10.07.2018

Weiterhin viele ungelöste Probleme und Konflikte in den Gemeinschaften im Einflussbereich der Mine El Cerrejón

10.07.2018 | von Stephan Suhner

Die ungelösten Probleme und die Konflikte zwischen den Gemeinschaften im Einflussbereich der Mine El Cerrejón und dem Unternehmen bestehen weiter. Alle in den letzten Jahren umgesiedelten Gemeinschaften und verschiedene weitere Resguardos und Gemeinschaften sehen sich zahlreichen Problemen gegenüber. Zu erwähnen sind einerseits die unzureichende Wasserversorgung für den menschlichen Konsum wie auch für die Landwirtschaft, knappes Land für den Anbau und die Tiere, fehlende Arbeitsplätze sowie kaum Einkommensmöglichkeiten. Besonders gravierend ist weiterhin die zweifelhafte Qualität des Trinkwassers, das z.T. bakteriell verseucht, z.T. mit Schwermetallen und Mineralsalzen belastet ist. Bis jetzt konnten sich die Gemeinschaften und Cerrejón nicht darauf einigen, wie und durch wen (welches Labor) die Qualität des Leitungswassers kontrolliert und wie das Problem dann behoben werden soll. Dieses Wasser versursacht auch Gesundheitsprobleme.

Viele Familien in mehreren Gemeinschaften leiden unter der schlechten Qualität ihrer Behausungen. Besonders kritisch ist die Situation im neuen Roche. Der Untergrund von Roche ist instabil, weshalb sich die Häuser mit dem Boden senkten und hoben und so grosse Risse bekamen. 2017 wurde begonnen, ein Teil der Häuser umfassend zu reparieren. Nun beklagt sich die Gemeinschaft aber, dass die Abkommen über die Häusersanierung nicht eingehalten werden. Die Reparaturarbeiten ziehen sich über viele Monate hin, und in dieser Zeit sind Häuser kaum bewohnbar, aber die Familien haben keine Alternativen. Der Zustand etlicher Häuser war zudem so schlecht, dass sie besser abgerissen und neu gebaut worden wären.

Viele Familien und Personen kämpfen immer noch für Entschädigungen, die sie als fair erachten und auf die sie Anspruch erheben. Obwohl Cerrejón immer auf dem Prinzip der Gleichbehandlung beharrt, gibt es in der Praxis immer wieder Abkommen, wo sehr unterschiedliche Entschädigungen gesprochen werden und wo sich viele Personen ungerecht behandelt fühlen, z.B. bei den letzten Verhandlungen in Patilla und Chancleta. Viele Leute fallen auch einfach aus dem Raster von Cerrejón, v.a. wenn sie ihre Gemeinschaft sogenannt freiwillig verlassen haben. Ist z.B. jemand vor 15 Jahren aus Roche weggezogen und liess sich in Chancleta nieder, und musste später in Chancleta ebenfalls weg, erhielt er keinen Anspruch auf Umsiedlung, da er nicht Einheimischer aus Chancleta ist, und bekam auch nur eine kleine Entschädigungszahlung. Vor allem für die Personen und Familien, die nicht Umsiedlungsberechtigt sind, müssen die Entschädigungszahlungen nochmals überprüft und angepasst werden.      

Tamaquito ist nach wie vor die Gemeinschaft, die am besten organisiert ist und die grössten Fortschritte machte, auch in den Verhandlungen mit Cerrejón. Trotzdem sind auch dort noch viele Themen ungelöst. Seit über einem Monat hat Tamaquito kein Trinkwasser mehr aus dem Tiefbrunnen, wobei nicht klar ist, ob es ein Problem fehlenden Unterhalts ist, oder ob der Tiefbrunnen austrocknete. Die Lösungssuche läuft. Tamaquito ist bereit, ihr grosses gemeinschaftliches Landwirtschaftsprojekt mit Viehzucht und Anbau zu starten, es fehlt nur noch das Wasser zur Bewässerung. Die Wasserleitung vom Fluss in die Gemeinschaft ist praktisch fertig, bei ersten Test kam jedoch deutlich weniger Wasser durch die Rohre als zugesagt. Immer noch nicht abgeschlossen werden konnte die Gründung des Resguardo. Es fehlt nicht mehr viel, einige letzte Papiere die unterzeichnet werden müssen, und eine Frage bezüglich einer umstrittenen Steuerzahlung. Obwohl es in Tamaquito verhältnismässig gut läuft, ist der Unmut in der Gemeinschaft gross, denn angesichts ihrer internen Kohäsion und Klarheit in den Verhandlungen war auch dieser Umsiedlungsprozess unendlich mühsam. Die Gemeinschaft will im August 2018 Bilanz ziehen und schliesst rechtliche Schritte gegenüber Cerrejón oder eine Rückkehr an den Ursprungsort nicht aus.

Auch die Neuansiedlung der Vertriebenen von Tabaco harrt weiterhin einer Lösung. Zwei Probleme stehen im Vordergrund:  Cerrejón weigert sich, einen Verhandlungstisch für die Entschädigungszahlungen zu eröffnen, und die Menge an Land für die Umgesiedelten Familien ist umstritten. Auf dem Grundstück La Cruz, wo das neue Tabaco entstehen soll, sind 189 Hektaren vorgesehen. Das Grundstück ist zwar wesentlich grösser, Cerrejón will aber gut die Hälfte als Schutzzone aussparen. Die Gemeinschaft geht von rund 400 Familien aus, die umgesiedelt werden möchten, und da ist klar, dass 189 Hektaren nicht genügen, um landwirtschaftliche Projekte für diese Anzahl Familien durchzuführen. Die Gemeinschaft fordert deshalb wesentlich mehr Land, Cerrejón lehnt das kategorisch ab.    

Gemeinschaften die in der Organisation FECODEMIGUA organisiert sind (Caracoli, El Descanco, Manantial, Palmarito und Sarahita), beklagen sich darüber, dass der Verhandlungsprozess den sie mit Cerrejón 2015 starteten, enorme und andauernde Verzögerungen erfährt. Am 30 April 2018 hatten sie deshalb Cerrejón einen Brief geschickt, der bis heute unbeantwortet blieb. Sie verlangen, dass Cerrejón die Pläne und Fristen einhält, dass das Unternehmen Personen mit Entscheidungsbefugnis in die Verhandlungen schicke und dass endlich eine faire Wiedergutmachung für die Ungerechtigkeit und die Schäden der vergangenen 33 Jahre erfolge.

Ein weiteres heikles Thema ist die Sicherheit von verschiedenen Führungspersonen aus den Gemeinschaften. Mehrere Führungspersonen erhalten massive (Todes-)Drohungen, werden beschattet und verfolgt, was einzelne Personen sogar zwang, die Region vorübergehend zu verlassen. Auf Grund der Umstände und Inhalte der Drohungen muss davon ausgegangen werden, dass diese im Zusammenhang mit Konflikten rund um den Bergbau und mit Cerrejón zusammenhangen, ohne dass jedoch gesagt werden kann, wer genau hinter den Drohungen steckt. Was der Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien aber Sorge bereitet ist, dass in einem Treffen vom November 2017 Vertreter von Cerrejón uns gegenüber Führungspersonen aus den Gemeinschaften massiv kritisierten und sich abschätzig über sie äusserten. Solche Kritiken und Anschuldigungen können durchaus zu Drohungen durch dritte Anlass geben, und wenn Cerrejón sich sogar uns gegenüber so äussert ist denkbar, dass die Hemmschwelle in anderen Kontexten noch tiefer ist, und Cerrejón so sehr wohl das Risiko für Führungspersonen erhöht.

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