06/29/12

Überschrittene Grenzwerte von Schadstoffen in der Luft sowie eine Zug-Entgleisung wirbeln Staub auf

29.06.2012 | von Annette Wallimann

Wie das RCN Radio am 7. Juni 2012 berichtete, gab die dem Umweltministerium angegliederte nationale Behörde für Umweltlizenzen ANLA Anfang Juni 2012 bekannt, dass aufgrund der anhaltenden Umweltprobleme und insbesondere der hohen Staubbelastungen im Departement Cesar, verschiedene von der Glencore-Prodeco Gruppe beantragte Umweltlizenzen zur Erweiterung ihrer Kohleminen vorerst nicht erteilt werden. Die Direktorin des ANLA, Luz Helena Sarmiento, sagte im RCN Radio ausserdem, das Umweltministerium plane weiter Untersuchungen der Luftqualität, bevor über die zukünftige Vergabe von Lizenzen an die Bergbauunternehmen entschieden werde.[1] Auch im Zusammenhang mit der Eisenbahn Fenoco, die ebenfalls teilweise zu Prodeco gehört, kam es zu schlimmen Vorwürfen bezüglich deren Sicherheitsvorkehrungen seitens Behörden, Politik und Medien.

Feinstaubbelastung übersteigt den Schweizer Grenzwert um ein Dreifaches

Laut verschiedenen Medienberichten weigert sich das ANLA, zahlreiche Umweltlizenzen, die von der Prodeco-Gruppe aber auch Drummond, Colombia Natural Resources (CNR) und Vale Coal (heute ebenfalls CNR) beim Umweltministerium für Erweiterungsprojekte im Departement Cesar beantragt worden sind, zu bewilligen. Dies, weil die Feststoffverschmutzung in der Luft, trotz der Verfügung des Umweltministeriums von 2007 zur Reduzierung der Kohlestaubemission und den darauffolgenden Bemühungen der verantwortliche Firmen, nach wie vor den für die menschliche Gesundheit kritischen Grenzwert überschreitet. So ergeben beispielsweise jüngste Messungen in der direkt betroffenen Gemeinschaft Plan Bonito einen Gehalt an atmosphärischem Schwebstaub (Partículas Suspendidas Totales – PST3 und überschreitet damit den erlaubten Grenzwert in Kolumbien von 137,60 µg/m3. Im Bereich des Feinstaubs, das heisst diejenigen Staubpartikel in der Luft deren Durchmesser weniger als 10µm beträgt und welche deshalb für die menschliche Gesundheit besonders gefährlich sind, ergaben die Messungen für Plan Bonito sowie das städtische Zentrum La Jagua 63,13 respektive 64,22 µg/m3 während der erlaubte Jahresmittelwert bei 50 µg/m3 liegt. Besonders augenfällig wird die Gefährdung der Gesundheit der betroffenen Bevölkerung wenn man vergleicht, dass der vorgeschriebene Grenzwert in der Schweiz 20 µg/m3 im Jahresmittel beträgt.[2]

Verschleppter Umsiedlungsprozess trotz massiver gesundheitlicher Schäden

Nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinschaft Plan Bonito, die bis im September des letzten Jahres hätte umgesiedelt werden sollen, sondern auch die Mitglieder der beiden Gemeinschaften El Hatillo und Boquerón atmen nun bis zur Realisierung ihrer Umsiedlung täglich diese verschmutzte Luft ein. Erst im 2011 zeigte eine im vergangenen Jahr vom Gesundheitssekretariat des Departements Cesar durchgeführt Studie, die Häufigkeit eindeutiger Krankheitsbilder in der vom Kohleabbau betroffenen Gemeinschaft El Hatillo auf. Das Ergebnis ist schockierend: In der Gemeinschaft El Hatillo leiden 51,48 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner an Erkrankungen im Zusammenhang mit der Umweltverschmutzung. 39 Prozent der Befragten leiden an Atemwegserkrankungen, 11,59 Prozent weisen Hauterkrankungen auf und 0,81 Prozent sind von Augenkrankheiten betroffen.[3] Die notwendigen Umsiedlungsprozesse waren bereits im 2007 ebenfalls durch das Umweltministerium angeordnet, von den verantwortlichen Firmen jedoch bis vor einigen Monaten gravierend vernachlässigt worden. Nun wurde die kanadische Consultingfirma Replan

