11/29/10

Sicherheitsrisiken für Kohlekritiker und Gewerkschafter – ungelöste Menschenrechtsfragen in den Kohlenminen des Departement Cesar

29.11.2010 | Stephan Suhner

Bei den grossen Kohlenminen von Glencore und Drummond im Departement Cesar blieb das Klima in den letzten 12 Monaten angespannt. Beide Firmen führten ihre gewerkschafts-feindlichen Politiken weiter, beispielsweise mit Massenentlassungen, Verfolgung von Gewerkschaftsführern. Bei Carbones de La Jagua (Glencore) konnte erst nach 39 Tagen Streik ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet werden. Bei verschiedenen Protesten der Arbeiter und der Bevölkerung kam es zu harter Repression der Bereitschaftspolizei und in den letzten Wochen kamen viele Details über die Verstrickung der Kohlenminen mit den Paramilitärs ans Licht. Das Ganze erhält zusätzliche Brisanz, weil Drummond seine Kohlenminen verkaufen will und Glencore und Xstrata zu den wahrscheinlichsten Käufern zählen. Im Falle eines Zuschlages würden die Schweizer Bergbaukonzerne also erhebliche menschenrechtliche Altlasten mitkaufen.

Im Juli 2010 hatte Drummond angekündigt, dass sie entweder einen Teilhaber für ihre Kohlenminen suche, oder ihr Kohlengeschäft allenfalls auch zu verkaufen gedenke. Nun scheint aber klar, dass Drummond das Kohlegeschäft in Kolumbien verkaufen will. Über die Gründe wird wild spekuliert: einerseits könnten die Erweiterungsprojekte (u.a. Mine El Descanso) die Kapazitäten von Drummond übertreffen, andererseits hat Drummond unter den Kohleflözen grosse Erdgasvorräte entdeckt. Es könnte sein, dass sich Drummond auf die Gasausbeutung konzentrieren will und deshalb die Kohle abstösst. Wiederum andere Stimmen denken, dass es mit den laufenden Prozessen wegen der Zusammenarbeit mit den Paramilitärs zur Ermordung von drei Gewerkschaftsführern zusammen hange, quasi eine Flucht nach vorne. Mindestens vier Firmen hätten mitgeboten: die brasilianische Vale, die seit kurzem eine kleine Kohlenmine in der Nähe besitzt, Glencore und Xstrata sowie die wenig bekannte Investmentgesellschaft Vallar Plc¹. Interesse zeigte ursprünglich auch Anglo American. Gemäss der Zeitung Financial Times sind Xstrata und Glencore die beiden aussichtsreichsten Bieter um Drummond, die einen Preis zwischen sechs und acht Milliarden Dollar erzielen will. Sollte Glencore und/oder Xstrata den Zuschlag erhalten, würde im Exportsektor der kolumbianischen Kohleindustrie praktisch ein Monopol entstehen: Glencore besitzt grosse Minen in unmittelbarer Nachbarschaft von Drummond, Xstrata ist mit einem Drittel an Cerrejón, der grössten Kohlemine, beteiligt. Verschiedene Beobachter, so u.a. der Präsident des kolumbianischen Kohlenverbandes Fenalcarbón, äusserten Bedenken wegen dieser Konzentration im Kohlensektor².

