29.03.2016

Glencore CEO Ivan Glasenberg hält Versprechen gegenüber kolumbianischen Gemeinschaften nicht ein

29.03.2016

Vor genau einem Jahr befanden sich zwei VertreterInnen der ask! mit Ivan Glasenberg und dem obersten Glencore-Management sowie mit zwei BürgerInnen aus dem Knonauer Amt in Kolumbien, um über die Unternehmenspolitik zu diskutieren und von Glencores Kohleminen betroffene Gemeinschaften zu besuchen. Dabei versprach Ivan Glasenberg, die umgesiedelten Gemeinschaften mit Wasser zu versorgen und die Umsiedlungsprozesse zu beschleunigen. Passiert ist ein Jahr später noch fast nichts. Aus diesem Grund überreicht die ask! Glencore heute einen von rund 70 Persönlichkeiten unterzeichneten offenen Brief, in dem einmal mehr dringende Lösungen für die betroffenen Gemeinschaften gefordert werden.  

Im Januar 2015 stellte die ask! Glencore ihren gemeinsam mit der kolumbianischen NGO PAS verfassten Schattenbericht zu, mit der Bitte, eine schriftliche Stellungnahme abzugeben. Daraufhin schlug Glencore eine Besprechung des Berichts in Kolumbien vor. Gleichzeitig überreichten Bürger aus dem Knonauer Amt Glencore einen Bericht über ihre im Januar 2015 erfolgte Reise zu Glencores Kohleminen in Kolumbien. So kam es, dass Ivan Glasenberg VertreterInnen der ask! und aus dem Knonauer Amt einlud, mit ihm nach Kolumbien zu kommen. Glasenbergs Ansage vor Reiseantritt: Wir werden alle Themen durchgehen, und wo es Probleme gibt, werde ich sie lösen!

Während vier Tagen führten wir mit dem obersten Kohlemanagement Glencores sowie dem Topmanagement der Tochterfirmen Prodeco und Cerrejón (33% Anteil Glencores) Gespräche über eine Vielzahl von Themen (Umweltbelange, Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsrechte, Menschenrechte, Steuern, Umsiedlungen) und besuchten mehrere Gemeinschaften im Umsiedlungsprozess und im Einflussbereich von Glencores Kohleminen. Die besuchten Gemeinschaften beklagten sich v.a. über zu wenig und verschmutztes Trinkwasser, zu wenig Land für Viehzucht und Landwirtschaft und fehlende Bewässerung, mangelnde Einkommensmöglichkeiten und fehlende Perspektiven in den neuen Siedlungen. Insbesondere die indigene Gemeinschaft Tamaquito verfügte über kein Wasser. El Hatillo, eine Gemeinschaft die auf Anordnung des Umweltministeriums wegen Luftverschmutzung umgesiedelt werden muss und durch PAS begleitet wird, beklagte sich über den schleppenden Verlauf des Umsiedlungsprozesses, über Gesundheitsprobleme und eine kritische sozioökonomische Lage.

Nebst allgemeinen Zusicherungen auch des lokalen Managements, sich weiter für das Wohlergehen der Gemeinschaften einzusetzen, versprach Ivan Glasenberg insbesondere Wasser für Tamaquito und dafür zu sorgen, dass der Umsiedlungsprozess in El Hatillo schneller und doch gut vorwärts gehe. Heute, ein Jahr später, ist von all dem kaum etwas verwirklicht. Tamaquito bekommt zwar Wasser in Kanistern geliefert, aber in ungenügender Menge und in zweifelhafter Qualität. Eine gesicherte Versorgung mit sauberem Trinkwasser existiert nach wie vor nicht. Die fünf besuchten Gemeinschaften in der Guajira verhandelten während des ganzen letzten Jahres mit Cerrejón über die damals beklagten Probleme, ohne wirkliche Lösungen zu erreichen. Die Landknappheit und die prekäre Einkommenssituation sowie die mangelhaften Dienstleistungen bestehen weiter. Deshalb kehrten mehrere Familien aus den Gemeinschaften an die alten Orte zurück, um zusätzlichen Druck für definitive Lösungen auszuüben. In einer der Gemeinschaften wurde die letzte am alten Ort ausharrende Familie am 24. Februar 2016 gewaltsam enteignet. In El Hatillo wurden das Team und der Operator, die die Umsiedlung durchführen müssen, ausgetauscht, die Verhandlungen wurden beschleunigt. Trotzdem konnte noch kein Verhandlungsblock abgeschlossen werden und mussten Fristen wieder verlängert werden, während die Zermürbung in der Gemeinschaft anhält.

Die ask! konnte bei Glencore und den kolumbianischen Tochterfirmen bis jetzt keinen Willen sehen, die vor einem Jahr thematisierten Probleme wirklich anzugehen. Die Situation hat sich eher verschlechtert, während Glencore und die Tochterfirmen farbige Prospekte und schöne CSR-Slogans produzieren. Entgegen dem Versprechen von Glasenberg, „if there is a problem, we will fix it“, kämpfen die Gemeinschaften weiter vergebens um ihre Rechte und um die Anerkennung ihrer Lebensgrundlage, ihrer Kultur und Lebensweise. Die ask! erhoffte sich von der Reise eine qualitative Verbesserung der Diskussionen mit Glencore, aber auch dies wurde enttäuscht. Es ging Glencore wohl in erster Linie um den Versuch, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Offener Brief

Medienmitteilung

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Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

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