Das ANLA lässt verlauten, dass die Wohngebiete dieser drei Gemeinschaften weiterhin als Quellgebiete von Luftverschmutzung gelten und keine weiteren Bergbauprojekte bewilligt werden, bevor sich das Ergebnis der jährlichen Messungen, vorgenommen von der Umweltkörperschaft CorpocesarUniversidad Industrial de Santander[4]

Eisenbahngesellschaft Fenoco wegen Fahrlässigkeit in Kritik

Am 14. Juni 2012 um 5.06 Uhr morgens entgleiste in der Gemeinde Ciénaga kurz vor seiner Einfahrt in den Kohlehafen ein Güterzug von Prodeco auf einer Länge von 22 der insgesamt 97 Waggons. Die Betreiberin der Eisenbahn, die Firma Fenoco, ist im gemeinsamen Besitz der Bergbaufirmen Prodeco, Drummond und CNR, welche gleichzeitig ihre Kunden darstellen und deren abgebaute Kohle sie von La Jagua und El Paso im Departement Cesar an die Küste von Santa Marta transportiert. Während Fenoco mitteilt, bei dem Zwischenfall seien keine Personen zu Schaden gekommen und die 1200 Tonnen verschüttete Kohle würden so bald wie möglich weggeräumt[5], berichtet die Zeitung El HeraldoSuperintendencia de Transporte

Die Superintendencia registrierte laut El HeraldoPuerto Nuevo Procuraduría

Seit der Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnlinie vor gut zehn Jahren, unter anderem mit der Absicht, den starken Lastwagenverkehr und die Kohlestaubverschmutzung zwischen Cesar und Magdalena zu verringern, versetzen die sehr häufig zirkulierenden Züge die anliegenden Dörfer in Angst und Schrecken. Ihre BewohnerInnen erleiden nicht nur gravierende Schäden an ihren Häusern durch die regelmässige Erschütterung und die enorme Lärmbelastung, sie fürchten sich von aller Art Unfällen die im Zusammenhang mit den Zügen, die mit hoher Geschwindigkeit durch die Dörfer fahren, und dass die nächste Entgleisung genau auf der Höhe ihres Dorfes geschehen könnte.[6]

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[1] RCN Radio 7.06.2012: Niegan Licencias Ambientales de Expansión a Carboneras de Cesar. http://www.rcnradio.com/noticias/niegan-licencias-ambientales-de-expansion-carboneras-de-cesar-4148#ixzz1xflUNV3G. Zugriff: 13.06.2012.

[2] El Espectador 16.06.2012.  http://www.elespectador.com/impreso/vivir/articulo-353519-contaminacion-freno-locomotora-minera-el-cesar Zugriff: 26.06.2012.

[3] Secretaría de Salud de la Gobernación del Cesar 2011: Informe de Estudio Poblacional sobre Prevalencia de Enfermedades Relacionadas con la Contaminación Ambiental en la Vereda el Hatillo – Corregimiento de La Loma – Municipio de El Paso.

[4] El Espectador 16.06.2012. http://www.elespectador.com/impreso/vivir/articulo-353519-contaminacion-freno-locomotora-minera-el-cesar  Zugriff: 26.06.2012.

[5] Pressemitteilung der Firma Ferrocarriles del Norte de Colombia S.A. (Fenoco) vom 14.06.2012. Einsehbar unter: http://www.fenoco.com.co/. Zugriff: 26.06.2012.

[6] Zeitungsberichte El HeraldoZugriff: 26.06.2012.

14.06.2012: Se volcaron 22 vagones: 1.200 ton. de carbón se derramaronhttp://www.elheraldo.co/region/se-volcaron-22-vagones-1200-ton-de-carbon-se-derramaron-71192

17.06.2012: Campanazo de alerta por descarrilamiento del tren: http://www.elheraldo.co/noticias/economia/campanazo-de-alerta-por-descarrilamiento-del-tren-71516

18.06.2012: ¿Quién le impone control al tren del carbón?: http://www.elheraldo.co/local/quien-le-impone-control-al-tren-del-carbon-71624

20.06.2012: Cargos de Súper a Fenoco por manejos del tren: http://www.elheraldo.co/local/cargos-de-super-a-fenoco-por-manejo-del-tren-71877

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com