02.05.2012

Von Strassenaktionen bis zum UNO-Besuch – Eine erfolgreiche Gira neigt sich allmählich dem Ende zu

02.05.2012 | Von Annette Wallimann
Aktion vor jährlichen GV der Unternehmung Xstrata. Foto Christian Friedli
Angelica Ortiz: Kämpft für die Rechte ihres Volkes.
Im Bild: José Marún, Chef Xstrata Südperu; Alirio Uribe, Menschenrechtsanwalt beim CAJAR in Kolumbien und Ex-Nationalrat Jo Lang. Foto Christian Friedli
Unsere öffentliche Veranstaltung in Landquart.

Zwischen dem 25. April und dem 2. Mai fand der erste und grösste Teil der von der ask! organisierten Veranstaltungen und Treffen anlässlich des Besuchs unserer beiden Gäste aus Kolumbien statt. Der Menschenrechtsanwalt Alirio Uribe (CAJAR) gelangte während der Gira mit einem flammenden Appell an die internationale Gemeinschaft sowie die Schweizer Regierung. Diese sollen vom kolumbianischen Staat Rechenschaft über die anhaltenden Bedrohungen und Gewaltakte gegen MenschenrechtsverteidigerInnen verlangen und sich nicht vom positiven Bild blenden zu lassen, welches die Regierung Santos präsentiert. Uribe macht klar, dass sich die Gefahr für die Defensores und Defensoras unaufhaltsam zuspitzt, wenn die Regierungen anderer Länder nicht sofort damit beginnen, mehr Druck auf den kolumbianischen Staat ausüben. Angelica Ortiz, Generalsekretärin der Basisorganisation Fuerza Mujeres Wayúu, fordert von der kolumbianischen Regierung, den Schweizer Unternehmen sowie allen Beteiligten die Respektierung der Consulta Previa und der internen Entscheidungsprozesse der Gemeinschaften der Region La Guajira, welche die Bergbauaktivitäten der Unternehmung El Cerrejón scharf kritisieren, selbstbestimmte Umsiedlungsprozesse fordern und sich entschieden gegen die vorgesehene Flussumleitung des Río Ranchería stellen.

Das Treffen mit zahlreichen UNO-Delegierten stiess auf ein erfreulich grosses Interesse. Unter den 10 teilnehmenden Berichterstattern befanden sich unter anderem die Zuständigen für „Menschenrechtsverteidiger“, „Unternehmen und Menschenrechte“, „aussergerichtliche Hinrichtungen“, „Gewalt gegen Frauen“ sowie die Zuständige für „Minderheiten und indigene Völker“. Die Anwesenden fragten interessiert nach, was die internationale Gemeinschaft bezüglich der Wahrung der Menschenrechte und insbesondere des Schutzes der Menschenrechtsverteidiger in Kolumbien unternehmen kann. Die offizielle Versammlung endete in einem informellen und sehr angeregten Austausch in der Cafeteria des Palais Wilson.
Die Zusammenkunft mit dem Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) drehte sich hauptsächlich um die Frage des Schutzes der Menschenrechtsverteidiger und die Interventionsmöglichkeiten der Schweizer Regierung gegenüber der Kolumbianischen. Die für Lateinamerika zuständige Vertreterin der der DEZA interessierte sich insbesondere für die Restitution von Land und wie die Schweiz diesen wichtigen aber heiklen Prozess unterstützen kann. Alirio Uribe beschrieb die Problematik der Landvergabe, welche jeglicher  Sicherheitsgarantien für die Begünstigten entbehrt. So sind die vergebenen Ländereien beispielsweise oft durch andere Akteure besetzt oder nicht fruchtbar. Ausserdem wird nur das verlorene Land kompensiert nicht jedoch häusliche Einrichtungen oder landwirtschaftliche Infrastrukturen. Das EDA könnte sich währenddessen für das Monitoring und Überwachung dieser Restitutionsprozesse stark machen und mit entsprechenden Projekten aktiv unterstützen.

