Neue Arbeitskonflikte in den kolumbianischen Kohlenminen von Glencore – Aufruf zur Solidarität mit den Arbeitern

Letzte Woche kündigte Glencore den Börsengang an, um bis zu 12 Milliarden Dollar Kapital zu gewinnen. Den Arbeitern in den Minen gönnt sie davon fast nichts. Erneut versucht Glencore, die Bildung von Gewerkschaftssektionen in zwei kolumbianischen Kohlenminen zu verhindern. Dabei verweigert sie kollektive Verhandlungen über einen Tarifvertrag, bedroht Arbeiter, die sich der Gewerkschaft anschlossen mit Entlassung und belohnt Arbeiter, die der Gewerkschaft nicht beitreten oder wieder austreten mit beträchtlichen Bargeldprämien. Mehr Details dazu im angehängten Text.

Die Gewerkschaft Sintramienergética hat zu internationaler Solidarität aufgerufen. Deshalb liegen zwei Modellbriefe, einen an Glencore-Prodeco, ein anderer an den kolumbianischen Vizepräsidenten und an den Arbeitsminister bei. Sie müssen lediglich Ort, Datum und Name/Unterschrift einfügen und die Briefe an die angegebenen Mailadressen senden. Es ist möglich, dass nicht alle Adressen funktionieren oder Fehlermeldungen kommen, aber es sind die aktuellsten erhältlichen Adressen.

Modellbrief an Glencore Prodeco 28-04-2011

Brief an Vice und Arbeitsminister Prodeco April 2011

Weitere Angriffe auf die Gewerkschaftsrechte bei Glencore

Glencore ist weltweit für ihre gewerkschaftsfeindliche Haltung bekannt und hat in Kolumbien immer wieder schwere Konflikte mit den Gewerkschaften ausgefochten. Bei den kolumbianischen Kohlenminen die zu Glencore International AG gehören gibt es nach wie vor schwere Probleme bei den Gewerkschaftsrechten. So war es in zwei Minen bis heute fast unmöglich gewesen, Gewerkschaften zu gründen. In den letzten Wochen haben mutige Arbeiter in den Minen Calenturitas (Prodeco) und in der Mine Hierbabuena (Consorcio Minero Unido CMU) je eine Gewerkschaftssektion von Sintramienergetica gegründet. Dabei sehen sie sich jedoch sofort Repressionsmassnahmen der Firma ausgesetzt, wie Entlassungsdrohungen, Verweigerungen von Garantien und Rechten sowie das Abgebot von finanziellen Anreizen, wenn die Arbeiter der Gewerkschaft nicht beitreten oder wieder aus ihr austreten.

Am 11. Februar 2011 schlossen sich 34 Arbeiter der Mine Calenturitas (Unternehmen Prodeco) der Gewerkschaft Sintramienergetica an. Ermutigt durch den Schritt der ersten Gruppe, schlossen sich am 14. Februar 2011 weitere 131 Arbeiter der Gewerkschaft an. Diese Arbeiter sind nun durch den bestehenden Tarifvertrag der Firma Prodeco geschützt, aber dieser Vertrag harrt seit November 2008 einer Neuverhandlung, die in einem Schiedsgericht blockiert ist. Auf die soeben neu eingeschriebenen Arbeiter wurde dann massiv Druck ausgeübt: Ein Arbeiter wurde entlassen, nachdem er einen Arbeitsunfall erlitten hatte, der zu einem Bandscheibenvorfall führte. Zwei Arbeiter wurden zur Rechenschaft gezogen, weil sie ein kleines Protestmeeting organisierten. Auch sonst wurden die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter auf verschiedene Art und Weise unter Druck gesetzt. Kaum hatten die Arbeiter die Gründung der Gewerkschaftssektion bekannt gegeben und den Forderungskatalog präsentiert, ergriff Glencore-Prodeco Massnahmen, um den Beitritt weiterer Arbeiter zu unterbinden. In der Mine Calenturitas existiert ein sogenannter Pacto Colectivo, das ist ein einseitiges Angebot der Firma gegenüber den Arbeitern. Meist enthält ein Pacto mehr unmittelbare finanzielle Anreize als ein Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen, dafür viel weniger Sicherheitsgarantien wie beispielsweise ein guter Kündigungsschutz. Anscheinend hat Prodeco unmittelbar nach Bekanntwerden der Gewerkschaftsgründung für den noch gültigen Pacto ein neues Angebot für vorgezogene Verhandlungen gemacht und ein vorgezogenes Inkrafttreten in Aussicht gestellt. Zudem offeriert Prodeco für den Abschluss des Paktes eine hohe Prämie von 3000 Dollars. Da die Arbeiter fast immer in Geldnot stecken, ist es ein verlockendes Angebot gegenüber einer eventuell monatelangen Verhandlung für einen Tarifvertrag. Glencore-Prodeco bestritt jeglichen Zusammenhang der vorgezogenen Erneuerung des Pacto mit der Gründung einer Gewerkschaftssektion und sagte, der neue Pacto sei im besten Interesse und auf Wunsch der Arbeiter entstanden. Die Erfahrung in CMU sei dahingehend sehr positiv gewesen, dass eine informelle Gruppe von Arbeitern (nicht Gewerkschaft) ohne zeitlichen Druck in guter Stimmung mit dem Unternehmen einen Pacto ausgehandelt und abgeschlossen habe, und verschiedene Arbeiter in der Mine Calenturitas hätten den Wunsch geäussert, diese Erfahrung in ihrer Mine zu wiederholen. Auch wenn die Pactos nach kolumbianischer Arbeitsgesetzgebung legal und immer stärker verbreitet sind, unterminieren sie doch die Verhandlung von Tarifverträgen und beeinträchtigen damit das wichtige Recht auf Kollektivverhandlungen. Glencore führte ebenfalls an, dass eine Kollektivverhandlung in Prodeco gar nicht möglich sei, da die Gewerkschaft einen kollektiven Arbeitskonflikt 2008 einem Schiedsgericht unterworfen haben, und dieses habe noch nicht geurteilt.

