01.02.2012

Busse für Glencore in Kolumbien wegen Verletzung der Registrierungspflicht der Tochterunternehmen

01.02.2012 | von Stephan Suhner

Die kolumbianische Unternehmensaufsichtsbehörde Superintendencia de Sociedades büsste Glencore am 27. Januar 2012 mit 500 Millionen Pesos (ca. 250‘000 Franken), weil es Glencore unterlassen hatte, innerhalb der vorgegebenen Zeit mehrere Tochterfirmen ihrer Unternehmensgruppe zu registrieren. Eine kolumbianische NGO reichte am 2. November 2011 eine Eingabe bei der Superintendencia ein, worauf diese Untersuchungen veranlasste, die nun in diese Busse mündeten. Verschiedene Schweizer und europäische NGOs und Einzelpersonen unterstützten die kolumbianische Eingabe bei der Superintendencia mit Unterstützungsschreiben, so genannten Coadyuvancias.

Die Busse selbst betrifft CI Dalima Holding SAS, den Mutterkonzern von Glencore. Eine Google-Suche zu Dalima Holding ergibt kaum Treffer, ausser beim Unternehmensregister der Bermudas Inseln.[1] Der Mutterkonzern hatte es unterlassen, rechtzeitig die Tochterfirmen CI Prodeco S.A., Carbones de la Jagua, Consorcio Minero Unido, Carbones del Tesoro und die Sociedad Portuaria Puerto Nuevo zu registrieren. Die Unternehmen Glencore E & P Colombia Ltda, Fenoco, Propuerto y Cordillera Exploraciones Mineras S.A. wurden im Prozess nicht berücksichtigt, da die Superintendencia der Ansicht ist, dass sie mit den anderen Unternehmen in keiner Beziehung stehen. 

Gemäss dem Direktor der Superintendencia, Luis Guillermo Vélez, wurden die Kontrollen v.a. im Bergbau- und Energiesektor verschärft, damit diese Wachstumslokomotiven die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Es sei wichtig, dass die grossen Spieler z.B. im Bergbausektor bekannt seien und man deren exakte Grösse, Zusammensetzung und auch die finanzielle Situation kenne. Das zu Grunde liegende Gesetz 222 von 1995 gehört gemäss dem Superintendente zu den strengsten Gesetzen weltweit, und besagt, dass wenn ein Unternehmen ein anderes kontrolliert, in dem es als Aktionär oder als Vermarkter der Produktion einen bestimmenden Einfluss ausübt, dies als Unternehmensgruppe registriert werden muss. Bei Glencore kann das der Fall sein, wenn Glencore über langfristige Verträge die Produktion einer kleinen Kohlenmine aufkauft und vermarktet.

Im Moment, als das Urteil der Superintendencia bekannt wurde, gingen Analysten davon aus, dass Dalima Holding das Urteil akzeptieren und die entsprechenden Anpassungen vornehmen werde. Glencore zeigte sich jedoch unzufrieden mit der Verurteilung und kündigte an, gegen die Verurteilung zu rekurrieren. In einem Communiqué liess Glencore verlauten, dass es befremdlich sei, dass die Superintendencia andere, grössere Gruppen des Landes, die ihre Situation als Unternehmensgruppe auch nicht registriert hätten, nicht sanktioniert hätten, Glencore aber gebüsst worden sei. Sobald sie von der Superintendencia informiert worden sei, habe sie begonnen, die Unternehmensgruppe zu registrieren. Zudem sei die Busse höher ausgefallen als bei anderen Fällen, wo Unternehmen die Unternehmensgruppe überhaupt nicht registriert gehabt hätten.  Experten sind der Meinung, dass weitere Bergbauunternehmen wie Drummond, Vale oder Cerrejón in einer ähnlichen Situation seien und ihre Gruppenstruktur nicht offen gelegt hätten.


[1] Siehe z.B. https://www.roc.gov.bm/roc/rocweb.nsf/public+register/d+public+companies

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