21.06.2010

Ungelöster Arbeitskonflikt bei Glencores Tochterfirma

21.06.2010 | Stephan Suhner
Streik Juli 2007 bei CMU/Glencore

Seit dem Morgen des 17. Juni streiken die Kumpel bei Carbones de la Jagua. Nach Scheitern der Verhandlungen hat der Streik am vergangenen Donnerstag um 6.30 begonnen. Gewaltsame Repressionen der Streikbewegung sind nicht auszuschliessen.

Der Verlauf der Verhandlungen

Am 15. April 2010 präsentierte die Gewerkschaft Sintramienergetica einen Forderungskatalog an die Glencore-Tochter Carbones de la Jagua im Departement Cesar. Die regulären Verhandlungen über den Forderungskatalog mussten verlängert werden. Sie dauerten mehr als einen Monat und fanden vom 21. April bis 30. Mai statt. Eine Einigung konnte auf diesem Weg bisher nicht gefunden werden. Die Gewerkschaft wirft Carbones de la Jagua Sturheit vor, um Hand zu grosszügigeren Lösungen zu bieten und so die schlechte Situation der Arbeiter zu verbessern.

In einer Antwort von Gary Nagle, Präsident von Prodeco, der CdJ gehört, an die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, warf dieser seinerseits der Gewerkschaft Sintramienergetica vor, überzogene Lohnforderungen zu stellen, die im derzeit unsicheren wirtschaftlichen Klima nicht erfüllt werden könnten. So verlange Sintramienergetica bis zu 320 Prozent mehr Lohn, obwohl die Inflation nur zwei Prozent betragen habe. Er fügt an, dass Prodeco durch die Wirtschaftskrise beträchtliche Verluste hätte hinnehmen müssen. Nichtsdestotrotz läge das Verhandlungsangebot von Prodeco/CdJ immer noch über dem Inflationsniveau. Aus seiner Sicht will die Gewerkschaft mit Prodeco nicht unbedingt eine einvernehmliche Lösung finden, sondern habe vielmehr Interesse daran, den Konflikt bei Drummond zu unterstützen.

Am 4. Juni 2010 stimmte die Arbeitervollversammlung bei CdJ aufgrund der nicht erfüllten Forderungen mehrheitlich für den Streik als Ausweg und ernannte ein Streikkomitee. Dieses kann dann auch die Stunde Null des Streikbeginns ausrufen, womit nochmals eine kurze Frist für Verhandlungslösungen bestanden hätte. Da weiterhin keine Einigung in Sicht war, begann der Streik am 17. Juni 2010.

Konflikt auch bei Drummond

Die Arbeiter von Drummond werden, wie angedeutet, ebenfalls von Sintramienergetica organisiert. Die gleichzeitig bei Drummond stattfindenden Verhandlungen über einen neuen kollektiven Arbeitsvertrag erbrachten auch keine Einigung. Allerdings ist der Konflikt dort noch härter als bei Glencore: Seit Dezember 2009 hat Drummond fast die ganze Gewerkschaftsspitze und während des kollektiven Arbeitskonfliktes weitere Gewerkschaftsmitglieder entlassen. Zudem betreibt Drummond gemäss Angaben von Sintramienergetica eine aktive Spaltungspolitik, indem sie mit Sintradrummond und AGRETRITRENES zwei firmennahe Gewerkschaften fördert und mit diesen beiden einen neuen GAV abgeschlossen hat, obwohl Sintramienergetica die Mehrheitsgewerkschaft ist und schon einen GAV mit Drummond unterzeichnet hat. Darüber hinaus fördert Drummond den Übertritt von Arbeitern von Sintramienergetica zu den Firmengewerkschaften, indem sie den Arbeitern beträchtliche Geldzahlungen offeriert, gut 3000 Franken pro Übertritt. Drummond hat ebenfalls die Abhaltung
von Arbeiterversammlungen auf verschiedenste Arten zu verhindern versucht, indem sie sich weigerte, einen Versammlungsort in der Mine anzubieten und die Arbeiter zu dem Versammlungsort zu transportieren. Trotzdem kam die Versammlung zustande und die Mehrheit der Drummond-Arbeiter hat zwischen dem 27. und 30. Mai für den Streik gestimmt. Dabei kam es aber auch zu einer Morddrohung gegen einen Gewerkschaftsführer von Sintramienergetica in Ciénaga, beim Hafen von Drummond.

Weitere Informationen:
http://sintramienergeticalajagua.blogspot.com/

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