05/01/14

Verantwortungsvoller Bergbau – nur etwas für den Hochglanzprospekt?

01.05.2014

Cerrejón – vom Umgang eines selbsternannten Vorzeigeunternehmens mit indigenen Rechten und umzusiedelnden Dorfgemeinschaften

Gast: Jairo Dionisio Fuentes Epiayu, Gobernador des indigenen Cabildos von Tamaquito II

Organisatoren: Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien und Multiwatch, mit Unterstützung von Incomindios, Alternative Zug, EVB Regionalgruppe Zentralschweiz, info-e, Eine-Welt-Gruppe Hausen, Center for Development and Environment Universität Bern, Verein Bergbau – Menschen - Rechte

Zeitraum: 12. Mai - 24. Mai 2014

Jairo Fuentes wurde 2006 mit nur 25 Jahren zum Gobernador des indigenen Cabildo von Tamaquito II gewählt. Tamaquito II ist ein Cabildo der Indigenen vom Volke der Wayuu und wurde nach einem langen Verhandlungsprozess letztes Jahr durch den Kohlekonzern Cerrejón[1] umgesiedelt. Jairo Fuentes wurde Anfang 2014 als Gobernador wiedergewählt, um den Umsiedlungsprozess zu Ende zu führen. Jairos Großvater Lopez Epiayu hat das Dorf ca. 1965 gegründet. Gefördert durch Jairo Fuentes hat Tamaquito einige kulturelle Traditionen der Wayúu wiederbelebt und so die Identität der Gemeinschaft gestärkt.

Öffentliche Veranstaltungen

  • Zürich: Dienstag den 13.5.2014, 19.00 Uhr, Völkerkundemuseum Universität Zürich Pelikanstrasse 40, 8001 Zürich Flyer Zürich
  • Hausen am Albis: Montag den 19.05.2014, 20 Uhr, Katholisches Pfarreizentrum, 8915 Hausen am Albis
  • Zug: Dienstag den 20.5.2014, 19.00 Uhr, Siehbachsaal, Chamerstrasse 33, 6003 Zug Flyer Zug
  • Bern: Mittwoch den 21.5.2014, 19.00 Uhr, Universität Bern, Raum 205, Hallerstrasse 6, Bern Flyer Bern
  • Lausanne: Donnerstag den 22.5.2014, 19.30 Uhr, Buffet de la gare, «Salle des vignerons» 


Die Umsiedlung – Entwurzelung trotz guter Verhandlungen
Unter der Führung von Jairo Fuentes hat Tamaquito sehr konsequent mit der Kohlenmine Cerrejón verhandelt, und dabei ein besseres Resultat erzielt als umliegende Gemeinschaften. Während in den Nachbardörfer gestützt auf vage Gesamtvereinbarung jede Familie individuell ihre Umsiedlung aushandelte, gibt es in Tamaquito nur einen einzigen Vertrag der ganzen Gemeinschaft mit Cerrejón. Dies hatte die Verhandlungsposition der Gemeinschaft gestärkt und sie konnten so auch den kulturellen Eigenheiten ihres Dorfes Rechnung tragen.

Der grösste Verhandlungserfolg für Tamaquito war, dass im Vertrag mit Cerrejón die Umsiedlung mit der  Anerkennung von Tamaquito als Resguardo Indígena verknüpft ist. D.h. Tamaquito wird diesen Status erhalten, weil sie am neuen Standort die notariell beglaubigten Eigentümer des Territoriums sein werden. Am alten Standort hatten sie lediglich ein informelles Nutzungsrecht und waren zu Beginn nicht einmal als indigene Siedlung anerkannt. Die Anerkennung des Resguardo sollte in den nächsten Monaten vollendet sein.

Regionale Vernetzung
Jairo und sein Dorf haben die Risiken der Verhandlungen pro Dorf erkannt und haben versucht, sich mit den anderen Dorfgemeinschaften der Region abzustimmen im Vorgehen gegenüber dem Konzern. Leider hatte sie, auch wegen den Spaltungsbemühungen des Unternehmens, damit keinen Erfolg. 2007 hatte die ask! im Namen von Tamaquito und 4 anderen umzusiedelnden Gemeinschaften eine OECD-Eingabe beim nationalen Kontaktpunkt des SECO gemacht, bei dem genau dieser einheitliche Verhandlungstisch gefordert worden war. Auch damals hatten wir gegenüber dem Schweizer Kontaktpunkt, Cerrejón und den Mutterkonzernen Xstrata, Anglo American und BHP Billiton mit dieser Forderung keinen Erfolg.

Die Umsiedlung von Tamaquito – wirklich eine Erfolgsgeschichte?
Trotz der eigentlich erfolgreichen Aushandlung der  Umsiedlung sind damit Probleme und Verluste für die Gemeinschaft nicht zu verhindern gewesen:

  1. Am neuen Ort gibt es keine natürliche Wasserquelle, weder für Trinkwasser noch zur Bewässerung der Pflanzungen. Cerrejón hat bisher die vereinbarten Zusagen nicht eingehalten (z.B. Trinkwasser 24h am Tag verfügbar, Wasserversorgung für die Landwirtschaft). Daher gibt es seit der Umsiedlung im August 2013 praktisch keine Lebensgrundlage für die Dorfgemeinschaft.
  2. Verlust der autarken Selbstversorgung: bis anhin hatte die Gemeinschaft ziemlich autonom gelebt, zumindest solange die Nachbardörfer wie Tabaco, Roche, Patilla, Chancleta noch da waren und der Zugang zum Rio Ranchería und zu den Wäldern der Umgebung nicht durch den Konzern verunmöglicht wurde. Am neuen Ort müssen sie jedoch auch für die Basisdienstleistungen wie Strom, Gas etc. bezahlen, haben aber kaum Einkommen, um diese Ausgaben zu decken.
  3. Geänderte Vegetation: Am neuen Ort gibt es noch kaum Schatten spendende Bäume, und auch die Häuser behagen vielen Bewohnern nicht, weshalb sie nun neben den neuen Häusern ihre traditionellen Behausungen wieder aufbauen.


Nicht garantierte Wasserversorgung der Gemeinschaften im Einflussgebiet des Cerrejón
Jairo hat gemeinsam mit den Führungspersonen der anderen umzusiedelnden Gemeinschaften (Roche, Chancleta, Patilla) eine Allianz gebildet, die Cerrejón zur Lösung des Wasserproblems zwingen soll. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass keines der von Cerrejón umgesiedelten Dörfer eine ausreichende Wasserversorgung hat, weder für den menschlichen Verbrauch noch für die Landwirtschaft. Der Konzern hat gewusst, dass das Grundwasser an den Umsiedlungsstandorten erstens nicht ausreichend und zweitens qualitativ minderwertig ist (extrem mineralhaltig, die Leute bekommen Magen-/Darmprobleme davon). Im Prinzip haben sie vier Dörfer wissentlich im Wortsinn auf dem Trockenen sitzen lassen. Das ist nach unserer Einschätzung ein echter Skandal.


[1] El Cerrejón ist eine Steinkohlemine im nördlichsten Teil von Kolumbien. Sie erstreckt sich über ein Gebiet von insgesamt 69.000 Hektaren und ist die größte Steinkohlemine in Lateinamerika sowie einer der größten Steinkohletagebaue der Welt. Die Mine gehört zu gleichen Teilen den drei Firmen Anglo American (USA), BHP Billiton (Australien) und Glencore Xstrata.

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

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