Ein Interessanter Austausch, aus dem hoffentlich eine punktuelle zukünftige Zusammenarbeit zwischen Kolumbien und der Schweiz entstehen wird, führten wir in Zürich mit zwei Anwälten der Demokratischen Juristen Schweiz (DJS), welche an der jüngsten Anzeige gegen Nestlé Schweiz mitarbeiteten und Alirio Uribe gegenüber ihre Bereitschaft signalisierten, bei ähnlichen Fällen mit juristischer Unterstützung zur Seite zu stehen.

Ebenso interessiert war das Publikum an unseren öffentlichen Veranstaltungen mit dem Titel „Schweizer Bergbau in Kolumbien – Klare Profite… diffuse Verantwortung.“ in St. Gallen, Bern, Genf und Landquart. Mit den Besuchen an der Hochschule St.Gallen und im katholischen Pfarreizentrum Landquart war die ask! in zwei neuen Regionen präsent und das Erscheinen von 30-60 Zuhörerinnen und Zuhörern, je nach Ort, erfreute und motiviert uns. Zusammen mit den beiden Gästen aus Kolumbien thematisierten wir die Auswirkungen des Bergbaus von den Schweizer Unternehmen Xstrata und Glencore auf die indigene, afrokolumbianische und kleinbäuerliche Bevölkerung in Kolumbien, die prekäre Situation der Menschenrechtsverteidiger vor Ort und verlinkten die Thematik mit der Arbeit der ask! sowie mit der nationalen Kampagne „Recht ohne Grenzen“, welche bei den Anwesenden auf breite Zustimmung stiess. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich für die tolle Zusammenarbeit mit unseren bisherigen sowie neuen Partnerorganisationen, darunter der Verein „Zukunft statt Kohle“, der WWF, verschiedene Amnesty International Hochschul- und Regionalgruppen, PeaceWatch und PBI sowie das Réseau International des Droits Humains RIDH.

Sogar die Festgemeinschaft an der 1. Mai-Feier in Zug verstummte für einige Minuten und hörte aufmerksam zu, als Angelica Ortiz, angekündigt durch den Ex-Nationalrat Jo Lang das Rednerpult betrat und zu den Anwesenden sprach. Im Zentrum ihrer Rede stand die Ilo-Konvention 169 zum Schutz der indigenen Völker und die Situation der Frauen der Guajira, welche als Frauen, Indigene und als Arbeiterinnen unter dreifacher Diskriminierung zu leiden haben.

Unsere in Zusammenarbeit mit Multiwatch und der Gesellschaft für bedrohte Völker organisierte Aktion vor der Generalversammlung des Zuger Konzerns Xstrata war ein voller Erfolg. Unter dem Motto „Wir schauen hin…“ marschierten rund 40 Aktivistinnen und Aktivisten – unter ihnen Mitglieder der EvB-Regionalgruppe Zug, Amnesty International, Solidaritätsgruppe Schweiz-Peru, sowie der Ex-Nationalrat Jo Lang – als Augäpfel verkleidet vom Bahnhof Zug bis vor das Gebäude des Theater Casinos, wo die jährliche Aktionärsversammlung stattfand. Ebenfalls an der Aktion anwesend waren die beiden Vertreter aus Kolumbien sowie eine ebenfalls vor einigen Tagen angereiste Delegation von Betroffenen der Mine Xstrata-Tintaya in Peru. Nicht nur vor der Generalversammlung machte die ask! die Aktionäre auf die diversen Regelverstösse Xstratas im Ausland aufmerksam, auch an der GV selber meldeten wir uns zu Wort, mit einem Appell an Xstrata, im Rahmen der Umsiedlungen im Umfeld der Mine El Cerrejón sowie im Zusammenhang mit der Umleitung des Río Ranchería, die lokalen Gemeinschaften ordnungsgemäss zu konsultieren und deren internen Entscheidungen zu respektieren.

Weitere Fotos zur Gira und der Aktion vor der Xstrata-Generalversammlung können auf der Facebookseite der ask!  angeschaut werden.

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