelungen, diese Informationen in einen kohärenten Bericht zu giessen, der das erste Mal die Sicht der Betroffenen von Glencores Minentätigkeit in den vier Ländern Argentinien, Bolivien, Kolumbien und Peru wiedergibt. Darauf können wir zu Recht stolz sein.

Ask: Ihr habt erwähnt, dass ihr insbesondere nach Verhaltensmustern und Problemen gesucht habt, die in allen vier Ländern typisch sind. Was sind denn diese Gemeinsamkeiten von Glencores Minentätigkeit in diesen vier Ländern?

Limbert: Wir haben zwei Themenfelder besonders angeschaut: Corporate Governance und Umwelt. Da ist zum einen die mangelnde Transparenz über die Art der Verträge, die das Unternehmen mit den jeweiligen Regierungen abschliesst, sowie über die Zahlungen an Steuern und Royalties, die dann an die Regierungen und die Gemeinden fliessen. Häufig konnten wir auch nicht nachvollziehen, wie diese Gelder verwendet wurden, oder die Daten von Glencore unterschieden sich von denjenigen der staatlichen Stellen. Wir konnten ebenfalls feststellen, dass Glencore in allen Ländern auf verschiedene Art und Weise die Zahlungen an die Staaten zu verringern sucht, sei dies durch manipulierte Transferpreise, überhöhte Produktionskosten, durch ein unübersichtliches Firmengeflecht und die Holdingstruktur mit verschiedenen Sitzen in Steuerparadiesen. Auf der anderen Seite ist das Thema Wasser fundamental, sowohl die Verknappung durch den hohen Verbrauch der Minen wie auch die Verschmutzung durch Abwässer aus den Minen. Vielfach ist auch die Luft stark belastet. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität und Entwicklungsmöglichkeiten der umliegenden Gemeinschaften sowie auf die Gesundheit von Mensch und Vieh. Zudem haben wir uns kritisch mit der angeblichen Politik der offenen Türen auseinandergesetzt, die Glencore hervorhebt.

Ask: Kommen wir zu den beiden Fallbeispielen Peru und Bolivien. Was sind denn dort die grössten Probleme?

Jaime: In Peru sind es vor allem zwei Themen: die Schwermetallbelastung des Wassers mit den daraus entstehenden Gesundheitsschäden, sowie die Verträge Glencores mit der Nationalpolizei. Das Wasser in Gewässern rund um die Mine ist mit verschiedenen Schwermetallen belastet, in Konzentrationen weit über den zulässigen Grenzwerten. Die Menschen haben Schwermetall im Blut, unter anderem Kadmium, Arsen, Blei und Quecksilber. All dies ist durch verschiedene Studien belegt. Auch ist klar, dass verschiedene Krankheitsbilder der Anwohner der Mine und die Missbildungen z.B. bei Nutztieren, mit der Schwermetallbelastung zusammenhängen. Die Bevölkerung macht die Mine dafür verantwortlich, es fehlen jedoch Studien über die Kausalität, wer oder was die Schwermetallbelastung verursacht. Der peruanische Staat ist daran, eine solche Studie zu machen, bis Ende Jahr erwarten wir Resultate. Glencore lehnt bisher jede Verantwortung ab und sagt, die Schwermetallbelastung der Bäche sei das Resultat einer natürlichen Mineralisation der Gegend.

Das zweite Thema betrifft die problematischen Verträge der Nationalpolizei mit Glencore, um deren Sicherheit zu gewährleisten. Wir erachten es als sehr heikel, wenn die Polizei im Dienste einer privaten Firma steht und von dieser bezahlt wird. Die Polizei wird so zur Partei, respektive schlägt sich auf die Seite der Privatfirma, obwohl sie doch eigentlich für die Sicherheit aller Bürger des Landes zuständig ist. Zu was das führen kann, haben wir beim Konflikt im Mai 2012 gesehen, wo es durch die Polizeiintervention zu zwei Toten und vielen Verletzten und Folteropfern kam. Glencore sagt, dass diese Verträge nicht mehr existieren, aber wir sehen immer noch viel Polizei im Umfeld der Mine.

Limbert: In Bolivien ist auch das Wasser ein grosses Problem. Glencore operiert in Gebieten, die sowieso schon unter Wasserknappheit leiden, und verbraucht enorme Wassermengen, mehrheitlich Grundwasser. Dadurch sind verschiedene Quellen versiegt und der Grundwasserspiegel sinkt. Viele Gemeinden haben nur noch alle zwei Tage Wasser oder für eine Stunde am Tag. Das Wasser ist an vielen Orten auch verschmutzt. Gemeinschaften müssen das Wasser an anderen Orten holen gehen oder halt das verschmutzte Wasser nutzen. Wir fordern deshalb von Glencore vor allem, dass sie uns das Wasser garantieren, das kann doch für eine so grosse Firma kein Problem sein. Ebenso erwarten wir, respektive die Gemeinschaften, die wir begleiten, dass Glencore mehr in die Entwicklung der Gemeinschaften investiert. In Wirklichkeit sehen wir bis jetzt fast nichts von den versprochenen Investitionen. In Bolivien war es auch besonders schwierig, an Informationen zu gelangen, da Glencore über Bolivien fast nichts veröffentlicht. Die Zahlen Glencores über die Steuer- und Royaltybeträge konnten wir bei den staatlichen Stellen nicht verifizieren.