Das Unternehmen, das schliesslich die Kohlenminen von Drummond kauft, erbt damit aber schwere Konflikte mit der Gewerkschaft, eine ganze Reihe unaufgeklärter Morde an Gewerkschaftern, Menschenrechtsverletzungen sowie schwere Anschuldigungen über eine Zusammenarbeit mit Paramilitärs zur Ermordung des Präsidenten und des Vize der Gewerkschaft Sintramienergetica. So scheint Drummond diese Gewerkschaft in ihren Minen regelrecht ausschalten zu wollen. Am 17. Dezember 2009 hatte Drummond die Entlassung von 35 Gewerkschaftsführern ankündigt, die Mehrheit davon wurde seither entlassen. Drummond schreckt auch nicht davor zurück, die Arbeiterschaft zu spalten und einen Teil gegen die Gewerkschaft aufzuhetzen. Beim 27 Tage dauernden Streik bei Fenoco, der Betreiberin der Kohleneisenbahn, im Jahr 2009 organisierte Drummond Märsche von nicht organisierten Arbeitern, um das Recht auf Arbeit einzufordern und stellte so die Gewerkschaft als die Bösen dar. Während eines Arbeitskonfliktes über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag im Mai 2010 beklagte Drummond die schädlich hohen Löhne, die die Gewerkschafter in ihren Minen verdienen würden. Im Sommer 2010 zirkulierte ein Communique von einigen „Arbeitern“ von Drummond gegen andere gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, worin Mitglieder von Sintramienergetica als Schädlinge bezeichnet wurden. In diesem repressiven Klima getrauen sich viele Arbeiter nicht mehr, gegen überlange Arbeitstage von bis zu 18 Stunden zu protestieren oder arbeitsbedingte Krankheiten anzumelden.

Drummond wird von der Vergangenheit eingeholt

Am 26. Oktober 2010 kam mit William Tafur ein weiterer Arbeiter bei Drummond ums Leben. Durch Schüsse in den Kopf wurde er von Unbekannten ermordet. Schon am 27. Mai 2010 wurde Angel Oswaldo Herrera durch zwei Killer mit dem Tod bedroht. Am 14. Juli 2010 kam es zu einem Attentat gegen den Gewerkschaftsführer und Drummond-Arbeiter Esteban Padilla Martínez. Zum Glück wurde er nur durch eine Kugel am Arm verletzt. Zudem sickern immer neue Details über die Rolle von Drummond und der Firma Industria de Servicios Alimentarios ISA bei der Ermordung der zwei Gewerkschaftsführer Locarno und Orcasita durch Paramilitärs im Jahr 2001 ans Licht. Jairo de Jesús Charris ist als Mörder der beiden Gewerkschafter Valmore Locarno und Víctor Hugo Orcasita zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden, macht nun aber Aussagen über die Auftraggeber des Mordes. Er beschuldigt dabei mehrere Führungspersonen bei Drummond in Kolumbien und in den USA sowie seinen Chef und Besitzer der Lebensmittelfirma ISA, Jaime Blanco Maya. Gemäss seinen Aussagen trafen sich am 6. März 2001 Charris und sein Chef Blanco Mayo mit dem Sicherheitschef von Drummond, Jim Adkins, und beschlossen, dass der Präsident und der Vizepräsident von Sintramienergetica umgebracht werden müssten, da alle Gewerkschafter Beziehungen zur Guerilla hätten, viel Druck auf den Minenkonzern ausüben würden und es zu vielen Sprengstoffanschlägen auf die Zugslinie (Kohlentransport) komme. Blanco Mayo war mit Tolemaida, einem wichtigen regionalen Kommandanten der Paramilitärs, befreundet, und gemäss der Staatsanwaltschaft sind Tolemaida und Jorge 40 die Verantwortlichen des Doppelmordes an den Gewerkschaftern.

Drummond habe Tolemaida für die Ermordung eine grosse Geldsumme bezahlt. Ein weiterer Sicherheitsbeamter von Drummond, der frühere Armeeoberst Peña, war ebenfalls an der Ermordung beteiligt, und Augusto Jimenez, Präsident von Drummond de Colombia und Alfredo Araujo, Zuständig für die Beziehungen zu den lokalen Gemeinschaften, waren über die Pläne informiert. Diese Aussagen von Charris werden vermutlich in die Prozesse wegen der Ermordung von Locarno und Orcasita in den USA und in Kolumbien einfliessen. Insgesamt wurden bis heute in Kolumbien fünf Paramilitärs wegen der Ermordung von Locarno und Orcasita verurteilt. Neben Charris sind dies Alcides Mattos Tabares - alias Samario, Oscar José Ospino Pacheco - alias Tolemaida, José Aristides Peinado Martínez - alias Guache und Oscar David Pérez Bertel - alias Yuca. Nur Charris wurde jedoch in einem Justizverfahren verurteilt, die anderen vier unterwarfen sich dem Gesetz „Justicia y Paz“ und erhielten eine vorgezogene Verurteilung. Nur Alias Samario hat danach jedoch bei seinen Befragungen innerhalb des Prozesses Gerechtigkeit und Frieden über das Verhältnis zu Drummond ausgesagt, die anderen drei nicht. Am 10. November 2010 wurde im Prozess wegen der Ermordung auch Jorge 40 befragt³. Der US Anwalt, der das Verfahren gegen Drummond in den USA angestrengt hat, liess ExPräsident Alvaro Uribe für den 22. November zu einer Befragung in Washington vorladen, da er davon ausging, dass Uribe viele Einzelheiten zum Fall wisse. Uribe ist der Vorladung nicht nachgekommen und wird nun allenfalls vom Gericht nochmals vorgeladen⁴.

