09/14/11

Kommentar zu Glencores erstem Nachhaltigkeitsbericht

14.09.2011

Glencore publizierte Anfang September 2011 im Nachgang zum Börsengang vom Mai 2011 ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht für das Berichtsjahr 2010. Der von vielen Experten als recht oberflächlich bezeichnete Bericht bezieht sich auch mehrfach auf die Kohlenminen in Kolumbien, die als Modell für Nachhaltigkeit dargestellt werden. Vertreter der Arbeitsgruppe Schweiz – Kolumbien besuchten in der selben Woche, in der der Report publiziert wurde, die Minen der Region La Jagua. Dieser kurze Bericht stellt eine erste Stellungnahme zu diesem Report dar, ausführlichere Berichte werden folgen. Schlüsselaussagen aus dem Glencorebericht werden dabei Eindrücken von der Reise und Aussagen von Gesprächspartnern gegenübergestellt.  

Glencore Sustainability Report 2010

Einleitende Bemerkungen

Dass Glencore einen globalen Nachhaltigkeitsbericht und einen spezifischen für Prodeco Group herausgibt, ist ein wesentlicher Fortschritt. Die Aussagen im Report und was Glencore in Kolumbien anlässlich eines Treffens Anfangs September 2011 erläuterte, tönen jedoch ganz anders als das, was die Gemeinschaften und die lokale Bevölkerung seit Jahren beklagen. Glencore operiert seit Jahren in einem gewaltgeprägten Umfeld mit schwachen Institutionen und endemischer Korruption. Dies erfordert von einem Unternehmen zusätzliche Anstrengungen im Bereich Sorgfaltspflicht und Unternehmensverantwortung. Die ASK ist der Meinung, dass Glencore - Prodeco dem noch zuwenig Rechnung trägt und zuviele Probleme auf den Staat abschiebt, der seine Verantwortung nicht wahrnehme. Zudem operieren drei weitere grosse Bergbaukonzerne in der selben Region, so dass nicht immer eindeutig ist, welches Unternehmen für ein Problem die (Haupt-)Verantwortung trägt. 

Zu Kapitel 7, Communities (ab S. 47)

Für Glencore sei die Beziehung zu den Gemeinschaften wichtig, soziale und ökonomische Entwicklung und Projekte würden über die Royalties und Steuern hinaus finanziert und ermöglicht; mögliche negative Folgen würden so weit möglich abgeschwächt. V.a. abgelegene Gemeinschaften mit Entwicklungsdefiziten würden sehr stark von den Dienstleistungen und der Infrastruktur die von Glencore zur Verfügung gestellt werden, profitieren. Diese Unterstützung schaffe langfristig Akzeptanz für die Operationen von Glencore.

Glencore habe Schliessungs- und Renaturalisierungspläne und berechne diese Kosten ein. Auch die Folgen der Schliessung für lokale Gemeinschaften würden miteinbezogen.

Glencores Corporate Principles geben die allgemeinen Richtlinien vor, in letzter Konsequenz liegt die Verantwortung aber beim lokalen Management, abgestimmt auf die lokale Situation.

Glencore sei sich bewusst, dass negative Impacts nicht immer verhindert werden können, dazu gehören v.a. Luftemissionen, hoher Wasserbedarf, mögliche Wasserverschmutzung und grosser Landbedarf, Beeinträchtigung der Biodiversität. Abraumhalden ändern die Landschaft, auch wenn gesetzliche Regeln eingehalten werden.

Kommentar Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien: Die Bevölkerung beklagt sich über schwere negative Umweltauswirkungen, Staub und Feinstaub, immer wieder auch über Wasserverschmutzung durch Einleitung von Abwasser aus den Minen, Lärmbelastung durch Sprengungen und Maschinen. Glencore wurde immer wieder durch das Umweltministerium sanktioniert, weil sie Umweltvorgaben verletzte. Das Umweltministerium erklärte die Region als Quelle von Luftverschmutzung.

Die Bevölkerung beklagt die geringen sozialen Investitionen Glencores, v.a. einige der den Minen am nächsten liegenden Gemeinschaften haben grosse Defizite in Bezug auf Wasser, Strom, Bildungssystem und Grundversorgung. El Hatillo ist quasi die Mülldeponie der Gemeinde. Obwohl das meiste in der Verantwortung der politischen Gemeinden und des Staates liegt, die die Abgaben der Bergbaukonzerne ineffizient verwenden, haben die Gemeinschaften mehrfach erfolglos versucht, mit Glencore konkrete Investitionen auszuhandeln.  

Abfalldeponie an der Einfahrt zur Gemeinschaft El Hatillo. Diese Gemeinschaft muss von Glencore und den drei anderen Konzernen umgesiedelt werden.

Menschenrechte und Umgang mit Gemeinschaften

Menschenrechte werden in der Sektion Our people abgehandelt, seien aber auch für die Communities wichtig, ein regelmässiges Assessment verfolge das Ziel Null Menschenrechtsverletzungen.

Glencore verpflichte sich zu einem offenen transparenten Zweiweg-Dialog als Basis guter Beziehungen und Vertrauen der Gemeinschaften. Community Liason Managers, die z.T. vor Ort wohnen, befolgen etablierte Vorgehensweisen zum Beziehungsaufbau mit den Gemeinschaften. Die formellen Konsultationen mit den Gemeinschaften würden Social Impact Studies (z.B. in Kolumbien) und Umweltmanagementpläne beinhalten. Die GCP verlangen ein Aufnehmen sämtlicher Klagen und Befürchtungen. So könne die lokale Bevölkerung beispielsweise Klagen über Landnutzung und traditionelle Rechte einbringen. Ende 2010 hätten die Hälfte der Metall- und Kohleoperationen über einen formellen Klagemechanismus verfügt, 173 Klagen wurden entgegen genommen.

