04.03.2014

Stellungnahme zur Absage am Glencore-Dialog vom 6. März in Affoltern

04.03.2014

Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien ask! ist eine der Nichtregierungsorganisationen, die von Glencore zur Teilnahme an der Diskussionsveranstaltung vom 6. März 2014 eingeladen worden war. Die ask! hat die Teilnahme abgelehnt.

Wofür die ask! steht 

Als Friedens- und Menschenrechtsorganisation setzt sich die ask! für die Gültigkeit der Menschenrechte und für Frieden mit sozialer Gerechtigkeit in Kolumbien ein. Ein besonderes Augenmerk richten wir dabei auf die Situation im Umfeld von Schweizer Unternehmen. Hier sehen wir eine direkte Verantwortung, aber auch Gestaltungsmöglichkeit, der Schweizer Regierung und der Schweizer Unternehmen sehen. Wir unterstützen deshalb betroffene Gemeinschaften, AnwohnerInnen und Gewerkschaften in der Öffentlichmachung von Anliegen, Konflikten und Menschenrechtsverletzungen im Umfeld von Schweizer Wirtschaftsinteressen. Dabei tragen wir dazu bei, ihren Anliegen bei den Unternehmen Gehör zu verschaffen und fordern von den Unternehmen ein konfliktminderndes und menschenrechtskonformes Verhalten ein. So begleiten, unterstützen und beraten wir seit 2005 diverse Gemeinschaften und Gewerkschaften im Umfeld der Kohlenminen von Glencore im Nordosten Kolumbiens. Dazu pflegen wir regelmässigen Kontakt mit Glencore und ihrer Tochterfirmen in Kolumbien, brieflich und in direkten Gesprächen. Im Januar 2008 hatten wir das erste Treffen einer Schweizer NGO zusammen mit Direktbetroffenen im Hauptsitz von Glencore in Baar, und seither führten wir rund ein Dutzend Gespräche.

Falscher Dialogansatz

Am Podium in Affoltern am Albis nicht teilzunehmen haben wir beschlossen, weil wir der Ansicht sind, dass die Zusammensetzung und die Organisation des Podiums einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Fakten nicht förderlich sind. Organisiert wird das Podium in Affoltern von einem Konzernberatungsunternehmen, dessen Aufgabe es ist, Unternehmen bei der Wahrung ihrer Reputation zu helfen. Für einen konstruktiven Dialog Nationalrat Toni Bortoluzzi aufs Podium einzuladen, der sich v.a. durch abschätzige Bemerkungen über die Initiativkomitees im Säuliamt hervortat, ist auch nicht vertrauenserweckend. Schliesslich kündigte Glencore an, dass sie den Mythen, die über das Rohstoffgeschäft verbreitet würden, ihre Fakten gegenüberstellen wollen.

Unsere bisherigen Erfahrungen im Gespräch mit Glencore haben gezeigt, dass ein wirklich konstruktiver Dialog mit Glencore nur bedingt möglich ist. Ausgangspunkt dafür wäre ein Mindestmass an Selbstkritik und die Bereitschaft, an einem gemeinsamen Problemverständnis zu arbeiten. Diese Voraussetzungen haben wir bei Glencore bisher vermisst. Glencore ist sich kaum je eines Problems oder eines Fehlers bewusst, grundsätzlich sind Andere Schuld, sei es wegen Inkompetenz, Korruption oder falschen Informationen von Regierungsfunktionären, Anwohnern und Interessenvertretern. Glencore bestreitet negative Folgen ihrer Aktivitäten für die Umwelt und verneint eine Mitverantwortung für die Situation in ihrer weiteren Einflusssphäre.

Glencore erarbeitet und implementiert eigenen Angaben zu Folge eine umfassende Menschenrechtspolitik, allerdings zeigt sich bei der praktischen Anwendung ein mangelndes Verständnis für komplexe Kontexte. Eines der Kernelemente einer Menschenrechtspolitik ist die Sorgfaltspflicht und damit verbundene Risikoanalysen, nicht nur bezogen auf das Unternehmen, sondern bezogen auf die verschiedenen Akteure in ihrem Einflussbereich. Glencore operiert in Kolumbien in einem Kontext, der von systematischen Menschenrechtsverletzungen und fortdauernden bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt ist, verweigert sich aber einer Diskussion darüber, was in einem solchen Kontext eine adäquate Sorgfaltspflichtpolitik wäre. Vielmehr unternimmt Glencore nichts, um aufkeimende Konflikte zu entschärfen, sondern trägt häufig durch Untätigkeit oder gar durch aktives Zutun zu deren Verschärfung bei.

Kein Problembewusstsein

Die Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien begleitet seit 2011 drei Gemeinschaften, die durch Glencore und zwei andere Bergbaukonzerne umgesiedelt werden müssen. Dazu wurde ein internationales Beratungsunternehmen für Umsiedlungen, rePlan, angestellt. Der Umsiedlungsprozess verläuft aber extrem langsam, der Umgang mit den umzusiedelnden Gemeinschaften lässt methodisch extrem zu wünschen übrig, Abkommen werden nicht eingehalten. Die Gemeinschaften haben ihre Grundbedürfnisse, Einkommensmöglichkeiten und die Ernährung während dem Umsiedlungsprozess nicht gesichert, bis zu dem Punkt, dass eine der Gemeinschaften, El Hatillo, Anfangs 2013 eine akute Ernährungskrise durchmachte, ohne dass Glencore und die anderen Unternehmen darauf reagiert hätten. Trotzdem stellt Glencore die Umsiedlungen als ein positives Element ihres community engagement dar, betont ihr partizipatives Engagement und die schnellen Reaktionen gegenüber Anliegen der Gemeinschaften und all die Projekte zum Nutzen der Gemeinschaften.

Die ask! ist weiterhin an (öffentlichen) Gesprächen mit Glencore interessiert, erwartet aber klar eine grössere Offenheit, um Fehler und Herausforderungen einzugestehen, und die Bereitschaft, Kritik und Verbesserungsvorschläge offen anzunehmen.

Erste Aussschreibung des Dialogs

Zweite Ausschreibung des Dialogs

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