Ein letztes Problem betrifft die Kooperativen, die auf Glencores Konzessionen tätig sind und mit denen Glencore Verträge hat. Diese Kooperativen organisieren sich selbst, haben aber sehr tiefe Standards in Bezug auf Sicherheit am Arbeitsplatz und Umweltschutz. Glencore übernimmt auch in diesem Fall keine Verantwortung und kann so die Kosten der Mineraliengewinnung externalisieren. Zudem führen die Kooperativen, in denen ja häufig auch lokale Bewohner arbeiten, zu Konflikten mit Gemeinschaften, die Bergbau eher ablehnen, oder die Landwirtschaft betreiben wollen und unter dem Wassermangel leiden.

Ask: Ihr seid letzte Woche in Deutschland gewesen, nun drei Tage in der Schweiz. Wie war euer Programm und was habt ihr erreicht?

Jaime: In Deutschland haben wir gemeinsam mit Misereor und Facing Finance einen Bericht zu Investitionen deutscher Banken in Glencore herausgegeben. Darin fordern wir die Banken auf, sich aus der Finanzierung von Glencore zurückzuziehen, wenn sich die Menschenrechtsbilanz Glencores nicht bessert. Unter anderem sind wir bei der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank aufgetreten, die danach auch bei Glencore nachfragte, was Glencore offensichtlich wütend machte. Weiter hatten wir viele Pressekontakte und Treffen mit Parlamentsabgeordneten, die ebenfalls die Fälle weiter verfolgen wollen. Hier in der Schweiz haben wir an zwei Abendveranstaltungen in Bern und Zug den Schattenbericht vorgestellt. Auch hatten wir ebenfalls verschiedene Medientermine, ein Treffen mit dem Aussendepartement sowie mit den Banken CS und UBS. Heute Mittwoch hatten wir Gelegenheit an der Aktionärsversammlung von Glencore aufzutreten und danach Vertreter Glencores bilateral zu treffen. Die Antworten die der Präsident von Glencore, Tony Hayward gab, waren enttäuschend, Glencore lehnt weiterhin jede Verantwortung z.B. in der Gewässerverschmutzung mit Schwermetallen ab.

Limbert: Grundsätzlich sind wir mit der Rundreise sehr zufrieden. Auch in der Schweiz hatten wir ein gutes Medienecho und auch die Banken zeigten sich an den Informationen interessiert. Auch bezüglich Bolivien waren die Antworten Glencores in der Aktionärsversammlung ausweichend. Das Gespräch danach, wo auch zwei Personen anwesend waren, die für die bolivianischen Minen zuständig sind, war produktiver. Wir bekamen einige Informationen, die wir nun verifizieren werden. So sagte Glencore, dass sie den Kooperativen keine Mineralien abkaufen, da die Kooperativen die Glencore Standards für Lieferanten nicht erfüllen. Glencore sagte, sie würden gerne die Kooperativen auf ihrem Konzessionsgebiet loswerden, was aber zu massiven Konflikten führen werde. Glencore sei aber das einzige Bergbauunternehmen in Bolivien, das nach Gesetzesänderungen Verträge mit Kooperativen aufgelöst habe. Glencore sagt ebenfalls, dass nicht Glencores eigene Operationen das Wasser verschmutzen, sondern die Minen der Kooperativen, das würde das Monitoring belegen. Wir wissen jedoch von Messstellen in der Mine, die die Verschmutzung durch Glencore belegen. Glencore hat zugegeben, dass sie bisher zu Bolivien kaum Informationen veröffentlichten, weshalb ein direkter Kontakt, auch für vor Ort, umso wichtiger ist. Wir werden sehen, ob Glencores Türen in Zukunft tatsächlich offener sind, und ob sie den betroffenen Gemeinschaften im Bereich Wasser und soziale Entwicklung tatsächlich helfen.            

Jaime: In Bezug auf Peru hat Glencore erneut betont, dass sie keine Schwermetallbelastung verursachen, verschiedene Messungen würden das belegen. Ich habe Glencore gebeten, ihre Monitoringdaten herauszugeben, Glencore hat zugesagt, dies zu prüfen. Bezüglich der Verträge mit der Polizei sagten sie, dass solche weiter bestehen, jedoch nur um Sprengstoff und andere heikle Bereiche der Mine zu bewachen. Es scheint mir, dass es dieselben Verträge sind wie 2012, das heisst es könnten dieselben Probleme erneut auftauchen, obwohl Glencore versucht, das Ganze zu verharmlosen. Wir werden auf jeden Fall diese Fälle weiter verfolgen und in einem Jahr über allfällige positive Veränderungen Bilanz ziehen.

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com