02/23/16

Umgesiedelte Gemeinschaften kehren aus Not an die alten Wohnorte zurück

23.02.2016 | von Stephan Suhner
Neu Casitas, Foto von B. Nusbaumer

In der Woche vom 15. Februar 2016 kam es zu neuen Problemen zwischen Cerrejón und den Gemeinschaften im Umsiedlungsprozess. Seit über zwei Jahren wird in der sogenannten Mesa de líderes, in der die Gemeinschaften Chancleta, Patilla, Roche, Las Casitas und Tamaquito II vertreten sind, mit Cerrejón über verschiedene ungelöste Probleme der Umsiedlungen verhandelt. Letzte Woche sind aus Chancleta und Patilla mehrere Personen und Familien an die Ursprungsorte zurückgekehrt, da sie mit den Resultaten der Mesa nicht zufrieden sind.

Einerseits stören sich die Gemeinschaften daran, dass die VertreterInnen des Cerrejón immer wieder in letzter Minute die Treffen und Verhandlungsrunden verschieben oder absagen. So wurde die Verhandlungsrunde des 12. Februar in letzter Minute abgesagt, genauso wie die vom 17. Februar. Gleiches berichtete uns auch schon die Gemeinschaft Tamaquito II, dass die zuständige Person immer wieder zu spät kommt oder kurzfristig absagt. Für die Gemeinschaften, für die es in den Verhandlungen um lebenswichtige Anliegen geht, ist das sehr frustrierend und erniedrigend.

Nach über zwei Jahren von Verhandlungen wurde noch kaum ein Thema wirklich gelöst, so das fehlende und/oder qualitativ schlechte Wasser, die gescheiterten einkommensgenerierenden Projekte, oder die fehlenden Arbeitsmöglichkeiten. Rund 40 Familien aus Patilla, Chancleta und Roche sind nun zu den alten Siedlungen zurückgekehrt, da sie das Vertrauen und die Hoffnung in den Verhandlungsprozess verloren haben. Im Moment befinden sich die meisten Rückkehrer in einer Art Camp in Chancleta, wo sie sich in der Anwesenheit abwechseln. Sie fühlen sich von Cerrejón ihrem Schicksal überlassen, weshalb sie die Rückkehr auch als Druckmittel verstehen. So sagen die Familien aus Chancleta, dass sie nicht zurückkehren werden, bis dass die Probleme wirklich gelöst sind. Einige der Familien haben im alten Chancleta noch ihr verlassenes Haus, andere wollen neue Behausungen bauen. Cerrejón hat angedroht, die Polizei zu entsenden, um den Bau neuer Behausungen zu vermeiden. Zudem hat Cerrejón - wie schon bei Roche – angetönt, bei Chancleta und Patilla ebenfalls die Enteignung zu beantragen.

Zudem haben sich gewisse Spaltungen und Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Gruppen in letzter Zeit wieder akzentuiert. Einerseits führen die lange andauernden, unergiebigen Verhandlungen zu Zermürbung, andererseits gibt es Neid auf die Führungspersonen, die für die Sitzungen der Mesa eine finanzielle Entschädigung erhalten. Einige BewohnerInnen der umgesiedelten Gemeinschaften hegen den Verdacht, dass die Lideres keine Lösungen anstreben, weil sie so länger bezahlt werden. All unsere Kontakte bestätigen jedoch, dass die mangelnden Lösungen nicht das Verschulden der VerhandlungsführerInnen aus den  Gemeinschaften sind, sondern bei Cerrejón zu suchen sind, da insbesondere die Offerten von Cerrejón die Ansprüche und Rechte der Gemeinschaften nicht erfüllen.

Aktuell befindet sich eine Kollegin aus dem internationalen Unterstützungsnetzwerk in der Guajira, besucht die Gemeinschaften und Familien und wohnt den Treffen mit dem Unternehmen Cerrejón bei. Sie hat feststellen können, wie Cerrejón die Risse in den Gemeinschaften verschärft, in dem das Unternehmen mit einzelnen Gruppen verhandelt, alternative Leaderfiguren aufbaut, oder intransparent ist. Cerrejón sollte dringend die anberaumten Treffen einhalten und mehr Personen an den Verhandlungen der Mesa de lideres teilnehmen lassen. Denn es gibt weitere Personen, die Stimmen aus den Gemeinschaften vertreten und die ein berechtigtes Interesse haben, an der Mesa teilzunehmen.

Die ungelösten Probleme sind immer noch dieselben, und es ist beschämend, sie nach all den Jahren erneut auflisten zu müssen. Das Wasser in den neuen Siedlungen ist salzig und für den menschlichen Konsum nicht geeignet; es gibt keine Arbeit; die produktiven Projekte funktionieren nicht; öffentliche Dienstleistungen wie Gas- und Stromversorgung sind immer wieder unterbrochen (aktuell fehlt das Gas zum Kochen); gleichzeitig können die BewohnerInnen die Dienstleistungen nicht bezahlen, da die Siedlungen als Mittelstandssiedlungen eingestuft sind und damit recht hohe Tarife zu bezahlen wären; die Qualität der Wohnhäuser und der öffentlichen Gebäude (z.B. Gesundheitsposten) ist mangelhaft, die Sickergruben befinden sich zu nahe bei den Häusern; der Boden des Friedhofes ist so steinig, dass die Toten nicht beerdigt werden können; die Gemeinschaften haben keinen Platz zum wachsen, und viele Familien sind auseinandergerissen, weil nicht alle Familienmitglieder umgesiedelt wurden; die Qualität der Schulbildung wurde nicht verbessert.

Am 22. Februar 2016 schickte eine Gruppe von Organisationen und Personen aus Europa und den USA einen dringenden Brief an Cerrejón, in dem weitere Verhandlungen mit breiter Beteiligung in der Mesa und dringende Lösungen für die jahrelangen Probleme gefordert wurden. Am selben Tag erfolgte eine Antwort von Cerrejón. Cerrejón begründet die Absagen vom 12. und 17. Februar damit, dass gewisse Sektoren mit der Vertretung der Gemeinschaften in der Mesa nicht einverstanden seien. Cerrejón erklärte sich auch bereit, die Teilnahme an der Mesa auszudehnen und auf transparente und partizipative Weise Vorschläge und Ideen zu diskutieren, um so Lösungen zu finden. Wie immer versicherte Cerrejón, sie würden Hand in Hand mit den Gemeinschaften und betroffenen Familien zusammenarbeiten, um gut Lösungen zu finden. Wenn dem so wäre, stellt sich die Frage, warum es den seit Jahren kaum je zu befriedigenden Lösungen gekommen ist und seitens der Gemeinschaften immer wieder dieselben Klagen über die Art der Verhandlungsführung auftauchen.

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com