02/06/13

Neue Studien der Contraloría zeigen massive Meeresverschmutzung

06.02.2013 | von Stephan Suhner

In der Nähe von Santa Marta befinden sich verschiedene Häfen, in denen Kohle von Glencore Prodeco, Drummond und CNR Goldman Sachs für den Export verschifft wird. Seit vielen Jahren beklagen sich Hoteliers, Touristen, Fischer und Anwohner über die Umweltauswirkungen der Kohlehäfen, über den negativen Einfluss für den Tourismus (schwarze Strände, Lärm der Eisenbahn) und für den Fischfang (vergiftete Fische, Ertragsrückgang, erschwerter Zugang zu Fischgründen). Anwohner klagen über Staubemissionen und Kohlepartikel im Wasser; beim Verladen der Kohle auf die Barkassen und von diesen auf die Hochseefrachter würde immer wieder Kohle ins Wasser fallen. Vor kurzem wurde bekannt, dass der Meeresboden mit einer 30cm dicken Kohleschicht bedeckt ist. Viel passiert ist bisher nicht: zwar müssen alle Häfen auf Direktverladung über Förderbänder umgebaut werden, strenge Kontrollen der Umwelteinflüsse fehlen aber bis heute.

Noch vor einem Jahr gab der Direktor für Lizenzen und Umweltverfahren des Umweltministeriums Entwarnung, was die denunzierte Verschmutzung durch die Kohlehäfen anbelange. Die Anlieferung mit dem Zug sei das Beste was möglich sei, und bei der Beladung der Barkassen würde die Kohle einerseits befeuchtet, um Staubemissionen zu verhindern andererseits würden die Barkassen nicht hoch beladen, so dass der Wind nichts verwehen könne. Es sei auch keine Evidenz für Kohlepartikel in der Umwelt gefunden worden, und beim vermeintlichen Kohlestaub handle es sich um Auspuffabgase der Barkassen.[1] Ebenso seien die Meldungen über Kohle, die beim Verlad ins Meer falle, absolut falsch. Das Umweltministerium würde über Datenreihen, Studien und Monitoringsysteme der Luft, des Wassers und des Meeresbodens verfügen, die belegen würden, dass die Kohlehäfen in Santa Marta und Ciénaga keinerlei unerlaubte oder unvorhergesehene Impacts hätten.[2]

Diese “Realität” des Umweltministeriums änderte schlagartig, dank den Untersuchungen der und ihrer Direktorin Sandra Morelli.[3] So befand die , dass der Kohletransport nicht so sicher sei wie behauptet und dass die Transportbänder bei den Häfen von Vale und Prodeco grösstenteils nicht gedeckt seien, was zu Partikelflug und somit verminderter Luftqualität führe. Ebenso konnte die festhalten, dass beim Beladen der Barkassen Materialverlust stattfindet; Kohle fällt direkt ins Meer und bedeckt den Meeresboden und die Strände. Dadurch würden Fauna und Flora des Meeres stark beeinträchtigt.

Die Beamten der hielten auch fest, dass beim Besuch Anomalien bei den Messstationen festgestellt werden konnten. So befand sich die Messstation von Drummond beispielsweise in einem Waldstück. Auch gibt es keine unabhängige Kontrolle der Messstationen und –werte, da sowohl diejenigen von Drummond als auch diejenigen der Regionalen Umweltbehörde auf dem Hafengelände und damit im Zugriffsbereich der Drummondarbeiter liegen. Dadurch seien die Daten der Messstationen wegen der fehlenden Unabhängigkeit nicht geeignet, die wahre Luftqualität wieder zu geben. Die Werte bezüglich der Luftqualität seien „zu gut“.      

Die äussert auch Zweifel bezüglich des Umbaus der Häfen auf direkte Beladung, denn in ihren Nachforschungen sei es nicht gelungen, die technischen Konzepte hinter dieser Änderung zu finden. Auch gebe es keine Daten, die den Ist-Zustand spiegeln, mit der allfällige spätere Veränderungen dokumentiert werden könnten. Das Umweltministerium sieht sich nicht verantwortlich, das Bergbau- und Energieministerium sagt, das Konzept sei im Transportministerium entstanden, und von diesem ist keine Antwort bekannt. So äussert die die Befürchtung, dass das neue System der direkten Beladung gesamthaft betrachtet für das Ökosystem schlimmer sei, da dazu Schifffahrtsrinnen am Meeresboden ausgebaggert werden müssen. Es sei deshalb denkbar, dass die direkte Beladung nicht aus Umweltgründen angeordnet wurde, sondern dass die Gelegenheit genutzt wurde, um die Exportkapazitäten zu erhöhen.

Wie wenn dieser vernichtende Bericht noch einer Bestätigung bedurft hätte, kam es am 13. Januar 2013 zu einem Unfall mit einer Barkasse von Drummond. Diese drohte mit mehr als 2000 Tonnen Kohle zu sinken, weshalb die Kohle eiligst entladen und ins Meer geschüttet wurde.[4] Die Nationale Behörde für Umweltlizenzen erfuhr erst 17 Tage nach dem Zwischenfall aus der Presse davon und begann eine Untersuchung, da in der Umweltlizenz klar festgehalten ist, dass solche Zwischenfälle innerhalb von drei Tagen gemeldet werden müssen. Bis jetzt ist noch nicht klar, wie viel Kohle ins Meer geschüttet wurde. Obwohl die Rettung von menschlichen Leben und das Verhindern des Sinkens eines Schiffes Priorität habe, sei es nicht erlaubt, die Kohle ins Meer zu kippen, hielt die Direktorin der nationalen Behörde für Umweltlizenzen (ANLA), Luz Helena Sarmiento fest.[5] Bei dieser Gelegenheit hielt Frau Sarmiento auch fest, dass die Studie der noch nicht an ihre Behörde geschickt worden sei und sie sich deshalb nicht äussern könnten. Es gebe zwar Kohlenpartikel am Strand, aber diese stellten keine Gesundheitsgefährdung dar, sondern seien mehr ein visuelles Problem.

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[1] Alejandro Arias, Drummond, sus fechorías y otros pillos. 27. Januar 2013.   http://prensarural.org/spip/spip.php?article10113

[2] Das Antwortschreiben des Umweltministeriums vom 19. Januar 2011 kann unter folgendem Link herunter geladen werden:  OFICIO DLPTA 2400-2-158326: http://sdrv.ms/11Z6xxs

[3] Contraloria General de la República, Informe Técnico Especial “Degradación Ecosistemas y Medio Ambiente Bahía de Santa Marta y Zonas de Influencia”, Dezember 2012, http://sdrv.ms/W6qY8v. Weitere Fotos sind unter folgendem Link abrufbar: https://skydrive.live.com/?cid=4F5DDCDE5DFBE8C0&id=4F5DDCDE5DFBE8C0%211829&sc=documents#cid=4F5DDCDE5DFBE8C0&id=4F5DDCDE5DFBE8C0%211830&sc=documents  

[4] La Silla vacía, Carbón al agua en Santa Marta. 31. Januar 2013. http://www.lasillavacia.com/queridodiario/41242/carbon-al-agua-en-santa-marta Siehe auch: http://www.wradio.com.co/noticias/actualidad/grave-incidente-de-la-drummond-en-el-mar-caribe/20130201/nota/1834810.aspx

[5] El Informador, Investigan a la Drummond por no reportar emergencia que causó riego de carbón en el mar. 3. Februar 2013. www.el-informador.com/index.php

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