03/29/12

Kolumbianische Bergbaubetroffene suchen in der Schweiz nach Unterstützung für ihre Anliegen

29.03.2012 | Von Stephan Suhner und Annette Wallimann
Die durch Umsiedlungen betroffene Gemeinschaft Chancleta am Fuss der Kohlemine "El Cerrejón"
Diese Häuser Chancletas werden im Auftrag der Unternehmung "Cerrejón" abgerissen
Ein Einwohner Chancletas: Der 50-Jährige leidet durch das jahrelange Einatmen des Kohlestaubs an starken Atemwegserkrankungen
Vorher-Nachher: Der Grossteil der Gemeinschaft Roche wurde in einen urbanen Kontext umgesiedelt, in dem keine Landwirtschaft mehr betrieben werden kann
Der Weg von der Dorfgemeinschaft des "alten" Roche zu ihrem nahe gelegenen Fluss, führt heute über den Privatbesitz der Unternehmung "Cerrejón"
Ein Google Earth-Ausschnitt der Mine "El Cerrejón"

Im Rahmen ihrer Arbeit zu Bergbau und Menschenrechte empfängt die Arbeitsgruppe Schweiz - Kolumbien in der zweiten Aprilhälfte zwei Gäste aus Kolumbien: Die indigene Führungsfrau Angelica Ortiz vom Volk der Wayuu und den Menschenrechtsanwalt Alirio Uribe vom Anwaltskollektiv "José Alvear Restrepo", kurz CAJAR. Mit den beiden fachkundigen Gästen wird die ASK verschiedene öffentliche Veranstaltungen in Bern, Genf, in Graubünden und St. Gallen durchführen. Die genauen Angaben werden fortlaufend unter unserer Rubrik "Veranstaltungen" veröffentlicht.

Alirio Uribe arbeitet als Menschenrechtsanwalt beim kolumbianischen Anwaltskollektiv "José Alvear Restrepo", einer der bedeutendsten Regierungs-unabhängigen Menschenrechtsorganisationen Kolumbiens. Das CAJAR vertritt Opfer von Menschenrechtsverletzungen und prozessiert seit langer Zeit gegen mehrere hohe Staatsfunktionäre und hohe Militärs in verschiedenen Fällen schwerster Massaker die in Kolumbien geschehen sind. Das CAJAR ist auch bestrebt, den Ex-Präsidenten Alvaro Uribe für solche Fälle zur Rechenschaft zu ziehen, notfalls auch vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Alirio Uribe arbeitet ausserdem mit viel Energie an der Idee eines internationalen Gerichts, welches explizit Menschenrechtsverletzungen von multinationalen Grossunternehmen ahnden soll. Das CAJAR vertritt in Kolumbien bereits jetzt Opfer solcher unternehmerischer Tätigkeiten, besonders aus dem Bergbau- und Agroindustriesektor. So begleitet es beispielsweise verschiedene Gemeinschaften des Departements Guajira, welche im Umfeld der Kohlenmine El Cerrejón leben und sich gegen Menschenrechtsverletzungen zur Wehr setzen. Alirio Uribe ist somit ein Experte in Bezug auf die allgemeine politische und menschenrechtliche Lage in Kolumbien sowie in der Thematik der Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Wirtschaften multinationaler Unternehmen und verfügt über ein grosses Fachwissen zum Fall der Kohlenmine El Cerrejón.

Angelica Ortiz ist eine Führungsperson des stark vom Bergbau und der Kohlemine El Cerrejón betroffenen indigenen Volkes der Wayuu. Sie ist in der indigenen Frauen- und Basisorganisation "Fuerza de Mujeres Wayuu", kurz FMW aktiv, wo sie als Generalsekretärin amtet. In der FMW koordiniert Angelica Ortiz eine Kampagne für Wasser, Leben und Territorium. Mit dieser Kampagne ist es gelungen, verschiedene Bevölkerungsgruppen Kolumbiens, darunter die afrokolumbianischen Gemeinschaften, die Bauern, aber auch die urbane Bevölkerung für die negativen Folgen des Bergbaus zu sensibilisieren. So war FMW auch während den letzten Monaten an mehreren grossen Mobilisierungen an vorderster Front aktiv. Angelica Ortiz arbeitet ausserdem in einer relativ neuen Organisation namens "FeMINAS NOmadas" mit, einer Frauenorganisation die ebenfalls gegen die negativen Folgen des Bergbaus ankämpft.

