06/07/16

Weitere Probleme und Konflikte mit Cerrejón

07.06.2016

In den vergangenen Wochen erreichten uns erneut verschiedene Meldungen aus den Gemeinschaften in der Guajira, die unsere Besorgnis weckten. Die Verhandlungen der umgesiedelten Gemeinschaften mit der Mine El Cerrejón kamen erneut ins Stocken. Cerrejón lehnt eine finanzielle Unterstützung der Familien, deren einkommensgenerierende Projekte nicht funktionieren, ab, da der internationale Kohlepreis sehr tief sei. Gleichzeitig erreichten uns Nachrichten, wie Cerrejón auf verschiedene Art und Weise Gemeinschaften und einzelne Familien unter Druck setzt, um Abkommen durchzusetzen oder zu erzwingen. Vielfach handelt es sich um indigene oder afrokolumbianische Gemeinschaften, die hätten konsultiert werden sollen. Die Art wie Cerrejón die Beziehungen zu den Gemeinschaften gestaltet fördert auch Streitigkeiten und Spaltungen innerhalb der Gemeinschaften. Zudem verstärkt sich der Widerstand der Gemeinschaften und allgemein der Zivilgesellschaft der Guajira gegen die Umleitung des Baches Arroyo Bruno, weil Cerrejón verschiedene für die Umleitung notwendige Bewilligungen erhalten. Aus diesem Grund haben verschiedene NGOs den folgenden Brief an Cerrejón und die Shareholder Anglo American, BHP Billiton und Glencore verfasst.     

Umleitung des Arroyo Bruno

Cerrejón hat die verschiedenen Bewilligungen erhalten, die notwendig sind, um den Arroyo Bruno umzuleiten. Beim Arroyo Bruno handelt es sich um einen der wichtigsten Zuflüsse des Ranchería-Flusses. Zwei Aspekte der Pläne des Unternehmens Cerrejón sind besonders umstritten: einerseits die Umweltimpactstudie des Unternehmens, welche zum Ergebnis kommt, dass die Umleitung des Arroyo Bruno nur geringe Impacts auf die Verfügbarkeit von Wasser und die auf die lokale Ökologie habe; und andererseits die Frage, ob Cerrejón tatsächlich nur mit einer Gemeinschaft nahe des Arroyo eine Konsultation durchführen müsse. Tatsächlich leben in der direkten Einflusszone des Arroyo mindestens fünf indigene Wayuu-Gemeinschaften, und Cerrejón muss einen Prozess der freien, vorgängigen und informierten Zustimmung mit all diesen Gemeinschaften durchführen. Aber nicht nur diese Gemeinschaften hängen für ihren Wasserbedarf vom Arroyo Bruno ab, sondern auch nahe gelegene urbane Zentren. Es ist klar, dass es ernsthafte Bedenken über die hydrologischen und ökologischen Folgen der Umleitung und eine massive Opposition von verschiedenen Bevölkerungssektoren in der Guajira gibt. Einige der Fliessgewässer, die in der Vergangenheit umgeleitet worden sind, trockneten aus, und es besteht die Befürchtung, dass den Arroyo Bruno dasselbe Schicksal ereilt. Deshalb wird im Brief gefordert, die Umleitung nicht zu erlauben.

Umsiedlung von Gemeinschaften und Zerstörung der Lebensgrundlagen

Die Umsiedlungen der letzten Jahre führten dazu, dass viele Familien, die weiterhin als Kleinbauern und Viehzüchter leben wollen, dies nicht tun konnten, weil die Qualität oder die Fläche des zugeteilten Landes an den Umsiedlungsorten ungenügend waren. Im Brief wird v.a. der Sorge Ausdruck verliehen, wie Tomás Ustate, ein Bewohner des alten Roche, behandelt wurde. Sein Vieh soll nun von Cerrejón eingesammelt und verkauft werden, mit der Begründung, dass Tomás es unterlassen habe, sein Vieh vom Konzessionsgebiet der Mine raus zu holen.

Die Art und Weise, wie das Unternehmen Tomás behandelt hat ist bezeichnend für den mangelnden Respekt gegenüber Gemeinschaftsmitgliedern, die weiterhin von der Landwirtschaft leben wollen. Tomás und weitere Familien von Roche haben seit längerer Zeit klar gemacht, dass sie weiterhin von der Landwirtschaft leben möchten und dass die Umsiedlungsabkommen die Cerrejón offerierte, ihren Bedürfnissen nicht genüge taten. Vor dem Hintergrund der Drohung mit Zwangsräumungen übt das Unternehmen Druck auf diese Familien aus, damit sie Abkommen unterzeichnen, die für sie eigentlich inakzeptabel waren. Es überrascht daher nicht, dass einige Familien es als unmöglich erachteten, diese Abkommen einzuhalten. Das Unternehmen hat sie daraufhin andauernd beschuldigt, gegen die Abkommen zu verstossen. Für die Briefunterzeichner ist klar, dass die Familie von Tomás Ustate und die anderen Familien, die weiterhin von Landwirtschaft und Viehzucht leben wollen, bessere Abkommen brauchen und diese auch verdienen, und nicht ständig weitere Klagen gegen sie angestrengt werden sollten.     

Las Casitas

Casitas ist die bisher letzte Gemeinschaft, die durch Cerrejón umgesiedelt wird. Cerrejón hat den Familien, die sich noch in Las Casitas aufhalten, eine Frist bis 30. Juni 2016 gesetzt, um die Umsiedlungsvereinbarungen zu unterzeichnen. Die Briefunterzeichner lehnen es ab, dass die afrokolumbianischen Bewohner der Gemeinschaft, die Anspruch auf freie, vorgängige und informierte Zustimmung haben, unter Druck gesetzt werden, um Vereinbarungen zu unterzeichnen, die ihren Bedürfnissen nicht entsprechen. Ebenso lehnen die Unterzeichner des Briefes Enteignungen oder die Drohung damit sowie andere Druckversuche ab. Von Cerrejón wird erwartet, dass er auf dem Verhandlungsweg Abkommen mit diesen Familien findet.