Proteste wegen unerfüllten Forderungen der Bevölkerung

Sintramienergetica hatte 2009 viel Zeit und Energie in den Aufbau des Frente Obrero Popular y Campesino und in die Erarbeitung eines Forderungskatalogs des Frente gesteckt. Im Dezember 2009 wurde dieser Forderungskatalog verschiedenen nationalen und regionalen Behörden überreicht, aber praktisch kein einziger der Vorschläge wurde umgesetzt. Der Regierungswechsel im August 2010 hat die Umsetzung des Forderungskatalogs zusätzlich erschwert. Die Bevölkerung in der Umgebung der Minen und entlag der Kohlenzugstrecke ist frustriert über die mangelnden Fortschritte und möchte am liebsten zu direkten Aktionen greifen, aber die Gewerkschaft bevorzugt wegen der Sicherheitslage den Dialog⁵. Trotzdem gab es aber am 4. und 5. Mai 2010 nach Protesten der Bevölkerung wegen schlechten oder gar nicht vorhandenen Dienstleistungen wie Strom und Wasser, für die sie aber teure Rechnungen erhalten, gewalttätigen Aufruhr in La Loma. Die Bereitschaftspolizei ESMAD hat den anfänglich friedlichen Protest gewaltsam unterdrückt. Pikant daran ist, dass Drummond eine eigene Energieversorgung hat und die Mine hell beleuchtet ist, während das Dorf im Dunkeln liegt.

Brutale Niederschlagung eines Streiks bei Glencore

Am 17. Juni 2010 kam es bei Carbones de La Jagua, einer der Tochterfirmen von Glencore, zum Ausbruch eines Streiks, nachdem es in zwei Monaten Verhandlungen nicht möglich gewesen war, eine Einigung über den von Sintramienergetica präsentierten Forderungskatalog für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zu finden⁶. Der Streik dauerte über einen Monat und führte zu Problemen für Glencore, ihre Lieferverpflichtungen einzuhalten. Zwischenzeitlich konnte Glencore über die Infrastruktur von zwei anderen Minen, Cerrolargo und Norcarbón Kohle abtransportieren, weshalb die Frauen der Glencorearbeiter die Zugänge zu diesen Minen ebenfalls blockierten. Diese beiden Firmen und auch die GlencoreTochter CMU beantragten daraufhin die Räumung der Mineneingänge durch die Polizei, da sie ihre Recht auf Bewegungsfreiheit und Privatbesitz verletzt sahen. Dieser Antrag zur Räumung muss vom Bürgermeister, dem Gouverneur des Departements oder vom Staatspräsidenten gut geheissen werden. Der Bürgermeister und der Gouverneur erklärten sich für befangen, so dass der Staatspräsident Alvaro Uribe den Räumungsbefehl erteilte. Dabei ging die Bereitschaftspolizei ESMAD am 22. Juli 2010 sehr brutal gegen die Streikenden vor, unter denen sich auch viele Frauen und Kinder befanden. Es gab mehrere Verletzte durch Schläge und durch Tränengas. Einige Protestierende wurden festgenommen, mehrere Personen von der Polizei mit dem Tod bedroht⁷. Der Menschenrechts-Ombudsmann von La Jagua sagte, die ESMAD sei mit viel zu viel Gewalt gegen die Protestierenden vorgegangen und teilweise. hätten sie verbotene Waffen verwendet. Der Ombudsmann leitete viele Klagen weiter an die staatliche Menschenrechtsbehörde (Defensoría) und an die Procaduria, die gegen fehlbare Beamte Disziplinarmassnahmen ergreifen sollte. Passiert sei trotz seinen Berichten aber nichts⁸.

