28.03.2012

Glencore vermeidet durch juristische Tricks die Bezahlung von fast 100 Millionen USD Royalties

28.03.2012 | von Stephan Suhner

Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien vermutet seit längerem, dass Glencore in Kolumbien Steuern und Royalties hinterzieht. Seit einiger Zeit führt der kolumbianische Rechnungsprüfungshof (Contraloría General de la República) Untersuchungen zu Glencore und ihren Tochterfirmen durch. Gemäss Dokumenten der Contraloría, die kolumbianischen Journalisten vorliegen, hätte Glencore juristische Winkelzüge benutzt, um nur die Hälfte der eigentlich geschuldeten Royalties zu bezahlen. Insgesamt gehe es um die Summe von fast 100 Millionen USD die dem kolumbianischen Staat dadurch entgangen seien. 

Die Bergbauoperation in Cesar hat Glencore künstlich getrennt und die Produktionsmenge auf mehrere Tochterfirmen aufgeteilt, um so statt 10% nur 5% Royalties zu bezahlen. Auf diese Weise blieben die Produktionsmengen der drei Tochterfirmen Carbones del Tesoro, Carbones de la Jagua und Consorcio Minero Unido unter der kritischen Grenze von 3 Millionen Tonnen im Jahr, welche Glencore gezwungen hätte, Abgaben in der Höhe von 10% an den Staat zu bezahlen. Diese Grenzmenge ist im Artikel 16 des Gesetzes 141 von 1998 festgelegt. Die drei Tochterfirmen konnten stattdessen je einzeln die zu bezahlenden Royalties aushandeln, obwohl es sich eigentlich um eine einheitliche Abbauoperation handelt und alle unter der Kontrolle der Glencore-Prodeco-Gruppe stehen. Genauer untersucht wird nun laut den kolumbianischen Medien auch eine weitere Operation der Prodeco-Gruppe, nämlich die ebenfalls im Departement Cesar gelegene Mine Calenturitas.

Für die Tochterunternehmen Glencores wurden 2011 die folgenden Produktionsmengen ausgewiesen:

·         Consorcio Minero Unido (CMU), mit einer Produktion von 2‘844‘000 Tonnen

·         Carbones de la Jagua (CdJ), mit einer Produktion von 2‘944‘000 Tonnen

·         Carbones del Tesoro (CET), mit einer Produktion von 1‘167‘000 Tonnen

·         Prodeco – Projekt Calenturitas mit einer Produktion von 7‘081‘000 Tonnen

Bisher musste nur das Projekt Calenturitas eine Produktion von über 3 Millionen Tonnen versteuern und dabei 10% Royalties bezahlen. Gemäss dem Newsportal von Radio W konnte Glencore für das Projekt Calenturitas aber auch eine Sonderbehandlung für die Begleichung der Royalties aushandeln. Dank diesem Antrag vom Januar 2010 musste Glencore dem kolumbianischen Staat bis heute rund 99 Millionen US Dollar weniger an Royalties bezahlen. Deshalb strebt der Kolumbianische Geologische Dienst nun eine Nichtigkeitsklage gegen die entsprechende Bestimmung an. Weiter berichtet Radio W, dass Glencore bis heute die von der Superintendencia de Sociedades ausgesprochene Busse von 500 Millionen Pesos wegen der verspäteten Registrierung von fünf Tochterfirmen noch nicht bezahlt habe. Glencore hat gegen diese Verfügung appelliert und verlangt eine Reduktion der Busse (ASK berichtete).

 

Quellen:

Zeitung La Vanguardia, 26. März 2012, Glencore se estaría quedando con millonarios recursos de regalías. http://www.vanguardiavalledupar.com/economia/local/43528-glencore-se-estaria-quedando-con-millonarios-recursos-de-regalias

RCN La Radio, 23. März 2012, Contraloría tiene en la mira a la Glencore por pago de regalías, http://www.rcnradio.com/noticias/editor/contraloria-tiene-en-la-mira-la-glencore-por-145002

La W Radio, 23. März 2012, Minera Glencore estaría dejando de pagar regalías al Gobierno por cerca de 100 millones de dólares. http://www.wradio.com.co/noticias/economia/minera-glencore-estaria-dejando-de-pagar-regalias-al-gobierno-por-cerca-de-100-millones-de-dolares/20120323/nota/1659248.aspx

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