14.09.2016

Kolumbien nach dem Friedensabkommen: Paramilitärische Morde und Gewalt in Kohleregion halten an

14.09.2016 | Pressemitteilung von Pax und Urgewald
Bergbaukritiker Néstor Iván Martínez. Er wurde am 11.9.2016 ermordet.

• Bergbaukritischer Gemeindevertreter in Kolumbien ermordet
• Neuer Bericht: Anhaltende Gewalt gegen Gewerkschafter und Gemeinden
• Deutsche Stromkonzerne halten an umstrittenen Lieferanten fest

Berlin, 15.9.2016   Die massive Gewalt in der kolumbianischen Kohle-Provinz Cesar hält an. Néstor Iván Martínez, Gemeindevorstand in Chiriguaná, wurde am Sonntag ermordet. Martínez hatte sich zuvor gegen die Expansion der dortigen Kohlemine des US-Konzerns Drummond ausgesprochen. Er hatte sich für die Rückgabe von Land an Vertreibungsopfer in der Provinz im Nordosten Kolumbiens eingesetzt. Eine heute veröffentlichte Studie der niederländischen Organisation PAX belegt, dass es sich bei der Gewalt gegen Martínez nicht um einen Einzelfall handelt. Seit 2012 sind demnach mehr als 200 Menschen in der Region Opfer von Gewalt, Drohungen und Einschüchterungen geworden.

Der jüngsten Mord und die vielen weiteren dokumentierten Fälle unterstreichen die verheerende Menschenrechtssituation in Cesar. Die hiesigen Energiekonzerne RWE, Uniper (E.ON), Vattenfall und EnBW zeigen sich davon unbeeindruckt und beziehen noch immer einen Großteil ihrer Steinkohle von den dort tätigen Kohlelieferanten Drummond bzw. Prodeco/Glencore. „Während die Energieversorger von Verbesserungen vor Ort sprechen, müssen Gewerkschafter und Gemeindevertreter weiter um ihr Leben fürchten“, sagt Sebastian Rötters, Kohle-Experte bei urgewald.

Der neue PAX-Bericht hat das Ausmaß der Gewalt durch paramilitärische bzw. illegale bewaffnete Gruppen dokumentiert. So wurde etwa ein Gewerkschaftsführer und Angestellter des Minenkonzerns Drummond zu seiner eigenen Beerdigung eingeladen, wurden Gewerkschafter wiederholt bedroht, das Büro eines Anwaltskollektivs aufgebrochen und sensible Daten entwendet. Es gibt starke Hinweise darauf, dass die Täter direkt paramilitärischen Gruppen entstammen. Diese hatten bis zu ihrer offiziellen Demobilisierung 2006 mehr als 3100 Menschen in Cesar ermordet und mehr als 55.000 Menschen von ihrem Land vertrieben. Ehemalige Paramilitärs haben unter Eid ausgesagt, dass Drummond und Prodeco sie finanziert und mit ihnen zusammengearbeitet haben. Drei neue Zeugen haben diese Aussagen nun in einem staatlichen Bericht* untermauert.

Der PAX-Programmdirektor Joris van de Sandt sagt: „Europäische Energiekonzerne beliefern noch immer Millionen Kunden mit Strom aus Blutkohle. Sie müssen die Kohleimporte von Drummond und Prodeco stoppen, bis Opfer und Angehörige Anerkennung und Kompensation erhalten haben. Außerdem müssen die Ermittlungen zu den neuen Fällen von Gewalt bis dahin abgeschlossen sein. Nach wie vor profitieren die Minenkonzerne von der Unterdrückung zivilgesellschaftlicher Stimmen.“ Rötters ergänzt: „Die Menschenrechtssituation in den Kohleabbaugebieten in Cesar ist seit über 20 Jahren dramatisch. Wenn ihr Interesse an einer sauberen Lieferkette ernst gemeint ist, sollten die deutschen Energiekonzerne endlich Konsequenzen ziehen. Es ist eine menschenrechtliche Bankrotterklärung, dass sich Unternehmen wie RWE oder EnBW, an denen Länder und Kommunen große Anteile halten, dem nach wie vor verweigern.“

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Studie Pax

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