Kurze Facts zu Cerrejón

Bei der Mine El Cerrejón handelt es sich um den grössten Kohletagebau auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Die Mine liegt im äussersten Nordosten Kolumbiens, auf der Halbinsel La Guajira. Das für den Kohleabbau konzessionierte Gebiet beträgt 69'000 Hektaren. Auf einer Fläche von13'000 Hektaren wird aktuell Kohle gefördert. Zur Mineninfrastruktur gehören ausserdem eine 150 Kilometer lange Eisenbahnlinie sowie der Hafen "Puerto Bolívar", in dem die Kohle verschifft wird. Rund10'000 Personen arbeiten für die Minenunternehmung "Cerrejón". Diese nahm als Gemeinschaftsprojekt zwischen der staatlichen Unternehmung "Carbocol" und der Firma "Intercor" (eine Tochterfirma von Exxon Mobile) im Jahr 1983 den Betrieb auf. Die Unternehmung "Cerrejón" gehört heute zu gleichen Teilen den Bergbaukonzernen Anglo American, BHP Billiton und der in der Schweiz ansässigen Xstrata. Der Betrieb "Cerrejón" ist mit einer jährlichen Produktion von 32 Millionen Tonnen der grösste Kohleproduzent und -Exporteur Kolumbiens.

Währenddessen wird über die Hälfte dieser Produktion nach Europa ausgeführt. Im Jahr 2011 war Kolumbien der grösste Steinkohlelieferant Deutschlands und es ist bekannt, dass nahezu alle deutschen Stromproduzenten Kohle von "Cerrejón" beziehen. Im Falle eines Baus von Kraftwerken mit Schweizer Beteiligung in Deutschland (u.a. Repower und die Berner Kraftwerke BKW), würden auch diese von "Cerrejón" beliefert.

Wasser- und Landknappheit

Die Region Guajira ist eine trockene Halbwüste. Allein der Süden des Departements weist eine gewisse Fruchtbarkeit und Waldvorkommen auf. Im Gebirge der Sierra Nevada de Santa Marta entspringt der grösste Fluss des Departements, der Río Ranchería. Dieser hat für das indigene Volk der Wayuu eine spirituelle Bedeutung. Ansonsten bildet das Wasser in der Guajira ein äusserst knappes Gut und viele Siedlungen verfügen über keine Trinkwasserversorgung. Seitens der Bevölkerung gibt es Klagen, dass der Bergbau und der Kohletransport Wasserquellen zerstört oder verschmutzt habe, so zum Beispiel in der Siedlung Media Luna in unmittelbarer Nähe des Hafens "Puerto Bolívar". Verschiedene Bäche wurden umgeleitet, einige davon sind durch die Bergbauaktivitäten ausgetrocknet. Verschiedene Hinweise deuten darauf hin, dass sich das Mikroklima im Umfeld des Tagebaus verändert. Die Gemeinschaft des autonomen Reservats Provincial berichtet, es sei heisser und trockener geworden, während der Niederschlag zurückging. So leidet die Gemeinschaft heute unter Trockenheit und Wasserknappheit. Ausserdem wird im Zusammenhang mit dem Tagebau ein Absinken des Grundwassers sowie ein Austreten von saurem Grubenwasser befürchtet. "Cerrejón" hat deshalb eine eigene Stiftung ins Leben gerufen, welche sich um die Wasserversorgung in der Guajira kümmerte. Der Erfolg dieser Stiftung ist bisher jedoch bescheiden und die damit verbundenen Absichten der Unternehmung werden von verschiedenen Seiten als "Greenwashing"-Massnahme kritisiert.

