25.02.2016

Gewaltsame Enteignung in Roche

25.02.2016

Am Mittwoch, 24. Februar 2016, wurde die Familie Ustate Fuentes aus der Gemeinschaft Roche enteignet und ihr Haus zerstört. Im Kontext dieser Enteignung hat die Demo-Polizei ESMAD die afrokolumbianische Gemeinschaft provoziert und Gewalt gegen sie ausgeübt. Die Familie von Tomás Ustate hat sich gegen die Umsiedlung durch die Mine Cerrejón gewehrt, da sie keine würdigen Bedingungen in den Vorschlägen des Unternehmens sah, namentlich genügend Land für das Vieh, Trinkwasser und faire Entschädigungszahlungen. Die gerichtliche Amtshandlung war von der Richterin aus Barrancas auf 10 Uhr morgens des 24. Februar angesetzt. Die Familie von Tomás Ustate wurde von rund 50 Gemeinschaftsmitgliedern aus Roche, Chancleta, Patilla und Tabaco sowie durch die Menschenrechtsorganisationen CAJAR und Indepaz begleitet. Die Richterin hatte sich geweigert, die Amtshandlung zu suspendieren, obwohl die Gemeinschaft Roche eine Grundrechtsklage in Form einer Tutela eingereicht hatte.

Schon vom Morgen weg führten Armeeangehörige auf der Strasse nach Roche Strassensperren durch und hinderten einige Personen daran, nach Roche zu gelangen. Gegen 11 Uhr kamen Mitglieder des ESMAD nach Roche, beschimpften die Anwesenden, setzten Tränengas und Gummigeschosse gegen die Gemeinschaft ein. Nach 20 Minuten gab es zwei durch Gummigeschosse verletzte Personen, auch Frauen wurden geschlagen und verschiedene Personen litten unter Atemnot wegen dem Tränengas. Die staatlichen Behörden, auch die Ombudsstelle für Menschenrechte, sahen dem gewaltsamen Treiben tatenlos zu. Am Mittag begannen Verhandlungen zwischen der Familie Ustate Fuentes, der Richterin und VertreterInnen des Cerrejón, die nach 5 Stunden zu einer Einigung über die freiwillige Übergabe des Hauses durch Tomás Ustate führten. Im Gegenzug verpflichtete sich Cerrejón, die Umsiedlungsschritte durchzuführen, produktives Land zu übergeben und das Vieh der Familie zurück zu geben. Auch während der Verhandlungen kam es zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Gemeinschaftsmitgliedern und dem ESMAD, zwei Töchter von Tomás Ustate und Jhan Carlos Frias wurden vorübergehend festgenommen. Nach der Unterzeichnung des Abkommens wurden das Haus von Tomás Ustate und weitere leer stehende Häuser durch Bulldozer zerstört.

Die ask! wird die Familie weiter begleiten und vertieft über diesen Vorfall und die Hintergründe berichten.

Internationales Communiqué Spanisch

Internationales Communiqué Englisch

Communiqué des Gemeinschaftsrates von Roche

Aktuell

21.12.2018

Ask!: Seit 31 Jahren im Dienst von Frieden und Menschenrechten

Seit 1987 setzt sich die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask! als Stimme der kolumbianischen Zivilgesellschaft für Frieden und Menschenrechte ein.

2018 organisierte sie dazu öffentliche Veranstaltungen zu den Wahlen in Kolumbien, zum Kokaanbau und dem Drogenkrieg, zu den Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen von Schweizer Konzernen in Kolumbien.

Sie organisierte Film- und Diskussionsabende, Pubquizze und ein Jass- und Tichuturnier und hielt anlässlich des Internationalen Menschenrechtstags Predigten in katholischen und reformierten Kirchen.

Sie lobbyierte im Rahmen der Konzernverantwortungsinitiative für eine verbindliche Sorgfaltsprüfungspflicht für Unternehmen, verfasste und unterstützte verschiedene offene Briefe und Petitionen an die Regierungen der Schweiz und Kolumbiens. Elf Mal versandte die ask! 2018 einen umfassenden Newsletter mit Monatsbericht zur Lage der Menschenrechte in Kolumbien und aktuellen Entwicklungen.

Auch für 2019 haben wir wieder einiges geplant. Veranstaltungen zu Frieden und Menschenrechten, eine neue Kampagne und eine neue Webseite. Damit wir unsere Pläne realisieren können, sind wir auf unsere grosszügigen UnterstützerInnen angewiesen. Danke für Ihre Treue!

Mitglied der ask! werden und/oder an die ask! spenden oder einfach eine Spende an das Postkonto der ask! IBAN CH33 0900 0000 6018 6321 2 überweisen.