17.09.2014

Harter Arbeitskonflikt und Drohungen gegen Gewerkschafter von Dienstleistungsfirmen von Glencore und Cerrejón

17.09.2014 | von Stephan Suhner

In den Bergbaubetrieben von Cerrejón, Prodeco – Glencore und Drummond arbeiten viele Temporärarbeiter, die über verschiedene Dienstleistungsunternehmen angestellt sind und meist prekäre Arbeitsverhältnisse haben (nur 1/3 des regulären Lohnes, schlechtere Sozialleistungen, keine Arbeitsplatzstabilität etc.). So leistet das Unternehmen Dimantec Servicearbeiten für Caterpillar-Maschinen im Auftrag von Gecolsa, die ein Tochterunternehmen von Caterpillar ist. Dimantec und Gecolsa arbeiten wiederum im Auftrag der drei Bergbaukonzerne.

Am 13. Dezember 2013 hat die Gewerkschaft Sintraime dem Unternehmen Dimantec Ltda einen Forderungskatalog unterbreitet. Das Unternehmen Dimantec weigerte sich, Verhandlungen über den Forderungskatalog aufzunehmen, weshalb die Gewerkschaft beim Arbeitsministerium eine Beschwerde gegen Dimantec einreichte. Mit der Verfügung Nr. 167 vom 14. März 2014 wurde das Management von Dimantec durch das Arbeitsministerium angewiesen, Verhandlungen mit Sintraime aufzunehmen. Innerhalb der ordentlichen Verhandlungsfrist konnte kein Ergebnis erzielt werden. Am 9. Juli 2014 traten die Arbeiter von Dimantec in den Streik, da keine Verhandlungslösung erzielt werden konnte. Die Arbeitsinspektoren des Arbeitsministeriums waren zu Streikbeginn nicht präsent, um die Versiegelung der Firmengebäude und Betriebseinrichtungen zu überprüfen, wie es der gesetzliche Auftrag gewesen wäre.    

Das Unternehmen hat vom ersten Tag an die freie Entwicklung und Durchführung des Streikes behindert, in dem es zum Beispiel den Zutritt der Gewerkschafter zu Firmeneinrichtung verwehrte, damit diese die Versiegelungen hätten prüfen können, oder in dem das Unternehmen Arbeiter von anderen Dienstleistungsunternehmen beizog um zu arbeiten, Protestmeeting verhinderte und Arbeiter drängte, an Versammlungen teilzunehmen und für die Aufhebung des Streikes und für die Einberufung eines Schiedsgerichtes zu stimmen. Um die Versammlungen und Abstimmungen durchführen zu können, wurde illegitimer Druck auf die Arbeiter ausgeübt, damit sie abstimmen. Es nahmen Personen teil, die nicht bei Dimantec arbeiten und es gab keine Kontrolle über die Abstimmung. Dimantec hat Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, um die Arbeiter zu den Abstimmungstischen zu fahren, während die Gewerkschaft von jeglicher Einflussnahme ausgesperrt blieb.      

Schon am 18. August 2014 kamen Arbeitsinspektoren zu den Unternehmen Gecolsa und Dimantec, um die Versiegelungen aufzuheben und die Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen, gestützt auf die Anordnungen 0376 vom 15. August und 0379 vom 16. August 2014. Dadurch wurde jedoch das Recht auf ein faires Verfahren, auf gewerkschaftliche Organisation, und das Recht auf Streik verletzt. Ebenfalls am 15. August 2014 ordnete das Arbeitsministerium die Einberufung eines Schiedsgerichtes an.[1]    

Wie schon 2013 kam es auch 2014 wiederholt und massiv zu Drohungen gegen Arbeiter und Gewerkschafter des kolumbianischen Kohlesektors. So kam es zu verschiedenen Drohungen und versuchten gewaltsamen Übergriffen gegen gewerkschaftlich organisierte Arbeiter in den Minen von Prodeco (Glencore) und Drummond[2]. Im Kontext des kollektiven Arbeitskonfliktes bei Dimantec kam es zu schweren Todesdrohungen u.a. gegen den Präsidenten der Gewerkschaftssektion Hatonuevo von Sintraime, Ismael Avendaño. Die massiven Drohungen gegen Ismael Avendaño, schriftlich wie auch mündlich auf der Strasse, begannen am 6. März 2014 und hörten seither nicht auf.[3] Obwohl sich die Gewerkschaft intensiv um Schutzmassnahmen bei der staatlichen Nationalen Schutzbehörde (Unidad Nacional de Protección UNP) bemühte, kamen über Wochen keine Antworten von der UNP. Bisher wurden auch mehrere Schreiben der Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien und von Multiwatch an die UNP und an das Management von Dimantec und Gecolsa nicht beantwortet. Vor kurzem hat nun die Schutzbehörde einige – zwar ungenügende – Schutzmassnahmen gesprochen. U.a. erhielt Ismael Avendaño ein Aufklärungsblatt mit Massnahmen zum Selbstschutz, sowie ein gepanzertes Fahrzeug, aber zu wenig Geld, um es zu betreiben[4].

Am 14. August 2014 wurde der Arbeiter von Dimantec Ltda und Sekretär der Sektion Soldedad von Sintraime, José Lara, von bewaffneten Personen bedroht. Als er auf seinem Motorrad flüchtet, stürzte er und zu sich mittelschwere Verletzungen zu, weshalb er arbeitsunfähig war und auch vorübergehend seine gewerkschaftlichen Funktionen nicht ausüben konnte.  Nebst Ismael Avendaño wurden auch Rafael Ojeda, Rafael de la Hoz und William Kerguelen bedroht, allesamt Führungspersonen der Gewerkschaft Sintraime und Arbeiter bei Dimantec Ltda. Sintraime bezeichnete es als sehr verdächtig, dass diese Drohungen zeitlich zusammenfallen mit dem Streik, den Sintraime bei Dimantec Ltda führt. Ebenso beklagt Sintraime die fehlenden Antworten der staatlichen Kontroll- und Schutzbehörden und macht die UNP für allfällige Sicherheitsrisiken der Gewerkschafter verantwortlich.[5]  Auch die zuständigen Unternehmen, insbesondere Dimantec und Gecolsa, haben nichts zum Schutz der bedrohten Arbeiter unternommen.


[1] Schreiben von SINTRAIME an Guy Rider, Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, Bogotá, 26. August 2014.

[2] FUNTRAENERGETICA, Bogotá, Communiqué vom 9. März 2014.

[3] SINTRAIME, DENUNCIA DE AMENAZA CONTRA LA VIDA DE ISMAEL AVENDAÑO, PRESIDENTE DE SINTRAIME HATO NUEVO (GUAJIRA), Bogotá, 11. März 2014.

[4] E-Mail Nachricht der Sektion Hatonuevo von Sintraime, 16. September 2014.

[5] SINTRAIME, DENUNCIAMOS AMENAZAS CONTRA DIRECTIVOS SINDICALES EN SOLEDAD ATLÁNTICO Y EN EL DEPARTAMENTO DEL CESAR, Bogotá, Communiqué vom 14. August 2014.

 

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