03/12/08

Lebensbedingungen rund um Glencores Kupferminen in Sambia

12.03.2008 | Lisa Huber

Ein Briefwechsel zwischen der ASK und Glencore vom Februar 2008

Im Oktober 2007 haben eine NGO aus dem Kupfergürtel von Sambia und Mitglieder einer Expertengruppe aus Südafrika die ASK wegen unhaltbarer Bedingungen rund um die Mopani Kupfermine in Kitwe und das Schmelzwerk in Mufulira kontaktiert. Seit 2002 gehören die Mopani Mine – vier unterirdische Minen, ein "Konzentrator"1 und ein Kobaltwerk – sowie das Schmelzwerk zu 73% der Mehrheitsaktionärin Glencore, die schon seit 2000 Aktien der Mine besitzt. Die Expertengruppe besuchte die Anlagen im Herbst 2007. Ihr Bericht beschreibt die momentanen Lebens- und Umweltbedingungen in der Gegend, ein besorgniserregendes Bild von der Situation rund um die Mine von Glencore. Deshalb beschloss die ASK, die Schweizer Firma am 15. Februar 2008 zu kontaktieren und auf die von der Expertendelegation kritisierten Unzulänglichkeiten und Missstände anzusprechen:

  • Die Region macht einen ausserordentlich armen Eindruck, trotz der Schürfsteuer (sogenannte "Royalties"), die Glencore für den Abbau der
    Bodenschätze an die Regierung zahlen sollte. Die von der lokalen Bevölkerung benützten Strassen sind in sehr schlechtem Zustand – ein krasser Kontrast mit den Schnellstrassen, die für den Transport von Material und Rohstoffen von und zur Mine gebaut worden sind.
  • Die Mine „entsorgt“ ihre Abfälle in einer offenen Mülldeponie direkt neben dem Dorf. Abwasser wird über eine offenbar nicht ganz dichte Pipeline durch bewohntes Gebiet transportiert, so dass gesundheitsschädigender Staub die Luft des Dorfes verseucht. Aus nur mit losen Deckeln gesicherten, riesigen Kupferbecken steigt der Geruch nach Säure und Schwefel, der bei den Besuchern heftiges Husten und Halsschmerzen verursacht hat. Ein Grossteil der Menschen, die permanent in diesem Gebiet leben, leidet unter starken Hautirritationen, beeinträchtigtem Sehvermögen, Bronchitis, Verdauungsproblemen und Missbildungen. Geistig behinderte Kinder sind im Einzugsgebiet der Mine besonders häufig.
  • In den Gemeinschaften Butondo und Kankoyo ist die Situation besonders
    prekär: Abwasserbäche fliessen durch die Siedlungen; Fassaden werden
    durch das Schwefeloxid innerhalb weniger Monate schwarz und blättern ab. Je nach Windrichtung und –stärke liegt ein starker Geruch nach Säure und Schwefel in der Luft und unterirdische Sprengungen verursachen Risse in den Häusern. In diesen Gebieten ist es nicht mehr möglich, Landwirtschaft zu betreiben, da der Boden und das Wasser zu verseucht sind. Im Januar 2008 mussten 13 Anwohner notfallmässig ins Spital gebracht werden, weil sie sich durch das verseuchte Wasser Vergiftungen zugezogen hatten.
  • Verbunden mit dem Kauf der Minen und des Schmelzwerkes hätte Glencore umfangreiche Umweltauflagen erfüllen sollen, z.B. eine 20%-Reduktion der Emissionen. Laut Umweltexperten und lokalen NGOs haben diese aber um 80% zugenommen seit Glencore Mopani betreibt.
  • Es ist unklar, wieviele Steuern und Abgaben Glencore an die Regierung zahlt und wenn ja, was für soziale Investitionen sie für die Leute tätigt, deren Lebensraum zerstört wird. Lokalen NGOs zufolge bezahlt der Multi nur zwischen 0.3 und 0.6% Royalties an die Regierung.

 

Glencores Antwort auf unsere Anliegen vom 27. Februar fiel erwartungsgemäss sehr allgemein aus und sagt wenig über die tatsächlichen Lebensbedingungen der umliegenden Bevölkerung aus. Nach einem kurzen Abriss der Geschichte, des Umfangs und der Produktionsfähigkeit der Mopani Minen breitet sich die Firma fünf zahlenschwere Seiten lang über ihre Investitionen aus. Die sonst so zugeknöpfte Schweizer Firma hat in ihrem Brief sogar die Höhe der Abgaben an den sambianischen Staat offen gelegt: Die Unternehmenssteuer betrage 25% und die Royalties 0.6%. Dies liege im Durchschnitt der in Sambia operierenden Energiekonzerne. Total habe Glencore seit 2000 knapp eine Milliarde Schweizer Franken in Mopani investiert und wolle in den nächsten fünf Jahren nochmals
mindestens soviel in die Mine investieren, um ihre Produktionsfähigkeit von heute 240‘000 auf 380‘000 Tonnen Kupfer pro Jahr zu steigern. Die bisherigen Investitionen haben Glencore zufolge 8‘752 Arbeitsplätze geschaffen, wovon 99% mit Leuten aus der Region besetzt werden.

