01/11/17

Bilanz des Umsiedlungsprozesses von El Hatillo 2016

11.01.2017 | von Stephan Suhner

Im Laufe des Jahres 2016 hat sich die Situation in El Hatillo laufend verschlechtert und gegen Ende Jahr massiv zugespitzt. Der 2010 gestartete Umsiedlungsprozess machte nur ungenügende Fortschritte, wesentliche Durchbrüche in den Verhandlungen kamen nicht zustande.

Im Frühsommer 2015 hatte der mittlerweile dritte Operator Socya seine Arbeit aufgenommen, und ursprünglich zugesagt, bis im Herbst 2015 den Umsiedlungsplan abzuschliessen (dies auch im Kontext der Versprechen des Glencore-CEO Ivan Glasenberg anlässlich des Besuches in El Hatillo im März 2015). Dieses Datum war völlig unrealistisch und auch ein weiterer Termin im Februar 2016 verstrich. Ebenso wie ein Termin im Juli oder August 2016, ohne dass der Plan fertig gestellt worden wäre. Socya hat verschiedene Einigungen und Abkommen, die noch unter dem vorherigen Operator RePlan zustande kamen, nicht anerkannt oder umgesetzt und viel Zeit und Energie in die weitere Erhebung vieler Daten gesteckt.

Für die Gemeinschaft und die begleitenden NGOs wurde klar, dass all die Studien, Erhebungen und Workshops und die endlosen Diskussionen um Konzepte und Begriffe dazu dienen, den Umsiedlungsprozess in die Länge zu ziehen oder einer zermürbten Gemeinschaft eine sehr billige Lösung aufzwingen zu können, respektive im für die Unternehmen besten Fall die Umsiedlung gar nicht machen zu müssen.

Die Sicherheitslage hat sich 2016 in El Hatillo deutlich verschärft. Die Drohungen und Sicherheitsprobleme für die Führungspersonen von El Hatillo begannen 2014. Am 21. Juni 2014 wurde Eliécer Ramírez von vier vermummten und bewaffneten Personen bei sich zuhause zusammen mit seiner Frau gefesselt, bedroht und bestohlen.

Ab Juni 2015 verstärkten sich die Aussagen der Unternehmen und des neuen Operators, wonach die Mitglieder des Comité de Concertación für die Verzögerungen verantwortlich seien. Die Führungspersonen stellten damals klar, dass solche Behauptungen und Aussagen für sie ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Ab November 2015 häuften sich falsche Anrufe an Führungspersonen, in denen ihnen beispielsweise der Gewinn eines Preises oder ein Jobangebot in Aussicht gestellt oder ein Treffen verlangt wurde. Wenn die Führungspersonen nachfragten oder nicht erschienen, erhielten sie einen weiteren Anruf, bei dem sie jeweils mit dem Tod bedroht wurden. Zudem begannen viele Personen, die als Nicht-Residente erfasst sind (mit Besitz in Hatillo, aber nicht dort wohnhaft), bei beiläufigen Gesprächen oder Anrufen den Führungspersonen zu sagen, sie sollen aufhören den Umsiedlungsprozess zu behindern. Sie sagten, dass Vertreter des Umsiedlungsteams der Unternehmen sagen würden, dass die Führungspersonen den Prozess verzögern, weil sie gut daran verdienen. Häufig waren die Kommentare der Nicht-Residenten mit vagen Drohungen verbunden wie „du wirst sonst mit einigen Leuten Probleme bekommen“. Ab dem Frühjahr 2016 wird eine verstärkte Präsenz von ortsfremden Personen auf Motorrädern oder Pickups festgestellt sowie Personen die bei den Häusern von Führungspersonen Fragen stellen, etwas erbeten, oder einfach längere Zeit das Haus observieren, auch nachts, oder den Führungspersonen bei Verrichtungen in La Loma folgen.

Ab dem 2. Juli 2016 erhielt Alfonso Martinez, Führungsperson des Comité, Menschenrechtsverteidiger und Präsident des Gemeinschaftskomitees (Junta de Acción Comunal) massive Drohungen, er solle sich aus dem Umsiedlungsprozess zurückziehen, ansonsten würde man seine Tochter zerstückeln. Am 13. September 2016 gelangte Marina Martinez wegen einem Thema, das in einem Protokoll nicht korrekt aufgeführt worden war, an den Operator Socya. Socya entsprach dem Anliegen und ergänzte das betreffende Protokoll. Nur Minuten später erhielt Marina Martínez jedoch einen Anruf von einer unbekannten männlichen Person, die sich nach dem Stand der Umsiedlung erkundigte und Marina aufforderte, den Prozess nicht mehr weiter zu verzögern. Die Umsiedlung müsse bis Dezember 2016 erfolgen, ansonsten sei es besser, wenn ihre Tochter nicht mehr nach El Hatillo komme.