Zurzeit plant die Unternehmung "Cerrejón" eine grosse Expansion des Tagebaus, um ihre jährliche Produktion von 32 auf 40 Millionen Tonnen zu erhöhen. Dazu soll der Lauf des Río Ranchería auf einem Abschnitt von 25 Kilometern umgeleitet werden. Dazu wurden umfangreiche Umweltverträglichkeitsstudien gemacht und verschiedene Möglichkeiten der Umleitung evaluiert. Die Unternehmung steht zu den möglichen Auswirkungen auf die umliegende Fauna und Flora sowie auf den Wasserhaushalt der Region. Sie verspricht deshalb grosszügige Ausgleichsmassnahmen zur Sicherstellung eines ausgeglichenen Wasserhaushaltes und eines intakten Ökosystems. So ist der Bau eines Staudammes an einem Nebenfluss geplant, welcher in der Trockenzeit die Abflussmenge des Ranchería erhöhen soll. Eine externe Überprüfung dieser Mitigationsmassnahme gibt es noch nicht, und die Bewilligung seitens der Behörden ist noch ausstehend. Bereits regt sich aber enormer Widerstand gegen das Expansionsprojekt und insbesondere gegen die Flussumleitung. Die Bevölkerung hegt grosses Misstrauen gegenüber den Vorschlägen der Bergbaufirma zur Sicherstellung der Wasserversorgung in Guajira.

Die Mine hat bisher auch schon enorm viel Land verbraucht. Obwohl nur auf einem kleinen Teil des Konzessionsgebietes effektiv Kohle gefördert wird, befindet sich die ganze Konzession im Privatbesitz des Minenunternehmens. Bauernhöfe wurden durch "Cerrejón" aufgekauft und der lokalen Bevölkerung der Zugang zu Land für die landwirtschaftliche Nutzung, zum Jagen oder Brennholz gewinnen untersagt. Verschiedene indigene Reservate sowie viele Kleinbauern klagen über Landknappheit mangelndes Ackerland. "Cerrejón" präsentiert währenddessen ihr Renaturalisierungsprogramm, in dessen Rahmen die Landoberfläche nach Ablauf der Kohleförderungsphase wieder mit dem zuvor sorgfältig abgetragenen Humus begrünt werden. Laut der Unternehmung werden diese wieder hergestellten Flächen danach ökologisch wertvoller sein, als die überweideten Flächen, die das Unternehmen ursprünglich aufkaufte. So soll das Land denn auch nach der extraktiven Ausbeutung unter Schutz gestellt und zu einem Quellgebiet werden. Bleibt nur die Frage, wo die einheimische Bevölkerung dann leben soll, ausser man zwingt sie zu Aufgabe ihrer ländlichen Lebensweise...

Konsultation der Indigenen nach ILO 169

Kolumbien hat die ILO Konvention 169 im Jahr 1991 ratifiziert und in die nationale Gesetzgebung übernommen. Seither hat "Cerrejón" im Zusammenhang mit der Kohlegewinnung zahlreiche Vergrösserungen und Änderungen durchgeführt, ohne die indigenen Gemeinschaften zu konsultieren. Im Hinblick auf das aktuelle Expansionsprojekt und die Flussumleitung hat "Cerrejón" nun erstmals eine Strategie für die Kontaktaufnahme und die Beratung mit den betroffenen Bevölkerungsgruppen erarbeitet. Je nach Bevölkerungsgruppe (als "indigen" anerkannt oder nicht), Entfernung und Betroffenheitslage werden die einzelnen Gruppen jedoch unterschiedlich konsultiert und informiert. Diese Vorgehensweise stösst bei zahlreichen lokalen Gemeinschaften auf Ablehnung. Diese Ablehnung entspringt auch dem Umstand, dass zu Ende des Jahres 2011 drei verschiedene Bergbauunternehmungen gleichzeitig ihre Konsultationen in der Guajira durchführten. Neben "Cerrejón" auch die brasilianische Bergbaufirma "MPX" (plant eine grosse Kohletagebaumine mit dazugehöriger Eisenbahnstrecke und Verladehafen) sowie die Unternehmung "Pacific Rubiales" (untersucht die mögliche Förderung von Gas- und Ölvorkommen). Dass die Unternehmen ihre Konsultationen untereinander nicht koordinierten und gleichzeitig nicht transparent als einzelne Unternehmen auftraten, führte in den Gemeinschaften zu grosser Verwirrung. Weil ausserdem der kolumbianische Staat seine Verpflichtungen in den Konsultationsprozessen nicht wahrnahm, sondern deren Ausführung den einzelnen Unternehmen überliess, suspendierten im November 2011 mehrere Gemeinschaften die Konsultationsprozesse. Einige unter ihnen erklärten den Prozess gar für beendet, da sie das Projekt grundsätzlich ablehnen und sich eine Konsultation aus ihrer Sicht erübrigt.

