01/13/15

Umstrittener europäischer Kohleimport aus Kolumbien

13.01.2015 | von Stephan Suhner

Seit mehreren Jahren machen verschiedene europäische NGOs und Aktivisten eine Kampagne gegen den Import von kolumbianischer Blutkohle v.a. nach Deutschland und in die Niederlande. Über die Importeure und Energieerzeuger – und letzten Endes über die Stromkunden – soll Druck auf die kolumbianischen Minenbetreiber ausgeübt werden, damit sich die Umwelt- und Menschenrechtsbilanz bessert. So entstand beispielsweise der holländische Kohledialog, an dem der Staat, Energie- und Bergbaukonzerne sowie NGOs und Gewerkschaften beteiligt waren. Es entstand daraus eine umfassende Anleitung mit Kriterienkatalog, wie ein gutes Audit einer Kohlenmine durchgeführt werden sollte. In Kolumbien erklärte sich Cerrejón bereit, am Audit teilzunehmen. Es war jedoch nicht möglich, einen zweiten Kandidaten aus einem anderen Land zu finden, weshalb der Coal Dialogue scheiterte.[1]

Die holländische Regierung mit der Ministerin Ploumen schwenkte dann auf die Unternehmensinitiative Bettercoal um, die rein von Unternehmen gesteuert wird, ohne Beteiligung von NGOs. Ein grosses Problem von Bettercoal ist die mangelnde Transparenz, werden doch die Auditreports nicht öffentlich gemacht.

Tripartite Fact Finding Mission möglich?

Im Frühjahr 2014 kam insbesondere Drummond wegen dem Bericht von Pax Christi über die Verstrickungen Drummonds mit den Paramilitärs unter Druck. Ein paar Energiefirmen, darunter RWE, entschlossen sich, den Kauf von Kohle von Drummond zu suspendieren, bis die Vorwürfe geklärt sind.[2]

Unter dem Druck des PAX Reports und verschiedener anderer Berichte, darunter auch Fernsehreportagen sowie Rundreisen mit Direktbetroffenen aus Kolumbien in Europa, mit Interventionen an den Aktionärsversammlungen und Briefen von Bürgerinitiativen, gestanden einige Unternehmen zu, selber nach Kolumbien zu gehen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Einen wesentlichen Verdienst daran hatte Sebastian Rötters, Kohlen- und Kolumbienspezialist bei Powershift[3]. Doch plötzlich wurde die geplante Factfinding Mission mit Begleitung durch NGOs verschoben und stattdessen eine Konferenz zur Frage eines nachhaltigen Exportkohlebergbaus in Bogotá durchgeführt. Wiewohl diese Konferenz breit gefächerte Teilnehmer hatte und auch sehr kritische Voten fielen, sind die direkten Konsequenzen dieser Konferenz gering, dient den Unternehmen aber, um ihre guten Absichten zu unterstreichen.[4] Bis heute hat die Mission der deutschen Energieversorger in die kolumbianischen Minengebiete noch nicht stattgefunden.[5]

Bettercoal wäscht weisser

Dafür veröffentlichte Bettercoal die knappe Mitteilung, dass mit Drummond der erste kolumbianische Kohleproduzent durch unabhängige Konsulenten auditiert wurde und die Bedingungen von Bettercoal erfülle[6]. Energieunternehmen können nun wieder ohne Bedenken Kohle von Drummond beziehen. Das Stossende daran ist, dass der Auditreport nur den Energiefirmen vorliegt, die Mitglied bei Bettercoal sind, nicht aber einer interessierten Öffentlichkeit und kritischen NGOs. Martin Christie, der Leiter von Bettercoal bestätigte dies gegenüber der ask![7]. Wir wissen also nicht, mit wem alles Bettercoal gesprochen hat, was die Gesprächspartner aussagten, und wie die Infos mit den Kriterien von Bettercoal abgeglichen wurden. Auch ist nichts bekannt über die Bereiche, wo Bettercoal noch Verbesserungspotential sehe, noch über die wenigen Empfehlungen, die gemacht wurden. 

Seitens der Kolumbianischen Kohlearbeitergewerkschafter kam jedoch scharfe Kritik am Bettercoal – Audit: in Briefen an die holländische Botschaft und an Bettercoal warfen sie Bettercoal vor, sie hätten gar keine genauen Informationen gehabt, worum es bei den Gesprächen ging, und die Zeit von je weniger als einer halben Stunde sei völlig ungenügend gewesen. Zudem hätten sie den Auditreport nie zu Gesucht bekommen und hätten keine Kenntnis erhalten, was für Verbesserungsmassnahmen Drummond empfohlen wurden. Die Gewerkschaften forderten eine transparente Wiederholung des Audits.[8] Verschiedene NGOs veröffentlichen daraufhin eine Stellungnahme[9], in der sie den Audit-Prozess kritisierten, da dieser intransparent war, die Umstände des Audits zwischen Bettercoal und Drummond ausgehandelt wurden, keine Unabhängigkeit gegeben war, mit den Gewaltopfern nicht gesprochen wurde und nicht einmal die Direktbetroffenen (Gemeinschaften, Gewerkschaften) den Report erhielten. Bettercoal wurde aufgefordert, den Bericht, das Vorgehen beim Audit sowie das Follow-up öffentlich zu machen; die kolumbianische Regierung wurde aufgefordert, den Opfern Gerechtigkeit und Wiedergutmachung zu garantieren; die Importländer wurden aufgefordert, für Transparenz in der Lieferkette zu sorgen und von den Energiefirmen die nötige Sorgfaltspflicht einzufordern; die Energiefirmen wurden schlussendlich aufgefordert, von Drummond keine Kohle zu beziehen, bis dass das Unternehmen die Menschenrechte respektiert und Entschädigung für die von ihr verursachten Schäden leistet.

