01/09/08

Glencore – der unbekannte Riese, Konzernübersicht

09.01.2008

Glencore (Global Energy Commodity Ressources) ist ein unbekannter Riese der schweizerischen Wirtschaft. Das in Baar im Kanton Zug ansässige Unternehmen ist mit 116,5 Mia. Umsatz und 5,3 Mia. Gewinn das umsatzstärkste der Schweiz. Glencore ist ein höchst undurchsichtiges Unternehmen, weil sie in ihre Geschäftspraxis kaum Einblicke gewährt. Es ist an keiner Börse kotiert und ist nach Einschätzung vieler Wirtschaftsbeobachter eines der am besten geführten Unternehmen, von dem die wenigsten Leute je gehört haben. Wegen des Mangels an Transparenz erhält Glencore von Rating Agenturen wie Moody’s und Standard & Poor’s für seine Anleihen und Kredite das niedrigste Rating.
Glencore ist ein äusserst untransparentes Unternehmen, das weder Angaben über die Geschäftsinteressen und Anliegen der Stakeholder noch Zahlen zum Geschäft publiziert. Dies war einer der Hauptgründe, warum das Unternehmen Im Sommer 2007 beim Good Company Ranking von Kirchhoff von 120 Unternehmen mit 1,5 von 100 möglichen Punkten auf den letzten Platz gesetzt
wurde. Glencore ist immer wieder in Skandale verwickelt, z.B. wegen Tankerunfällen, dem Oil for Food Programm oder aufgrund des Bruches mit Handelsembargos. Bis vor einigen Jahren lag sein Kerngeschäft noch beim Rohstoffhandel. In den 1990er Jahren ist Glencore aber in die Kohle- und
Ölproduktion eingestiegen und unterhält heute Tochterunternehmen in vierzig verschiedenen Ländern.

Glencore wurde 1974 von Marc Rich und einigen Abtrünnigen der damals führenden Rohstoffhandelsgesellschaft Philipp Brothers gegründet. Dank der Erdölkrise konnten die Trader lukrative Arbitragegeschäfte (Ausnutzen von Preisunterschieden) machen. 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen eines groben Steuervergehens zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Rich – Gruppe
wurde durch staatliche Lieferverbote in den USA immer stärker gezwungen, die Handelsgeschäfte über unauffällige Tochtergesellschaften laufen zu lassen. 1994 verkaufte Rich unter dem Druck des eigenen Managements die Aktienmehrheit an seine Mitstreiter.

Unter der Führung des deutschen Metallhändlers Willy Strothotte hatte Glencore seine Strategie geändert und massiv in Minen und eigene Produktionskapazitäten investiert. Die Firma nutzte die niedrigen Rohstoffspreise zum Einkauf bedeutender Kohlekapazitäten, ein Verdienst des heutigen CEO Glasenberg. Glencore behauptet, ihre Aktivitäten seien rein physischer Natur und beträfen die
Vermarktung von Rohstoffen aus Eigen- und Drittproduktion; mit dem Papierhandel an den Rohstoffbörsen habe man nichts mehr zu tun. Der Papierhandel im Rohstoffgeschäft sorgte immer wieder für Skandale, wenn Händler Preise zu manipulieren versuchten und ganze Firmen in den
Konkurs ritten. Konkurrenten von Glencore sagen jedoch, dass Glencore im Papierhandel immer noch sehr aktiv ist, denn als grosse Produzentin, die Angebot und Nachfrage so gut kennt wie kaum jemand sonst lässt es sich mit weniger Risiko spekulieren.

85% des Reingewinns werden an die 450 Inhaber ausgeschüttet. Die aus 12 Managern bestehende Führungsspitze hält 31 % der Anteile an Glencore, keiner von ihnen besitzt mehr als 10%. Die in einem Fonds gehaltenen Ausschüttungen haben im Jahr 2006 ein Volumen von 12,6 Mia. Dollars erreicht. Von den erfolgreichen Tradern machen sich immer wieder einige mit ihren Millionen
selbständig, was u.a. die grosse Anzahl in Zug ansässige Rohstoffhandelsfirmen erklärt. 2001 waren es rund 100 Gesellschaften. Aus dem Kanton Zug kommen rund 10% aller Bundessteuern juristischer Personen, gleichviel wie aus Zürich, das zwölfmal mehr Einwohner hat.