Der gewaltsamen Räumung durch die ESMAD vorausgegangen war eine sich stetig zuspitzende beidseitige Provokation. Nach Aussagen der Gewerkschaft hätten die Firmen und die Polizei Personen aus anderen Dörfern und Jugendliche angeheuert, damit die Vandalenakte begehen, Steine werfen, Reifen anzünden und so der Polizei einen Rechtfertigungsgrund zum Eingreifen liefern. Glencore sagte gegenüber der ASK aus, dass die Gewerkschaft und lokale Bevölkerung Vandalenakte durchführen würden. Gemäss den Aussagen des Ombudsmannes von La Jagua waren ihm viele der Unruhestifter nicht bekannt, stammten jedenfalls nicht aus La Jagua. Es gab aber Personen aus La Jagua, die z.B. Lastwagenreifen anzündeten, um sich endlich, nach über einem Monat Streik, Gehör zu verschaffen. Insgesamt ist die Situation also vor allem eskaliert, weil über Monate hinweg keine Verhandlungslösung gefunden wurde, unbekannte Elemente die Situation anheizten und die Bereitschaftspolizei ESMAD mit unangepasster Gewalt einschritt. Verschiedene Beobachter in La Jagua kritisierten, dass die Minenbetreiber angeblich mitbestimmen würden, wie die ESMAD die Blockaden zu räumen habe und damit an den Gewaltepisoden eine Mitverantwortung trügen. Der Ombudsmann von La Jagua hat auch grosse Fragezeichen bezüglich der Zusammenarbeit von Glencore mit den lokalen Sicherheitskräften und bezüglich der Rolle der privaten Sicherheitsdienste von Glencore. Er habe auch in den zehn Jahren, die er schon im Amt sei, noch nie vorher einen so langen Streik und eine so harte Firma erlebt. Seit Glencore die Minen betreibe, seien die Konflikte viel schärfer geworden.

Während den Unruhen wurden auch der Bürgermeister und der Ombudsmann von der Polizei nicht respektiert, sie wurden ebenso Opfer von Schlägen und Tränengas wie die Protestierenden. Der Ombudsmann erhielt ein bedrohliches Flugblatt zugestellt und auf sein Haus wurden Steine geworfen. Besonders kritisch war es, als die ESMAD Arbeiter festnehmen wollten und der Ombudsmann dies zu verhindern versuchte. Es scheint eine Strategie gewesen zu sein, Streikführer zu provozieren, sie zu Gewaltakten anzuspornen und sie dann festzunehmen. So hätte der Streik als illegal erklärt werden können. Nach der gewaltsamen Räumung kam es dann am 26. Juli 2010 zu einer Einigung zwischen der Gewerkschaft Sintramienergetica und dem Minenunternehmen Carbones de La Jagua, Tochterfirma von Glencore. Obwohl längst nicht alle Verhandlungspunkte durchgebracht werden konnten, zeigte sich die Gewerkschaft zufrieden: es konnten einige wirtschaftliche Punkte durchgesetzt werden, bezüglich Lohnerhöhung, Jahresendprämien, Bildungszuschüssen. Vor allem aber konnte verhindert werden, dass der Gegenvorschlag von Glencore bezüglich einer Reduktion des Gesamtarbeitsvertrages durchgekommen ist.

