04/30/14

Blutige Kohle für europäische Kraftwerke

30.04.2014 | Von Stephan Suhner

Der Kohleabbau in Kolumbien und der Import dieser Kohle in Europa sorgen weiterhin in breiten Kreisen für Kontroversen. Deutsche Kohleaktivisten kämpfen gegen Importe von kolumbianischer Kohle für deutsche Kraftwerke, Kohle die unter Missachtung von Umweltvorschriften und in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen gewonnen wird. So treten Vertreter von NGOs und Bürgerbewegungen an verschiedenen Aktionärsversammlungen deutscher Energiekonzerne auf und fordern die Energieversorger auf, keine Kohle mehr zu importieren, deren Abbau mit schweren menschenrechtlichen, sozialen und ökologischen Problemen verbunden ist.[1]

In Holland fand von 2010 bis 2013 der Holländische Kohledialog statt, an dem sich NGOs, Energieunternehmen und die holländische Regierung beteiligten.[2] Dieser  Dialog wurde im Sommer 2013 ohne grosse Erfolge beendet. Ein Ziel war, Transparenz in der Kohleversorgungskette zu erreichen. Die Kohleimporteure und Energiekonzerne weigerten sich jedoch, genaue Mengen- und Herkunftsangaben nach Minen aufgeschlüsselt zu machen, aus Wettbewerbs- und Konkurrenzgründen. Der Dialogprozess erarbeitete auch weitgehende Kriterien für Audits der Kohleminen. Die Durchführung von Pilotaudits scheiterte daran, dass sich nebst Cerrejón keine zweite Mine bereit erklärte, ein Audit über sich ergehen zu lassen. Zudem förderten die Energieunternehmen die industrieeigene Initiative Bettercoal[3], die jedoch keine Multi Stakeholder – Initiative ist und von NGOs groß mehrheitlich abgelehnt wird.

Einer der Argumente, die in Holland und Deutschland ins Feld geführt werden, sind die Morde an Gewerkschaftsführern 2001 im Verantwortungsbereich von Drummond und die immer wieder geäusserten Verdachtsmomente, wonach Unternehmen wie Glencore und Drummond mit den paramilitärischen Gruppen in Cesar zusammengearbeitet hätten. In der Presse wurden seit 2006 immer wieder Aussagen von inhaftierten paramilitärischen Kommandanten veröffentlicht, wonach dutzende von Unternehmen mit ihnen zusammengearbeitet, respektive sie finanziert hatten, darunter Carbones del Caribe, Prodeco und weitere[4]. Auch die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien wurde auf den Reisen ins Kohlerevier immer wieder mit solchen Aussagen der Bevölkerung konfrontiert, wonach die Paramilitärs in den Gemeindeverwaltungen ein und aus gingen, wie wenn sie dort zuhause wären, und dass niemand ohne ihre Zustimmung irgendetwas tun konnte. Für viele BewohnerInnen der Gegend war klar, dass auch die Kohleminen mit den Paras zusammenarbeiteten.  Marianne Moore von der internationale NGO Pax ist ebenfalls auf diese Aussagen aufmerksam geworden, „die Menschen hier waren sich ganz sicher, dass die US amerikanische Kohlefirma 'Drummond' und die Prodeco Mine vom schweizerischen Konzern Glencore an der brutalen Gewaltanwendung gegen die Zivilbevölkerung von 1996 bis 2006 beteiligt waren", sagt sie.[5]

In ihrer Untersuchung konnte die NGO PAX mit ehemaligen paramilitärischen Kommandanten der Autodefensas Unidas de Colombia, AUC, sprechen, die bezeugen, dass die Minenbetreiber Glencore und Drummond seit 1996 halfen, eine militärische Einheit aufzubauen, um die Minen vor Guerillagewalt zu sichern. Es scheint eine paramilitärische Strategie gegeben zu haben, auch die Bevölkerung systematisch einzuschüchtern, zu vertreiben und zu töten. Durch die Aktivitäten der Paramilitärs wurden ab 1996 bis zu deren Demobilisierung in der Region von Cesar 3100 Personen ermordet und mehr als 50‘000 Personen von ihrem Land vertrieben. 

Bis heute verneinen beide Minenbetreiber jeglichen Kontakt mit den Bürgerkriegsmilizen AUC. Die Zeugenaussagen der Paramilitärs im vorläufigen Pax Bericht seien nicht vertrauenswürdig, teilte Glencore-Xstrata in einem Schreiben an Pax mit, und die Firma Drummond droht, PAX bei Veröffentlichung des Berichts mit einem Rechtsstreit.


[1] Informative Seite mit weiterführenden Links: http://urgewald.org/presse/deutschlands-bittere-kohleimporte

[2] Der Schlussbericht des Dutch Coal Dialogue ist u.a. hier abrufbar: https://www.cordaid.org/en/publications/dutch-coal-dialogue-final-report/

[3] Siehe http://bettercoal.org/

[4] U.a. der Artikel „El ventilador de Mancuso”, 19. Mai 2007, http://www.semana.com/nacion/articulo/el-ventilador-mancuso/85975-3

[5] Peter Kreysler, Kolumbien - Kohle für Deutschland: Schmutziges Geheimnis. 16. April 2014, in: http://www.wdr5.de/sendungen/politikum/kolumbien110.html

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

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