Zivilgesellschaftlicher Druck zeigt erste Erfolge

Ende November 2014 gab es aber doch einen kleinen Erfolg zu feiern: die holländische Entwicklungsministerin Liliane Ploumen[10] mit den Chefs von fünf holländischen Energiefirmen und in Begleitung von PAX und weiteren NGOs begaben sich nach Kolumbien, wo es zu Treffen mit Drummond und u.a. zu einem Besuch in der umzusiedelnden Gemeinschaft El Hatillo kam. Allerdings zeigte sich Drummond äusserst stur und verweigerte Marianne Moor von PAX den Zutritt zusammen mit der Delegation zum Drummond-Gebäude, was einige Delegationsteilnehmer dazu bewog, solidarisch ebenfalls draussen zu bleiben. Die Vertreter der Energieunternehmen sowie Ministerin Ploumen forderten die beiden Kohleproduzenten Drummond und Glencore Prodeco vor versammelter Presse auf, mit den Gewaltopfern der vergangenen Jahre den Dialog zu suchen und Reparationsleistungen zu erbringen.[11] 

In Holland wurde auch erneut ein Kohlepakt verabschiedet, bei dem es v.a. um CSR Massnahmen geht und Bettercoal als Messlatte dient[12]. Ein wichtiges NGO-Anliegen in Deutschland wie in Holland ist verstärkte Transparenz in der Kohlelieferkette. Weder in Deutschland noch in Holland müssen Energiefirmen offen legen, woher genau sie ihre Kohle beziehen, und sie verweigern Anfragen mit dem Verweis auf das Geschäftsgeheimnis, und dass eine Offenlegung ihre Stellung im Markt schwächen würde. Im Rahmen des holländischen Kohlepakts haben Ministerin Ploumen und die Energiefirmen nun aber beschlossen, dass ein unabhängiger Dritter die aggregierten Zahlen, aus welchen Ländern und Minen die Energiefirmen Kohle beziehen, jeweils für das Vorjahr publiziert.

Noch bleibt also bei der Transparenz bezüglicher der Audits und in den Lieferketten viel zu tun. Hoffen wir, dass 2015 neue Fortschritte möglich sind.

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[1] Der Schlussbericht des Dutch Coal Dialogue ist u.a. hier abrufbar: https://www.cordaid.org/en/publications/dutch-coal-dialogue-final-report/

[2] Focus.de, RWE will wieder Kohle vom umstrittenen Drummond-Konzern beziehen – Prüfung, 28. August 2014, www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-rwe-will-wieder-kohle-vom-umstrittenen-drummond-konzern-beziehen-pruefung_id_4090662.html

[3] Siehe dazu: http://power-shift.de/?cat=12

[4] Siehe z.B. Stuttgarter Zeitung, Kohletagung ohne Kritiker, 10. September 2014,in: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.enbw-tagung-in-kolumbien-kohle-tagung-ohne-kritiker.38a90e0e-acff-48f0-b905-bbb351ef14bb.html

[5] https://www.dialog-energie-zukunft.de/importkohle-aus-kolumbien/#inhalt

[6] Mitteilung vom 22. August 2014 von Bettercoal: Bettercoal completes first site-assessment at Drummond Ltd’s Colombian operations, bettercoal.org/news.aspx

[7] Mailaustausch der ask! mit Martin Christie von Bettercoal.com vom 11. November 2014.

[8] Brief von Sintramienergetica an die holländische Botschaft vom 15. September 2014. Brief von Funtraenergética an Bettercoal vom 9. August 2014.

[9] PAX, Powershift, London Mining Network, ask!, Joint Statement on Bettercoal Assessment, 13. November 2014

[10] http://www.government.nl/news/2014/11/28/ploumen-cautiously-optimistic-about-colombian-coal-dialogue.html

[11] Pressecommuniqué von PAX, 25. November 2014. “Delegación holandesa logra paso importante hacia la reparación para víctimas en Colombia”.

[12] http://www.government.nl/news/2014/11/17/government-and-energy-producers-sign-voluntary-agreement-on-coal.html

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com