Von Paramilitärs geraubtes Land in Händen von Glencore und Drummond

In den vergangenen Wochen machten verschiedene Printmedien in Kolumbien auch neue Gewaltepisoden und Vertreibungen in La Jagua bekannt, von denen in letzter Instanz die Kohlenminen profitiert hätten. Die damalige Agrarreformbehörde Incora hatte in den 90er Jahren in den Weilern Mechoacán und El Prado Dutzende Campesinofamilien angesiedelt. Landlose hatten 1990 die Hacienda Mechoacán besetzt, 1994 wurde die Hacienda vom Incora gekauft und an die 133 Familien parzelliert. Auf der Hacienda von El Prado wurden vom Incora 51 Familien angesiedelt, die von der venezolanischen Nationalgarde aus dem Grenzgebiet in der Serranía del Perijá vertrieben worden waren. 1300 Hektaren wurden ihnen im Mai 1997 zugeteilt. Der Bloque Norte der paramilitärischen AUC unter dem Kommando von „Jorge 40“ ermordete in Mechoacán und El Prado 18 Personen und zerstörten die Siedlungen. In El Prado wurden am 19. Mai 2002 von der Familie Florez Romero vier Personen verschleppt, die bis heute verschollen sind. Der Paramilitär „El Samario“ hat gestanden, an diesen Morden beteiligt gewesen zu sein. Die Morde und Vertreibungen hätten mit den Kohlevorkommen zu tun gehabt, da sie nach den Gewaltakten den Boden billig hätten kaufen können. El Samario sagte gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, dass der Paramilitär Hugues Rodriguez alias „Barbie“ die Morde angeordnet habe. Hugues Rodriguez ist ein Jugendfreund von Jorge 40 und wurde wegen dem Mord an einer Richterin in Becerril verurteilt. Ein Teil des geraubten Landes sei Familienangehörigen von David Hernández Rojas alias „39“ übergeben worden, dem zweiten Mann des Bloque Norte. Hugues Rodriguez und die Investitionsgesellschaft Inversiones Rodriguez Fuentes besitzen heute 8000 Ha Land, das den Campesinos von El Prado und Mechoacán geraubt wurde. Diese 8000 Ha liegen auf dem Gebiet der Kohlenmine El Descanso.

In Mechoacáón begannen die Morde am 2. August 2004, als u.a. der Gemeindevorsteher ermordet wurde. Um sich das Land nach den Vertreibungen auch legal aneignen zu können, musste die Paramilitärs zu einem Trick greifen, da die Vertriebenen von Mechoacán im Gegensatz zu denen von El Prado gültige Besitztitel für ihre Parzellen hatten. In Mechoacán mussten die Paramilitärs also die Besitztitel fälschen. Das Incora respektive die Nachfolgebehörde Incoder unterstützten die Paramilitärs bei der Legalisierung des geraubten Landes. Dank einem Notar aus Chiriguaná und dem Regionaldirektor des Incoder erreichten die Paramilitärs, dass sogar Tote den Verkauf der Parzellen „unterschriftlich bestätigen“ und dass Incoder die neuen, offensichtlich gefälschten Besitztitel anerkannte. Nachdem die Bauern und Nutzniesser der Agrarreform vertrieben worden waren, erklärte das Incoder die Parzellen für verlassen und teilte sie anderen Personen zu. Im Falle von El Prado erhielten Cousins und die Frau von alias „39“ mehrere Parzellen. Einer einzigen Familie wurden 17 Parzellen zugeteilt, was unter dem Agrarreformgesetz verboten ist. Der korrupte damalige Regionaldirektor des Incoder im Cesar machte dies möglich. Mehrere Parzellen wurden auch Strohmännern der Paramilitärs zugeteilt. Gemäss Aussagen von Untersuchungsbeamten der Staatsanwaltschaft verkauften diese Strohmänner das Land dann an Prodeco, Tochterfirma von Glencore.