Seit 2002 ist Ivan Glasenberg, 49-jähriger gebürtiger Südafrikaner, der neue CEO von Glencore. Glasenberg trat 1984 bei Glencore in Dienst. Er arbeitete drei Jahre bei der Kohlenabteilung in Südafrika und zwei Jahre in Australien; 1989 bis 1991 leitete er die Büros von Glencore in Hongkong und Peking. 1991 wurde er Chef der Kohlendivision und 2002 wurde er CEO von Glencore International. Ebenso ist er seit Februar 2002 im Vorstand der Xstrata Plc. Seit Glasenberg bei Glencore die Zügel in der Hand hält, hat sich der Gewinn des Unternehmens verfünffacht. Er ist umgeben von einem Team von rund 30-jährigen Managern. Die Entscheidungswege sind kurz, der Managementstil aggressiv, unermüdlich suchen sie Akquisitionsziele.

Glencore ist nach eigenen Angaben der mengenmässig grösste Erdölhändler der Welt, ohne selber in der Förderung tätig zu sein. Von den 72 Mio. USD die Glencore 2004 umsetzte, stammen etwa gleich viel aus dem Handel mit Energieprodukten (Erdöl, Kohle) wie aus dem Verkauf von Metallen und
Erzen. Den kleinsten Umsatzanteil haben die Agrarprodukte Weizen, Reis und Zucker. Allein im Handel beschäftigt Glencore 2000 Personen in 50 Büros in 40 Ländern. Die wichtigsten Handelszentren von Glencore sind Bar, London, Singapur und Stamford (Connecticut). 50'000 Personen arbeiten in von Glencore gehaltenen Industriebetrieben und Minen (Zahlen von 2006).

Glencore betreibt eine Flotte von 100 Containerschiffen und 50 Öltanklager weltweit. Glencore hat Beteiligungen an Bergwerken und rohstoffnahen Industrien im Wert von 8 Mia. Fr., u.a. eine 40% Beteiligung an Xstrata. Glencore gehören heute Kohlelagerstätten, Ölfelder, Kupfer-, Kobalt-, Zink-, Nickel- und andere Metallminen ganz oder über eine Beteiligung an Xstrata. Am russischen
Aluminiumkonzern Rusal hält Glencore 12%. Bei Getreide und Zucker gehört Glencore ebenfalls zu den Grossen. In jüngster Zeit wird Glencore bei den Agrotreibstoffen immer aktiver: in England beliefert Glencore eine Ethanolfabrik mit Weizen, in Argentinien haben sie über ihre Tochterfirma Renova und mit einem argentinischen Partner eine der grössten Agrodieselfabriken aufgebaut und exportieren schon nach Rotterdam. Glencore sitzt am Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl und ist Mitglied des US Biodiesel Board.

Was für Probleme verursacht Glencore weltweit?

Glencore legt eine äusserst gewerkschaftsfeindliche Haltung an den Tag, entlässt gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und setzt diese unter Druck. Oft als Konsequenz dieser Haltung kam es zu Minenbesetzungen und Streiks, welche gewaltsam geräumt oder zerschlagen wurden. Gewerkschaftsführer in Minen von Glencore sahen sich immer wieder gewalttätigen Übergriffen und Morddrohungen durch Paramilitärs oder unbekannten Dritten ausgesetzt.

