02/22/08

Bericht über den Besuch von Sergio Becerra zum Public Eye Award 2008

22.02.2008 | Stephan Suhner

Die Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien ask, unterstützt von Multiwatch, nominierte Glencore wegen ihrer gewerkschaftsfeindlichen Politik und wegen negativen sozialen und Umweltauswirkung beim Betrieb ihrer drei Kohlenminen im Departement Cesar in Kolumbien für den Public Eye Award. Glencore gewann den „Schmähpreis“ in der Kategorie Swiss Award.

Um was geht es bei der Preisverleihung?

Weiter Infos auf www.evb.ch/publiceye

Die Sonntagszeitung zu Glencores Geschäften in Kolumbien (10.02.08)

Rohstoffe und Menschenrechte. WOZ-Artikel vom 14. Februar 2008

Nachspiel:

Ergebnisse der dritten Public-Eye-Award-Übergabe an Glencore vom 27.3.08

Die wichtigsten Probleme bei Glencore und Glencores Stellungnahmen seit Januar 2008

Ein Jahr nach der Verleihung des Public Eye Award an Glencore - eine Bilanz. 7. Januar 2009)

Nach gescheiterten Kollektivverhandlungen drohen bei Glencore in Kolumbien Streiks und Repression. Follow up zum Public Eye. Juli 2008

 

Bericht über den Besuch von Sergio Becerra in der Schweiz, 15. bis 31. Januar 2008

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Aus diesem Grund wurde Sergio Becerra von den Organisatoren des Public Eye, Pro Natura und EvB, eingeladen, um am Public Eye die Laudatio zu Glencore’s Swiss Award zu halten. Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien hat Sergio Becerra während seines zweiwöchigen Besuchs in der Schweiz begleitet. Unmittelbar nach der Verleihung der Public Eye Awards wurde zwischen dem 23. und dem 24. Januar 2008 in verschiedenen Radio- und Fernsehnachrichten sowie in etwa 20 Zeitungen und On-line Publikationen über die Preisverleihung an Glencore berichtet.

Zudem hatte Herr Becerra drei öffentliche Auftritte, in Bern, Zug und am „Anderen Davos“ in Zürich. Weiter kam es zu Treffen mit UNIA Bern und dem SGB sowie weiteren UNIA-Vertretern. Ebenso gab es ein Treffen mit E-Changer, Vertretern von Amnesty International, Multiwatch, ASOLATINO und einigen NGO- und Gewerkschaftsvertretern in Genf. Zudem referierte Herr Becerra an der Jahresversammlung der Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien. Am 28. Januar gab es ebenfalls ein Treffen mit Vertretern des EDA (PA II und PA IV) sowie des SECO.

Mit Schreiben vom 18. Januar 2008 hat die ask Glencore um ein Gespräch in Zug ersucht. Die erste Antwort vom 22. Januar ging oberflächlich auf einige aufgeworfene Fragen ein und teilte mit, dass das Management in Kolumbien für Gespräche zur Verfügung stehe. Am 24. Januar stiess die ask nach und verlangte nochmals ein Gespräch in Zug. Nach dem die ask mitteilte, wer zum Gespräch kommen werde und die Fragen vorgängig schickte, wurde uns ein Termin auf den 29. Januar 2008 gesetzt.

Sergio Becerra von Funtraenergetica und Stephan Suhner von der ask wurden von den Herren Ivan Glasenberg, CEO von Glencore, Tor Peterson, Chef Kohlenhandel, Richard Marshall, Firmenanwalt, und von Frau Lotti Grenacher, Pressechefin, für etwa 2 Stunden empfangen. Das Gespräch verlief gut. Glencore vertritt die Meinung, in Kolumbien alles rechtlich korrekt zu machen, die Gewerkschaften zu respektieren, nur langfristige Arbeitsverträge auszustellen, die Umwelt zu schonen und soziale Investitionen zu tätigen. Herr Becerra hat diese Aussagen allesamt zurückgewiesen. Glencore versprach, einigen Punkten nachzugehen (z.B. die Sanktion gegen Prodeco in Santa Marta, die Präsenz von bewaffneten Zivilpersonen in den Minen) und weitere Fragen gemeinsam mit der kolumbianischen Gewerkschaft zu analysieren. Zudem stellte Glencore in Aussicht, dass wir für weitere Anliegen in Zug und Kolumbien offene Türen hätten. Vertreter von Schweizer NGOs wie die ask und EvB könnten auch gemeinsam mit dem Glencore - Management und der kolumbianischen Gewerkschaft die Minen und sozialen Projekte besuchen und Probleme erörtern. Es ist dies ein recht weitreichendes Zugeständnis.

