02/25/16

Krise im Kohlegeschäft: Anglo American will ihren Anteil an Cerrejón verkaufen

25.02.2016 | von Stephan Suhner

Anglo American, einer der grössten Bergbaukonzerne weltweit, befindet sich in einer schweren Krise: nach Verlusten von 5,6 Mia. US-Dollar muss das Unternehmen radikal Kosten senken. So hat Anglo American beschlossen, ganz aus dem Kohlegeschäft auszusteigen, weshalb sie auch einen Käufer für ihren 33%-Anteil an Cerrejón sucht. Anglo American versucht, ihren Anteil an BHP Billiton und an Glencore zu verkaufen, die ebenfalls je einen Drittel an Cerrejón halten. Der Verkauf dürfte sich jedoch schwierig gestalten, da BHP und Glencore in einer ähnlich schwierigen Situation sind, und Glencore schon unter einer hohen Schuldenlast leidet. Die 100%-Tochter Glencores, Prodeco, hat bisher jedoch noch keine einschneidenden Massnahmen wegen den gesunkenen Preisen angekündigt und will die Kohleförderung 2016 weiter steigern[1]. In den USA befinden sich jedoch 19 Kohleminen-Betreiber in Konkursverfahren, und es wird spekuliert, das Peabody, ein Gigant auf dem Kohlemarkt, sich auch bald dem Konkursrecht unterstellen wird. Viele Unternehmen finanzierten ihr Wachstum der vergangenen Jahre mit Krediten und der Ausgabe von Anleihen. Nun können sie bei den gesunkenen Preisen ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

Die tiefen Kohlepreise stellen auch den Sektor in Kolumbien vor grosse Herausforderungen. Die Kohlenexporteure hoffen, dass der Preis auf einem Niveau von 40-45 USD pro Tonne bleibt. Gleichwohl hat die Regierung die Exportziele im Entwicklungsplan massiv zurückgefahren, von 124 Mio. Tonnen zuerst auf 115 und nun auf 95 Mio. Tonnen. Der geringere Export und die tiefen Preise (Rückgang um gegen 50%) hat auch auf die Staatsfinanzen Einfluss, 17% der Royalties stammen aus dem Kohleabbau. In der Phase der hohen Preise wurde neue Minen beispielsweise in Australien eröffnet und die Produktion der bestehenden Minen erhöht, was zu einem Überangebot führte. Nun hat Anfang Februar China verkündet, dass sie den Import von Kohle erstmals reduzieren werden und 20% der Energie durch saubere Quellen ersetzen wollen. Die Bergbaukonzerne werden also nicht darum herum kommen, die Kosten weiter massiv zu senken.[2]   

Mark Cutifanio, Präsident von Anglo American betont, dass sich der Bergbaukonzern auf das Geschäft mit Diamanten, Kupfer und Platin konzentrieren will. Noch im Dezember hatte Firmenchef Mark Cutifani mitgeteilt, 85 000 Arbeitsplätze zu streichen und 60% der Minen und Anlagen zu verkaufen. Damals war von drei verbleibenden Sparten die Rede: Diamanten, Industriemetalle wie Platin und Massenrohwaren wie Kohle und Eisenerz. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise im Jahr 2009 war die Dividende gestrichen worden. Nur zwei Monate später zeigt sich, dass selbst dies nicht ausreicht. Von den 70 Bergwerken, die 2013 zu Anglo gehörten, sollen nur 16 übrig bleiben.[3]

In Kolumbien gehörte Anglo American bisher ebenfalls zu den grössten Bergbauunternehmen. Im Januar 2016 hat sich Anglo American aber aus dem Verband der grossen Bergbauunternehmen, der Asociación Colombiana de Minería, zurückgezogen, um Kosten zu sparen. Ebenso prüft Anglo American die Suspendierung oder Rückgabe von Explorationslizenzen, da es unter den gegeben Bedingungen in Kolumbien schwierig sei, eine neue Mine in Betrieb nehmen zu können. Gemäss der Nationalen Bergbauagentur ANM verfügt Anglo American über 14 gültige Titel für die Suche nach Kupfer, Gold und Silber mit Schwergewicht in den Departementen Antioquia, Tolima, Putumayo und Cauca.[4]

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[1] Mailauskunft der NGO Pensamiento y Acción Social PAS vom 25. Februar 2016.

[2] La Republica, Precio del carbón vaticina posible crisis minera, 2. Februar 2016, in: http://www.larepublica.co/precio-del-carb%C3%B3n-vaticina-posible-crisis-minera_215256

[3] NZZ, Schrumpfkur bei Anglo American, 17. Februar 2016, in: http://www.nzz.ch/wirtschaft/unternehmen/schrumpfkur-bei-anglo-american-1.18696490

[4] El Tiempo, Anglo American se quiere ir de Cerrejón, tras iniciar duro recorte, 17. Februar 2016, in: http://www.eltiempo.com/economia/sectores/anglo-american-se-quiere-ir-de-cerrejon/16513101

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com