Gegen Herbst 2016 hin wurde die Lage immer aussichtloser: für die Anliegen der Betagten konnte mit den Firmen keine Lösung gefunden werden, so dass die Betagten damit drohten, die Eisenbahnlinie zu blockieren, wenn bis Dezember keine Lösung für sie und keine Umsiedlungsplan vorliege.

Eine Blockade der Zugslinie, auf der die Kohle zu den Verladehäfen transportiert wird, könnte einen Einsatz der Anti-Demopolizei ESMAD und dadurch Verletzte und sogar Tote zur Folge haben. Zudem konnte bis Ende Oktober noch kein einziges Thema/Kapitel des Umsiedlungsplanes abgeschlossen werden, erst Anfang November konnten sich Gemeinschaft und Unternehmen über das Kapitel „sozioökonomische Verhältnisse der Gemeinschaft“ einigen. Dass bis Dezember aber noch all die anderen Themen abgeschlossen werden könnten, schien praktisch ausgeschlossen. Zudem führten die vielen Drohungen dazu, dass verschiedene Führungspersonen sich kaum mehr in der Lage sahen, sich in die Verhandlungen einzubringen, aus Angst um die eigene und die Sicherheit ihrer Familie. Es schien keine Garantie mehr für zielstrebige und faire Verhandlungen zu geben.

Vor diesem Hintergrund reichte PAS am 11. November eine Tutela (Grundrechtsklage) gegen die drei Unternehmen und das Umweltministerium ein, mit der die Rechte auf Gesundheit, würdiges Leben, würdigen Wohnraum und auf ein Leben als Kleinbauern (Territorium, kleinbäuerliche Ernährung, etc.) eingefordert werden. Hauptziele der sind: sofortige Lösung für die lange ausstehenden Forderungen der Betagten, Abschluss des Umsiedlungsplanes innerhalb eines Monats und Suspension der Bergbauaktivitäten bis die Umsiedlung erfolgt ist.

Nach der Verhandlungsrunde vom 1. November des Comité de Concertación wurde zwischen Gemeinschaft und Operator beschlossen, das Socya den Umsiedlungsplan am 30. November der Gemeinschaft überreicht, die Gemeinschaft mit den Begleitorganisationen und Beratern bis am 16. Dezember Zeit hat, den Plan zu studieren und Feedback zu geben, um am 19. und 20. Dezember ein letztes Comité de Concertación abzuhalten und den Umsiedlungsplan PAR noch 2016 abzuschliessen. Diese kurzen Fristen waren alles andere als ideal und gehorchten mehr dem Druck und der Not in El Hatillo. Zudem war zu befürchten, dass der PAR grosse Lücken aufweist und längst nicht alle Rechte der Gemeinschaft in der Umsiedlung garantiert, die Gemeinschaft aus Ungeduld dann aber zustimmt. Mit der sollte versucht werden, diese Rechte zu garantieren.

Schlussendlich wurde der Umsiedlungsplan PAR termingemäss am 30. November der Gemeinschaft überreicht. Es ist ein Dokument von 475 Seiten, das innert kurzer Zeit von den Begleitorganisationen und den Führungspersonen gelesen und dann der Gemeinschaft erklärt werden musste. Zur geplanten Sitzung des Comité vom 19./20. Dezember kam es nicht mehr, so dass die Gemeinschaft ohne abgeschlossenen Umsiedlungsplan ins Jahr 2017 startet. Am 17. Dezember wandten sich die Vertreter des Comité an den Operator und die Unternehmen, um eine erste Stellungnahme zum PAR abzugeben, und  auch zu betonen, dass eine detaillierte Analyse noch mehr Zeit brauche. fileadmin/user_upload/documents/Thema_Wirtschaft_und_Menschenrechte/Bergbau_Rohstoff/Glencore_Kolumbien/Bilanz_des_Umsiedlungsprozesses_von_El_Hatillo_2016_V2.pdf

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com