Glencores Antwort ist weiter zu entnehmen, dass sie laufend in umweltschonendere Techniken investiert habe, seit sie Aktionärin sei. So sei der elektrische Schmelzofen, der schon siebzig Jahre auf dem Buckel hatte, durch einen Isasmelt Ofen ersetzt worden. Weiter habe sie zwei Entsäuerungsanlagen gebaut und eine dritte sei in Planung. Diese Massnahmen sollten dazu beitragen bis zu 97% des giftigen Schwefeldioxides abzufangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Was die Müllentsorgung angehe, überprüfe das Minenmanagement die Deponie und die für den Transport vorgesehene Pipeline regelmässig. Schliesslich hätten sie sogar ein Mandat an einen externen und unabhängigen Berater für die Entsorgung von gefährlichem Abfall vergeben. Der Brief enthüllte jedoch nicht, was dabei herausgekommen ist. Doch auch die Abwasser würden vorschriftsmässig beseitigt und die wenigen Substanzen, die immer noch in den Mulfura-Fluss gelangen, seien nicht schädlich. Das Wasser werde nämlich mit Hilfe einer Entwässerungspumpe gefiltert, wobei wir leider nicht erfahren, wie diese funktioniert. Die Firma beteuert zwar, dass sie alle von der Regierung vorgegebenen Umweltauflagen erfüllt habe, gibt jedoch zu, dass die gesamte Ökobilanz der Mine auch nach ihrem eigenen Ermessen noch unbefriedigend sei.

Schliesslich kam Glencore in ihrem Brief auch noch auf ihre Investitionen in die umliegenden Gemeinschaften zu sprechen. Als Erstes erwähnte sie, dass Glencore als einzige Firma in der Gegend ihr Engagement für die Gemeinschaft nicht an den Gewinn knüpfe und dieses auch bei tiefen Kupferpreisen auf dem Weltmarkt aufrecht erhalte. Ein Teil ihres Engagements beinhalte die Unterstützung von lokalem Gewerbe, allerdings nur solange dieses profitabel sei und auch der Firma etwas nütze. Rund zwei Drittel der Minenlieferanten seien aus der Gegend. Im Rahmen eines Programms für die Unterstützung ehemaliger Angestellten habe Glencore zudem 1‘300 Hektaren Land zur landwirtschaftlichen Nutzung und die dafür benötigten Geräte gekauft. Ein Farmer wurde angestellt, damit er sein Wissen an die rund hundert ehemaligen Minenarbeiter, die von diesem Projekt profitieren, weitergeben könne. Ziel dieses Projektes sei, dass die Leute sich und ihre Familien von ihrem Land ernähren und bei besonders guter Ernte den Überschuss sogar verkaufen können. Laut Glencore, welche der Zustand der umliegenden Häuser von einem Experten hat untersuchen lassen, sind die brüchigen Häuserfassaden und das Abblättern der Farbe nicht auf die Minenaktivitäten, sondern auf die veralteten Baumethoden und die ungenügende Qualität des verwendeten Materials zurückzuführen. Demzufolge fühlt sich die Firma nicht verpflichtet, in diese Richtung was zu unternehmen. Schliesslich beliefen sich ihre sozialen Investitionen seit 2000 auf 19,8 Mio Schweizer Franken.

Die Mopani Mine betreibt zwei Spitäler, deren Dienstleistungen Mopanis Angestellten zu einem geringen Preis und den Nicht-Angestellten aus der Gegend zu einem normalen Preis zur Verfügung stehen. Genaue Zahlen hat Glencore leider nicht mitgeliefert, so dass unklar bleibt, ob die Bewohner sich die Behandlung in einem der Spitäler überhaupt leisten können. Glencore sei über Mopani auch an verschiedenen Aktivitäten beteiligt, die zum Ziel hätten, die Malaria- und HIV-/Aids-Erkrankungen durch bessere Behandlungsmethoden und Aufklärung zu senken. So sei in den letzten Jahren die Zahl der Malariakranken von 300 auf 20 pro 1000 Personen gefallen. Im Brief folgt darauf eine weitere Reihe von Zahlen über HIV/AIDS- und antiretrovirale Therapien, die jedoch kaum Aufschluss darüber geben, wie erfolgreich das Programm effektiv ist.

So verhält es sich leider mit den meisten Angaben, die Glencore in ihrem Antwortbrief macht: Viele Zahlen, Übereinkommen und Gesetzesvorschriften, welche die Firma angeblich zur Befriedigung aller erfüllt. Doch was deren Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der umliegenden Gemeinschaften betrifft, tappen wir auch jetzt noch im Dunkeln.

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com