Am Public Eye am 23. Januar 2008 hatten die Rapper Gimma und Greis versprochen, dafür zu sorgen, dass Glencore den Award persönlich erhalten werde. Ein erster Übergabeversuch fand ebenfalls am 29. Januar 2008 statt. Greis und Gimma forderten von Glencore, dass entweder Herr Glasenberg persönlich den Award entgegen nehme, oder Glencore sich einer öffentlichen Diskussion stelle. Frau Grenacher empfing Greis und Gimma kurz, ohne jedoch auf die Forderungen einzusteigen. Am Montag, 11. Februar 2008 erschien darum Greis ein 2. Mal bei Glencore, zusammen mit Oliver Classen von der EvB und 20 Begleitpersonen. Wieder wurde der Award nicht entgegen genommen, Herr Glasenberg liess sich entschuldigen. Greis versprach, wieder zu kommen. Nachträglich erhielt die Erklärung von Bern jedoch das Angebot, sich von Glencore direkt über ihre Operationen in Kolumbien orientieren zu lassen.

Verschiedene Journalisten begannen in der Folge zu recherchieren und bei Glencore Anfragen zu machen. Glencore reagierte einerseits sehr wütend auf gewisse – zum Teil aus dem Kontext gerissene - Aussagen von Sergio Becerra und von Statements der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und drohte notwendigenfalls mit rechtlichen Schritten gegen Herrn Becerra, gegen Stephan Suhner von der ask und gegen die betreffenden Journalisten, um ihren guten Ruf wieder herzustellen. Gleichzeitig begann Glencore aber auch, die ask und die EvB und insbesondere die Journalisten mit Informationen einzudecken, insbesondere über die von Glencores Tochterfirmen geleisteten sozialen Investitionen (Renovation und Ausstattung von Schulen und Gesundheitsposten, Gesundheitsprogramme und Impfaktionen, Projekte für Kunsthandwerk etc.). Unsere Recherchen in Kolumbien haben ergeben, dass ein Teil dieser Investitionen noch vor der Übernahme der Minen durch Glencore getätigt wurden, dass sie z.T. auch sehr punktuell waren und nicht zwingend den prioritären Bedürfnissen der Bevölkerung entsprach. Trotzdem scheint sich nun Glencore langsam zu bewegen, einerseits seit den Protesten der Bevölkerung im Februar 2007 wegen der sozialen Misere in den Kohlendörfern La Jagua, La Loma und Becerril, andererseits auch als Reaktion auf den öffentlichen Druck insbesondere aus der Schweiz. So hat eine von der Glencore Tochter Carbones de la Jagua getragene Stiftung mittlerweile die Arbeit aufgenommen und auch einem Projekt der Gewerkschaft SINTRAMIENERGETICA Unterstützung zugesagt. Sergio Becerra hatte seit seiner Rückkehr nach Kolumbien auch schon ein Treffen mit dem lokalen Glencore-Management, wo er einerseits für seine Aussagen in der Schweiz kritisiert wurde, andererseits das Management aber auch Gesprächsbereitschaft signalisierte und weitere Treffen vereinbart wurde. Diese Entwicklung stimmt vorsichtig hoffnungsvoll, wenn wir auch erst ganz am Anfang stehen. Wir werden periodisch über die weitere Entwicklung berichten.

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com