02/06/13

Ungewisse Zukunft verschiedener Kohleprojekte

06.02.2013 | von Stephan Suhner

Ende Jahr gab Cerrejón bekannt, das äusserst umstrittene Expansionsprojekt P500 mitsamt Flussumleitung wegen der tiefen Kohlepreise aufzuschieben. Nun steigt auch die brasilianische CCX aus einem Projekt in der Guajira aus, u.a. auch wegen den Kohlepreisen und dem Widerstand. Andere Expansionsprojekte müssen strengere Umweltauflagen oder höhere Förderlizenzen gewärtigen. Es ist zu hoffen, dass der kolumbianische Staat die angekündigten Verbesserungen bei den Vertragsverlängerungen tatsächlich durchzieht und sich nicht von den Klagen der Multis über sinkende Preise umstimmen lässt.        

Gemäss verschiedenen Presseberichten kündete der brasilianische Grossunternehmer Eike Batista am 22. Januar 2013 an, das Kohleprojekt in der Guajira aufzugeben. Dessen Unternehmen CCX plante eine Tagebaumine, eine Eisenbahnlinie und einen Kohleexporthafen. Als Gründe für den Ausstieg aus dem Kohleprojekt werden die Schwierigkeit, die Umweltlizenzen zu erhalten und Einigungen mit den indigenen Gemeinschaften zu finden, sowie die sinkenden Kohlepreise angeführt. Das nun angeblich aufgegeben Projekt im Süden der Guajira hätte die Minen San Juan, Cañaverales und Papyal umfasst, ebenso eine 150 km lange Eisenbahnlinie und das Verladeterminal in Dibulla. Die drei Minen, zwei davon im Tagebau, hätten im Endausbau 35 Mio. Tonnen Kohle produziert, mehr als aktuell Cerrejón.[1] Gleichzeitig wurde aber auch bekannt, dass Batista ein Aktienrückkaufprogramm startete. Um die Verwirrung zu vervollständigen berichtete die unternehmensnahe Plattform Inside Coal am 31. Januar, dass es äusserst unwahrscheinlich sei, dass Batista das Projekt aufgebe, dass er viel mehr nach neuem Kapital suche. Er habe bisher 500 Millionen USD investiert, viel grössere Investitionen seien aber noch nötig. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Batista letztes Jahr ankündigte, für 30% von CCX einen strategischen Partner zu suchen.[2]

Das Projekt des Unternehmens CCX stösst jedoch bei breiten Bevölkerungskreisen auf Widerstand. Verschiedene indigene Reservatsgebiete, die heute schon unter der Mine Cerrejón leiden, wären z.B. durch die Zugslinie betroffen gewesen. Zudem wäre ein grosses Quell- und Feuchtgebiet, Cañaverales, bedroht gewesen. Es handelt sich um das zweite grosse Kohleprojekt, das nach dem Projekt P500 von Cerrejón, das u.a. die Umleitung des Ranchería-Flusses auf 27 km Länge zur Folge gehabt hätte, nun zumindest für den Moment in der Schublade verschwindet. Das zeigt einerseits den Erfolg des Widerstandes, aber auch die schlechte Planung und die überstürzte Vorgehensweise bei der Konsultation der lokalen Bevölkerung und bei der Beantragung der Umweltlizenzen.

Im ersten Semester 2013 stehen aber noch weitere wichtige Entscheidungen im Kohlesektor an. Drummond und Cerrejón haben beim Bergbauministerium und bei der Nationalen Bergbauagentur ANM die Ausdehnung ihrer Operationen beantragt. Gleiches tat auch die Glencore-Tochter Prodeco; ihr Fall ist aber komplizierter, weil der kolumbianische Staat eine Klage gegen das Unternehmen wegen Nichterfüllens eines Vertrages eingereicht hat. Beobachter gehen davon aus, dass diese Klage bis Ende 2013 behandelt sein sollte.[3] 

Drummond möchte den Vertrag 068 verlängern, der 2019 ausläuft, um so die Lebensdauer der Mine La Loma zu verlängern. U.a. muss Drummond dazu verschiedene neue Bedingungen akzeptieren, so den neuen juristischen Rahmen, strengere Umweltvorschriften und Kontrollen. Ebenso will der kolumbianische Staat mehr Einnahmen aus dem Bergbau erzielen, weshalb die Royalties erhöht werden sollen. In den Einflusszonen der Mine muss Drummond auch grössere soziale Kompensationsmassnahmen und Investitionen leisten. 

Die Situation von Cerrejón ist leicht anders, da das Unternehmen Methangas ausbeuten will, das zwischen den Kohleflözen vorhanden ist. Es muss deshalb mit der Nationalen Erdölagentur und der Nationalen Behörden für Umweltlizenzen verhandeln. Cerrejón könnte das Gas selber brauchen oder vermarkten.


[1] Batista saldría de proyecto de carbón en La Guajira, 22. Januar 2013, http://rio-rancheria.blogspot.ch/2013/01/batista-saldria-de-proyecto-de-carbon.html

[2] Inside Coal, What’s the future for Batista’s CCX?, 31. Januar 2013, Issue #721, http://www.energypublishing.biz/Inside-Coal.html

[3] La República, Drummond y Cerrejón buscan expandir sus negocios. 21. Januar 2013. http://www.larepublica.com.co/economia/drummond-y-cerrej%C3%B3n-buscan-expandir-sus-negocios_29651

 

Aktuell

08.12.2016


Spenden an die ask!

Wir leisten unsere Arbeit für die kolumbianische Zivilgesellschaft mit viel Herzblut. Um unsere Kosten zu decken, sind wir auf Spenden angewiesen.

Wir freuen uns entsprechend über eine Spende auf:
PC-Konto 60-186321-2
(
IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2)

26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com