Am 20. März 2012 wurde die Gemeinschaft des Reservats Provincial nun vom Innenministerium zu einem Treffen einberufen, welches in Provincial selber stattfinden, und den Beginn des Konsultationsprozesses bilden sollte. Die indigene Gemeinschaft lehnte diese Einladung ab, mit der Begründung, es handle sich um eine Respektlosigkeit, dass man sie ohne ihr vorgängiges Einverständnis zu einem Treffen in ihrem eigenen Territorium zitiere. Sie beschlossen stattdessen, einen internen Reflexionsprozess und eine autonome Konsultation gemäss ihren Bräuchen und Traditionen durchzuführen, die mehrere Monate in Anspruch nehmen werden. Sie würden den Behörden ihre Entscheidung zum Ende dieses Prozesses bekannt geben. Ausserdem informierte die Gemeinschaft in einem Brief an die Regierung, die Teilnahme an einem staatlichen Konsultationsprozess käme für sie nicht in Frage, da ein solcher "nur den Regeln der Geldgier derjenigen gehorche, die an der Durchführung des Expansionsprojektes interessiert seien". Ihr autonomer Prozess respektiere hingegen die spirituelle Wichtigkeit des Territoriums und nehme auf das kulturelle Überleben der Wayuu Rücksicht. Ihr Zeitverständnis und -bedarf würden sich nämlich grundsätzlich von demjenigen der Arijunas, der weissen, nicht-indigenen Bevölkerung, unterscheiden.

Die Selbstorganisationsprozesse der Bevölkerung der Guajira haben sich im Verlaufe des Jahres 2011 gestärkt. Es kam zur Bildung neuer Allianzen zwischen den von den zahlreichen Megaprojekten betroffenen Indigenen, Afrokolumbianern und Kleinbauern, wie der Vereinigung der durch den Bergbau vertriebenen Gemeinschaften FECODEMIGUA (Federación de Comunidades Afectadas y Desplazadas por la Explotación Minera en La Guajira) oder dem Zivilgesellschaftlichen Komitee der Guajira gegen den transnationalen Bergbau (Comité Civico de la Guajira frente a la Gran Mineria Transnacional). So fanden im vergangenen November wichtige interne Weiterbildungsprozesse und Erfahrungsaustausche über das Recht auf vorgängige Konsultation sowie Mobilisierungen gegen die uneingeschränkte Expansion der Bergbauprojekte statt. Für den kommenden Sommer sind weitere Aktionen geplant, unter anderem Solidaritätskampagnen und ein Ritual zum Schutz des Río Ranchería.