Ungenügende Finanzierung von alternativen Lebensgrundlagen

In den vergangenen Jahren konnte beobachtet werden, dass “produktive Projekte“ für die umgesiedelten Familien, mit denen die landwirtschaftliche Selbstversorgung ersetzt werden sollte, in vielen Fällen scheiterten und die Familien ohne Einkommen und ohne Lebensgrundlage dastehen liessen. Aus diesem Grund haben Vertreter der Gemeinschaften von Roche, Patilla und Chancleta Cerrejón den Vorschlag unterbreitet, dass Cerrejón die Familien finanziell unterstützt, während gleichzeitig weitere Anstrengungen unternommen werden sollten, um gangbare einkommensgenerierende Projekte umzusetzen. Cerrejón hat diesen Vorschlag anscheinend abgelehnt, da die internationalen Kohlenpreise zu tief seien. Wir finden es unhaltbar, dass Cerrejon einerseits die landwirtschaftliche Lebensgrundlage der Leute durch unfreiwillige Umsiedlungen zerstört, andererseits aber nicht genug Land für diejenigen zur Verfügung stellt, die weiterhin Landwirtschaft betreiben wollen, und keine genügende Finanzierung und Beratung zur Verfügung stellt für die Familien die versuchen, neue Lebensgrundlagen aufzubauen, und wenn diese Versuche scheitern, ebenfalls keine Unterstützung zukommen lässt. Diese Hilfsverweigerung mit tiefen Kohlepreisen zu begründen, ist ein Schlag in das Gesicht der betroffenen Menschen. Das Unternehmen muss genügend Land für Landwirtschaft sowie Beratung und Finanzierung für alternative Einkommensmöglichkeiten bereitstellen, und die Leute auch nach gescheiterten Versuchen weiterhin unterstützen.

Förderung von Spaltungen in den Gemeinschaften

Immer wieder erhalten wir Berichte – so auch kürzlich – dass Cerrejón mehr mit Personen in den Gemeinschaften zusammen arbeitet, die dem Unternehmen eher wohlgesinnt sind, und es zu verhindern versucht, mit Personen zusammen zu arbeiten, deren Wünsche dem Willen des Unternehmens entgegenstehen. Dies führt zu Spaltungen innerhalb der Gemeinschaften und zu Streit in und zwischen den Familien, welcher z.T. Jahre andauert. Diese Politik des „Teilen und Herrschens“ ist unmoralisch und muss gestoppt werden. Die Verhandlungen in der „Mesa de Lideres“ und die Arbeit in den Gemeinschaften müssen auch diejenigen Personen einschliessen, deren Forderungen für das Unternehmen weniger einfach zu erfüllen sind. Verhaltensweisen, die Spaltungen in den Gemeinschaften hervorrufen oder verschärfen, müssen vermieden werden.

Cerrejon anerkennt gesetzliche Rechte der Gemeinschaften nicht

Wir haben Kenntnis über richterliche Entscheidungen von 2012, mit denen die Gemeinschaften von Chancleta, Patilla und Roche als afrokolumbianische Gemeinschaften anerkannt wurden. Das bedeutet, dass diese Gemeinschaften einen gesetzlichen Anspruch auf vorgängige Konsultation betreffend grösserer wirtschaftlicher Projekte, die ihr Land und ihre Lebensgrundlage benachteiligen, haben. Dieses Grundrecht wurde ihnen aber nie wirklich zugestanden, und Cerrejón ignoriert weiterhin die rechtlichen Folgen ihrer Anerkennung als afrokolumbianische Gemeinschaften. Diese Rechte müssen respektiert und hoch gehalten werden. Das heisst, dass diese Gemeinschaften über die Pläne des Unternehmens konsultiert werden müssen, da sie davon betroffen sind, statt dass sie als ein Störfaktor wahrgenommen werden, der mit den geringstmöglichen Kosten für das Unternehmen aus dem Weg geräumt werden muss.

Nicht wieder gut zu machende Schäden des Bergbaus

Die langfristigen Umweltschäden die durch die Cerrejónmine verursacht werden, das Zerstören der sozialen Netze der umliegenden Gemeinschaften und die Zerstörung der Lebensgrundlage sind praktisch nicht wieder gut zu machen. Kein Geld kann diese Schäden wirklich entschädigen. In einem kürzlichen Urteil im Falle des zweijährigen Wayuu-Kindes Moises Daniel Guette hielt das Gericht fest, dass es um seine Gesundheit wieder zu erlangen vom indigenen Reservat Provincial wegziehen müsste, wegen der grossen Verschmutzung durch die Mine. Es ist ungeheuerlich, dass ein indigenes Kind sein angestammtes Territorium verlassen müsste, um seine Gesundheit zu bewahren, wegen den Aktivitäten der Cerrejón Kohlenmine, wenn man die Wichtigkeit der Verbindung für Indigene zu ihrem eigenen Territorium bedenkt. Es ist erstaunlich, dass es nach 30 Jahren Bergbau keine offiziellen Studien über die Gesundheitsfolgen der Mine gibt. Die Ausdehnung der Mine muss beendet werden, um weitere nicht wieder gut zu machende Schäden zu verhindern.

Originalbrief als pdf (Englisch)

Weitere Infos (Spanisch)

Aktuell

08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com