Glencores Minen und Industriebetriebe verursachen massive Umweltverschmutzung und Krankheiten bei der Bevölkerung und tragen kaum zur lokalen Entwicklung bei. Herausragende Fälle sind:

Bolivien

Glencore hatte an einer unrechtmässigen Privatisierung des Schmelzwerkes Vinto teilgenommen. Das ehemals staatliche Schmelzwerk wurde 2002 weit unter seinem Wert an die britisch-indische Allied Deals verkauft (für 14 statt 140 Millionen USD). Die Regierung liess verschiedene Schatzungen des
Wertes des Werks erstellen, die letzte durch die Bank Paribas, die dann den "gewünschten" tiefen Wert ergab. Allied Deals geriet wegen Bilanzfälschung in Verruf und verkaufte das Schmelzwerk an das Unternehmen Comsur des damaligen Präsidenten Sanchez de Losada. Als dieser rechtliche
Schwierigkeiten hatte, verkaufte er das Werk an Glencore weiter, obwohl eine Klausel im ursprünglichen Privatisierungsvertrag den Verkauf während dreier Jahre untersagte.

Die Regierung von Evo Morales hat gestützt auf diese Klausel das Schmelzwerk von Vinto verstaatlicht. Seither fordert Glencore eine Entschädigung, ohne aber ihre eigenen Investitionen in das Werk, welche eine Entschädigung überhaupt erst rechtfertigen würden, klar auszuweisen. Glencore drohte mit der Einberufung eines internationalen Schiedsgerichtes. In den letzten Monaten verhinderte Glencore den Verkauf des Zinns aus dem nun verstaatlichten Bergwerk, um so die Regierung Morales unter Druck zu setzen.

Peru

In Peru besitzt Glencore das Bergwerk Los Quenuales - Izcaycruz. Die dortige Gewerkschaft denunzierte eine antigewerkschaftliche Haltung und ungerechtfertigte Entlassungen. Glencore weigerte sich, über Beschwerden und einen Forderungskatalog der Gewerkschaft zu verhandeln. Am 5. September 2007 rief die Gewerkschaft deshalb einen unbefristeten Streik aus. Glencore liess
Polizeikräfte auffahren und es kam zu gewalttätigen Auseinadersetzungen. Den Streikenden wurde die Lebensmittelzufuhr abgeschnitten. Die Unnachgiebigkeit der Firmenleitung hat bereits in früheren Jahren zu langen und harten Arbeitskämpfen geführt.

Sambia

In Sambia besitzt Glencore im sogenannten Kupfergürtel 73% der Mine in Mufulira und ist Mitbesitzer am Joint Venture in Kitwe. Glencore übernahm im Jahr 2000 die Mopani Mine. Diese Kupferminen und Schmelzwerke verursachen extreme Umweltverschmutzung: Durch das Schwefeloxid werden Häuserfassaden innerhalb weniger Monate schwarz, die Vegetation
verkümmert, Landwirtschaft ist in den am extremsten verseuchten Gebieten kaum mehr möglich. Staub bedeckt die Umgebung und ein riesiger Abfallberg aus Schlacke befindet sich in unmittelbarer Nähe der Siedlungen. Die Gesundheitsauswirkungen für die Bevölkerung sind katastrophal. Zu
erwähnen sind Hautirritationen, beeinträchtigtes Sehvermögen, Bronchitis, Missbildung und geistig zurück geblieben Kinder, Verdauungsprobleme etc. Der Reichtum der Mineralienvorkommen spiegelt sich in keiner Weise in der lokalen Entwicklung wieder.

Verbunden mit dem Kauf dieser Minen und Schmelzwerken und verschiedenen Ausbauprojekten hätte Glencore umfangreiche Umweltauflagen erfüllen sollen, so eine 20%ige Reduktion der Emissionen. Die Emissionen haben aber laut Auskunft von NGOs und Umweltexperten vor Ort um bis zu 80% zugenommen. Die lokale Bevölkerung und Behörden wandten sich an die sambische Regierung, wurden aber angewiesen, still zu sein. Gemeinschafts- und Gewerkschaftsvertreter
denunzieren die grassierende Korruption und der mangelnde Wille der Regierung, dem Umweltrecht Nachachtung zu schaffen. Angeblich bezahlt Glencore nur 0,3 bis 0,6% Steuern an die Regierung.

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com