Kommentar: Die Bevölkerungssektoren, mit denen wir gesprochen haben, können diesen Zweiweg-Dialog nicht bestätigen, empfinden auch kein Vertrauen, fühlen sich nicht respektiert. Die Beziehungen seien in letzter Zeit eher schlechter geworden. Es besteht keine Klarheit, wie die Bevölkerung z.B. für Social Impact Studies konsultiert wird. Viele Leute fühlen sich eingeschüchtert oder sogar konkret bedroht und fürchten um ihr Leben, durch private Sicherheitsfirmen, die Armee oder durch illegale Akteure (La Jagua war eine sehr gewaltgeprägte Gemeinde mit immer noch bestehender paramilitärischer Kontrolle). Ein Klagemechanismus ist bisher in Kolumbien nicht bekannt, auch nicht eine eigentliche Menschenrechtspolitik.

Umsiedlungen (S. 53 des Glencore Report)

Glencore betont, dass nur in äussersten Fällen zu unfreiwilligen Umsiedlungen gegriffen werde, wenn dies der Minenbetrieb absolut notwendig mache. Gegenwärtig sei lediglich die Operation von Glencore-Prodeco in Kolumbien davon betroffen.

Kommentar: 3 Siedlungen müssen gemäss einer Verfügung des Umweltministeriums vom August 2010 durch die 4 Unternehmen Vale, Goldman Sachs, Drummond und Glencore-Prodeco gemeinsam umgesiedelt werden, da die schlechte Luftqualität zu schweren Gesundheitsproblemen führen könnte. Das erste Dorf, Plan Bonito, sollte bis am 15. September 2011 umgesiedelt sein, aber eben erst begannen die ersten Schritte, u.a. eine sozioökonomische Erhebung der Lebensbedingungen der Bewohner. Die Bewohner haben aber keine Mitsprache im Umsiedlungsprozess und die Befragung weisst grosse Lücken auf. Glencore hatte die Verfügung angefochten und argumentiert, die Fristen seien unrealistisch und einige der Umsiedlungen unnötig. Zudem sei es schwierig, dass sich die 4 Firmen einigen können. Glencore und die drei anderen Firmen haben die ihnen auferlegten Verpflichtungen bis jetzt in keiner Weise erfüllt.

Kapitel 8, Umwelt (ab S. 59)

Glencore verspricht die Minimisierung der Landnutzung für den Bergbau und die sofortige Renaturierung. Sie würden Umweltfolgenabschätzungen und Social Baseline Studies über die Fauna und Flora machen. In Kolumbien ist die Reserva Forestal Sierra de Motilones durch Glencore leicht betroffen. Es gibt Schliessungspläne für Minen.

Kommentar: Die Bevölkerung beklagt sich über grossen Landverbrauch, Abraumhalden sind manchmal nur wenige 100 Meter von den Siedlungen entfernt. Auch wenn Glencore im Moment nicht alles konzessionierte Land für die Minenoperation braucht, bleibt es in ihrem Privatbesitz, überall stehen Schilder mit dem Verweis auf verbotenen Zugang. Die Bevölkerung beklagt, dass sie keinen Zugang zu diesem Land habe, wenn sie das Land betreten, würden sie von privaten Sicherheitsleuten oder der Armee vertrieben oder gar kurzzeitig festgenommen. Sie hätten auch Land als Leihgabe gefordert, jedoch keines erhalten, könnten auch kein Holz schlagen, nicht mehr jagen und kaum mehr fischen. Das Wachstum der Pflanzen sei durch die Staubbelastung behindert, es verenden Tiere.

Bei der Umleitung des Calenturitas Flusses sei ein Umweltmanagementplan durch das Umweltministerium gutgeheissen worden, die verbleibenden Wassermengen im neuen Flusslauf würden überprüft, die Fauna sei umgesiedelt worden, der ursprüngliche Flussverlauf so genau wie möglich nachgebildet worden.

Kommentar: Die lokale Bevölkerung beklagt sich, dass es kaum mehr Fische gebe und sie zudem kaum mehr Zugang zum Fluss hätten, der zudem durch Abwassereinleitung der Mine verschmutzt sei. Fische seien nicht umgesiedelt worden, Tausende seien ohne Wasser verendet. Ein Grossteil der Bevölkerung war gegen die Umleitung, wurden aber zuwenig angehört.

Kapitel 6, Our people (ab S. 33)

Der Report erwähnt u.a. die Prodeco Golden Rules für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Glencore stelle vorwiegend lokale Personen an, es habe 40% Zunahme von 2008 auf 2010 bei lokalen Angestellten gegeben, 92% stammen nun aus den Departements Magdalena und Cesar.

Kommentar: Die Gewerkschaft beklagt andauernd Sicherheitsrisiken, u.a. durch Stress am Arbeitsplatz und überlange Schichten von 12 Stunden, sowie wegen Temporärarbeitern, die schlecht ausgebildet sind. Zudem klagen viele Arbeiter über arbeitsbedingte Erkrankungen wie Seh- und Hörbehinderung, Staublunge, Probleme in der Wirbelsäule und an Gelenken.

Bei der lokalen Bevölkerung hat es eine leichte Zunahme der Anstellungen gegeben. In den unmittelbar betroffenen Gemeinden ist die Zahl der Arbeiter aber weiterhin sehr gering und stellt eine der häufigsten Klagen dar.

Kohlelastwagen auf Weg zu Abraumhalde

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com