Wegen diesem Landraub und dem illegalen Verkauf hat die Staatsanwaltschaft diese Parzellen mit einem Embargo versehen, das heisst es sind keine Handänderungen möglich, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Gegen mehrere Beamte des Incoder laufen Strafuntersuchungen. Verschiedene Parzellen in Mechoacán gelangten in den Besitz von zwei Ex-Bürgermeistern von La Jagua, die beide wegen Amtsmissbrauch von der Justiz belangt werden. Das Incoder hatte es jahrelang unterlassen, die Parzellen der gewaltvertriebenen Campesinos zu schützen und hat stattdessen zu massiver Fälschung von Besitztiteln hand geboten. Die Schutzmassnahmen, die die Staatsanwaltschaft für diese Parzellen nun erlassen hat, kommen in den meisten Fällen zu spät, da nun dort schon Kohle abgebaut wird. 124 von 128 Parzellen in Mechoacán gehören heute Drummond. Die Journalisten von Verdadabierta⁹ versuchten über Wochen vergeblich, von Drummond eine Stellungnahme zu erhalten, z.B. ob sie Kenntnisse über den illegalen Ursprung der Besitztitel, die sie kauften, hatten.

El Prado wurde durch Prodeco (Glencore) gekauft. 2007 informierte Prodeco in einem Communiqué, dass sie die Parzellen legal gekauft habe, durch Verhandlungen mit dem Incoder. Die Regierung habe Prodeco angewiesen, die Grundstücke von 46 Familien, die Besitztitel hatten, zu kaufen, wofür Prodeco im Oktober 2008 rund 2 Millionen Franken bezahlte. Im Januar 2009 unterzeichnete Prodeco mit dem Incoder eine Übergabevereinbarung und im März 2010 begann Prodeco mit der Ausbeutung der Kohle in El Prado. Da aber einige Vertriebene El Prado besetzten, bat Prodeco die Sicherheitskräfte, zu intervenieren. Prodeco beklagt sich, dass sie wegen den Unregelmässigkeiten im Incoder noch nicht alle Parzellen kaufen konnte. Anscheinend hat aber eben Prodeco die Parzellen nicht den ursprünglichen Nutzniessern der Agrarreform abgekauft, da diese mehrheitlich vertrieben worden waren. Diese ursprünglichen Besitzer der Parzellen denunzierten im Mai 2010 ihre kritische Lage und besetzten das Büro des Incoder in Valledupar. Sie verlangen ihr Land zurück, und dass dann allenfalls Bergbaukonzerne wie Glencore, wenn sie die Kohle ausbeuten wollen, das Land ihnen abkaufen. Das würde bedeuten, dass die teils illegalen Handänderungen der letzten acht Jahre rückgängig gemacht werden müssten. Die staatliche Kontrollinstanz Procuraduria hat in diesem Fall eine Sondereinheit geschaffen und untersucht insbesondere die Rolle des Incoder. Die ASK wird den Fall weiter verfolgen und bei Bedarf darüber informieren.

[1] Recta final en venta de Drummond, Portafolio, 17. Oktober 2010: http://www.portafolio.com.co/negocios/empresas/ARTICULO-WEB-NOTA_INTERIOR_PORTA-8071086.html
[2] Artikel in La República vom 24. November 2010: http://www.larepublica.com.co/archivos/EMPRESAS/2010-11-24/la-compra-de-drummond-por-parte-de-glencore-o-xtrata-crea-un-monopolio_115853.php
[3] Siehe dazu: www.colectivodeabogados.org/Paramilitar-Jorge-40-declarara
[4] Siehe Apropos im Newsletter 498.
[5] Gespräch mit Vertretern der Gewerkschaften Sintraime und Sintramienergetica am 15. Juli 2010 in Bogotá.
[6] Sie Artikel vom 22. Juni 2010: Ungelöster Arbeitskonflikt bei Glencores Tochterfirma
[7] Communiques der Gewerkschaften Sintramienergetica und Funtraenergetica vom 23. und 26. Juli 2010.
[8] Das Gespräch der ASK mit dem Ombudsmann von La Jagua fand am 30. Juli 2010 in La Jagua statt.
[9] Siehe dazu folgenden Artikel auf der Website Verdadabierta.com www.verdadabierta.com/paraeconomia/2816-carbon-y-sangre-en-las-tierras-de-jorge-40Download pdf

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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