Tatsächlich hatte Sintramienergetica im November 2008 der Firma Prodeco einen Forderungskatalog unterbreitet, der dann einem Schiedsgericht unterbreitet werden sollte. Seit 28 Monaten ist die Einsetzung des Gerichtes durch Glencore-Prodeco hintertrieben worden. Obwohl die drei Richter (Gewerkschaft, Unternehmen und Arbeitsministerium) eigentlich schon länger bestimmt sind und erwartet wurde, dass das Schiedsgericht Anfang April 2011 seine Arbeit aufnehme, verweigert Prodeco dem Vertreter der Gewerkschaft nun die Anerkennung, um die Lösung des Konflikts weiter hinauszuzögern. Glencores Argument, um den Richter der Gewerkschaft abzulehnen ist, dass dieser selber Gewerkschafter des Bergbau-Dachverbandes ist. Es ist jedoch lediglich dann ein Problem, wenn diese zum Richter ernannte Person schon in den vorangegangenen direkten Verhandlungen beteiligt gewesen wäre, was vorliegend nicht der Fall ist. Durch diese verzögerte Konfliktlösung sind auch der Beitritt der Arbeiter zur Gewerkschaft und der Beginn von Kollektivverhandlungen in Calenturitas blockiert.

Am 8. April 2011 hat sich eine Gruppe von Arbeitern des Consorcio Minero Unido S.A. (CMU) der Gewerkschaft Sintramienergetica angeschlossen und einen Forderungskatalog zuhanden der Firma verabschiedet. Der Beginn der Verhandlungen gestaltete sich jedoch schwierig und verzögerte sich, weil sich CMU weigert, den Verhandlungsführern der Gewerkschaft die notwendigen Garantien zu geben. Ebenfalls konnte bisher keine Einigung erzielt werden über den Verhandlungsort. Glencore- CMU beharrt darauf, dass es Barranquilla sein müsse, Sintraminenergetica schlug La Jagua vor, und würde dafür auf Reisespesen verzichten. Zudem gibt es eine bestehende Convención Colectiva (Tarifvertrag) von 1992, die – da nie aufgekündigt – noch gültig ist und nun auf die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter angewendet werden müsste. Glencore-CMU weigert sich jedoch, diese anzuerkennen. Die Arbeiter haben mit dem Forderungskatalog am 13. April einen Teil des Tarifvertrages aufgekündigt, um ihn mit der Firma neu auszuhandeln. Nichts desto trotz bleibt der alte Tarifvertrag in Kraft, bis der neue unterzeichnet ist; zudem liegt es in der Kompetenz des Arbeitsministeriums und nicht der Firma, einen Tarifvertrag anzuerkennen respektive für gültig zu erklären.

Weiter hat Glencore einige Arbeiter aufgefordert, Rechenschaft über vermeintliches Fehlverhalten abzulegen (llamado a descargos) und hat sie mit der Entlassung nach dem gesetzlichen Minimum bedroht und bezahlt den Arbeitern, die der Gewerkschaft beitraten, den Zuschuss für die Ernährung nicht mehr. Andererseits offeriert sie aber allerlei finanzielle Anreize, damit die Arbeiter wieder aus der Gewerkschaft austreten oder ihr schon gar nicht beitreten. Das heisst, Glencore verfolgt eine eigentliche Politik von Zuckerbrot und Peitsche. Trotz dieser antigewerkschaftlichen Massnahmen haben sich weitere Arbeiter der Gewerkschaft angeschlossen.

In der Nacht vom 3. auf den 4. April ereignete sich zudem ein schwerwiegender Unfall durch den Zusammenstoss von zwei Kohlenzügen. Einer gehörte der brasilianischen Firma Vale, der andere gehörte Glencore-Prodeco. Dabei kam es zu vier Todesopfern. Offizielle Untersuchungsergebnisse fehlen noch. Anscheinend liegen die Ursachen aber in Übermüdung des Zugspersonals durch überlange Schichten und in überhöhter Geschwindigkeit, da die Züge pünktlich an den Verladeterminalen sein müssen und dies häufig zu Zeitdruck führt.

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com