Umsiedlungen

Aufgrund der Ausdehnungen der Mine El Cerrejón und wegen Beeinträchtigungen des Lebensraumes der lokalen Bevölkerung und der Umwelt ist die Unternehmung "Cerrejón" wie gesagt gezwungen, mehrere Gemeinschaften und kleine Dörfer umzusiedeln. In früheren, ähnlichen Fällen waren die jeweiligen Bewohner von "Cerrejón" unter Druck gesetzt, ihr Haus und ihre Besitztümer billig zu verkaufen. In der Praxis wurden sie von ihrem angestammten Land vertrieben und schlecht dafür entschädigt. So wurde die Gemeinschaft Tabaco, nachdem mit einem Teil der Bewohner keine Einigung erzielt werden konnte, in einem durch Missbrauch gekennzeichneten Prozess enteignet und ihre Häuser vor den Augen der entsetzen Bewohner mit Bulldozern eingeebnet. Mit weiteren Dörfern, darunter Roche befindet sich "Cerrejón" seit 1998 in Verhandlung. Unterdessen ist die Mehrheit der Bewohner mangels Perspektiven weggezogen, ohne ihr Haus verkauft zu haben. Andere Mitglieder der Dorfgemeinschaft wurden unter Druck gesetzt, bis sie ihr Grundstück sowie ihr Haus zu Spottpreisen an "Cerrejon" verkauften. Im Jahr 2007 empfahl eine unabhängige Expertenkommission, im Falle der direkt sowie indirekt betroffenen Gemeinschaften kollektive Umsiedlungen durchzuführen. Von einer solchen kollektiven Umsiedlung sind die Gemeinschaften Chancleta, Roche und neuerdings Casitas betroffen. Indirekt betroffen ist die Gemeinschaft Tamaquitos, eine indigenen Siedlung, die durch die Mine von den anderen Dörfern abgeschnitten wird, selber aber nicht der Mine weichen muss. "Cerrejón" hat daraufhin die Prozesse mit Patilla, Chancleta und Roche sowie mit dem indigenen Tamaquitos neu aufgegleist. Die Prozesse blieben jedoch bis heute mangelhaft, die Informationen für die Bewohner waren ungenügend, es wurde zu wenig auf Konsens geachtet und viele Entscheidungen wurden den Betroffenen durch das Unternehmen aufgezwungen. Gleichzeitig wurden gewählte Führungspersonen der Gemeinschaften diffamiert oder umgangen sowie Gemeinschaften und Dorfräte absichtlich gespalten und alternative, der Firma wohlgesinnte "Führungspersonen" aktiv unterstützt. So hat "Cerrejón" das "Neue Roche" gebaut, ohne dass die Unternehmung mit der Gemeinschaft ein umfassendes Abkommen über die Art der Siedlung und der Häuser (Grundriss, Verteilung etc.) erreicht hätte. Gebaut wurde eine sterile Vorstadtsiedlung mit zwei Häuserreihen dicht aneinander. Für Landwirtschaft und Viehzucht bleibt viel zu wenig Land, nämlich gerade mal 1 Hektare pro Familie. 16 von insgesamt 25 Familien akzeptierten den Umzug in die neue Siedlung, weil sie mit ökonomischen Versprechungen unter Ausnutzung ihrer Armut geködert wurden. Mit 9 Familien konnte Cerrejón bis heute keine Einigung erzielen. Dies insbesondere in Bezug auf die Frage nach möglichen Ländereien für die Viehzucht sowie die Frage nach der Entschädigung für materielle Verluste und erlittenes Unrecht. "Cerrejón" setzt die Familien unter ungeheuren Druck und verschiedene Sprecher der Gemeinschaft fühlen sich bedroht. Am 21. März 2012 hat die Unternehmung schliesslich die ersten Schritte hin zu einem Enteignungsprozess unternommen. Die Bewohner befürchten nun, einer Wiederholung des Schicksals der Gemeinschaft Tabaco, also einer gewaltsamen Enteignung und Zerstörung ihrer Häuser ausgesetzt zu werden. Gleichzeitig sind inzwischen zwei umgesiedelte Familien aus dem "Neuen Roche" an ihren alten Lebensort zurückgekehrt, da sie sich an ihre neuen Lebensumstände, in einer urbanen Reihenhaussiedlung, nicht gewöhnen konnten.

Für die Gemeinschaft Chancleta und den neueren Umsiedlungsprozess in Casitas stellt der Fall von Roche ein abschreckendes Negativbeispiel dar. Deshalb fordert ein Teil der Gemeinschaft Chancleta sowie ganz Casitas eine ländliche Umsiedlung mit genügend Land, um ihre Wirtschaftsform und Kultur erhalten zu können, und lehnen eine Umsiedlung à la Roche klar ab.

Forderungen der betroffenen indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinschaften

·         Respekt für ihre Kultur, ihre Traditionen und Beschlussfassungsmechanismen und keine aufgezwungenen, oberflächlichen Konsultationsprozesse

·         Keine Minenexpansion und keine Umleitung des Ranchería-Flusses ohne vorgängige, freie und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften

·         Keine Zwangsenteignungen von umzusiedelnden Gemeinschaften und Familien, transparente und partizipative kollektive Umsiedlungsprozesse in einem ländlichen Kontext

·         Die Erarbeitung unabhängiger Studien über die Umweltverschmutzung und Gesundheitsfolgen des Bergbaus

·         Mehr Kontrollausübung der Schweizer Regierung im Bereich Menschenrechte und Umwelt gegenüber Konzernen mit Sitz in der Schweiz

·         Die Übernahme einer umfassenden Sorgfaltspflicht durch die Schweizer Mutterkonzerne gegenüber den Tätigkeiten ihrer Tochterfirmen und Untervertragsunternehmen im Ausland

 

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08.12.2016


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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

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www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com