11/13/12

Umleitung des Ranchería – Flusses vorerst gestoppt: Cerrejón hat ihr wichtigstes Expansionsprojekt aufgeschoben

13.11.2012 | von Stephan Suhner

In einem Communiqué mit Datum vom 8. November 2012 gibt Cerrejón bekannt, dass sie das P500 genannte Expansionsprojekt vorerst nicht weiter verfolgen. Dieses Expansionsprojekt hätte die Umleitung des Flusses Ranchería auf 26 km Länge zur Folge gehabt. Der Protest gegen diese Umleitung in einer semiariden Gegend hat in den letzten Monaten immer breitere Kreise gezogen, sowohl von staatlichen Kontrollbehörden wie auch von politischen und zivilgesellschaftlichen Kreisen. Cerrejón gibt als Grund die gesunkenen Kohlenpreise und damit fehlende Rentabilität als Grund für den Aufschub an. Die lokalen Widerstandsbewegungen reklamieren hingegen den Rückzug des Projekts als einen Sieg für ihren Kampf um das Wasser.      

Im Communiqué vom 8. November 2012 kündigte Cerrejón an, die Studien für das Expansionsprojekt P500, das auch eine teilweise Umleitung des Flusses Ranchería beinhaltet, auf unbestimmte Zeit zu suspendieren. Als Grund für den Aufschub führt Cerrejón die Tendenz des Kohlepreises der letzten 2 Jahre an, der um 35% gesunken war. Die bisher gemachten Studien sowie die Feedbacks, die Cerrejón von den Gemeinschaften erhalten habe, würden jedoch die Basis für zukünftige Projekte darstellen, sobald es die wirtschaftlichen Gegebenheiten erlauben. Cerrejón werde in der Zwischenzeit andere Wachstumsoptionen prüfen, die keine Flussumleitung benötigen. Trotz des Aufschubes des Projektes P500 werde Cerrejón die zu den Gemeinschaften und zu anderen Interessensgruppen aufgebauten Beziehungen weiter pflegen. Auch halte Cerrejón am aktuellen Wachstumsprojekt fest, mit dem die Kohleförderung kontinuierlich von heute 32 auf 40 Mio. Tonnen erhöht werden solle und womit 5000 neue Jobs v.a. für Einwohner der Guajira geschaffen werden. Cerrejón nehme seine Verantwortung als Schlüsselakteuer der Entwicklung der Guajira sehr ernst, weshalb das Unternehmen und dessen Aktionäre weiterhin zum Wohlstand Kolumbien, der Guajira und deren Gemeinschaften beitragen werden. Cerrejón beschäftige rund 10‘000 Arbeiter und habe in den letzten 5 Jahren 2,86 Mia. USD an Royalties und Steuern bezahlt sowie in den letzten 2 Jahren 19 Mio. USD in Sozialprogramme investiert[1].

Soweit die offizielle Version des Cerrejón. Diese Argumentation wird in der Guajira jedoch argwöhnisch kommentiert. Der Widerstand gegen das Projekt, v.a. gegen die Flussumleitung, war in den letzten Monaten kontinuierlich angeschwollen. Die Contraloria[2]   Auch die meisten Parteien in der Guajira haben sich gegen die Flussumleitung ausgesprochen sowie praktisch alle Nichtregierungsorganisationen die zum Thema arbeiten. Auch in der betroffenen Bevölkerung ist der Widerstand immer mehr angeschwollen, es gab grosse Demonstrationen und eine Pilgerfahrt entlang dem Ranchería – Fluss.[3]

Äusserst umstritten war auch der Konsultationsprozess, den Cerrejón mit den indigenen Gemeinschaften der Wayuus durchführte. Einerseits war gar nicht klar, was genau Gegenstand des Konsultationsprozesses sein soll, da Cerrejón noch keine Umweltlizenz beantragt und noch keine Umweltimpaktstudie vorgelegt hatte. Die zu konsultierenden Gemeinschaften beklagten sich, dass sie gar nicht über die notwendigen Informationen verfügten. Zudem wurde auch das konkrete Vorgehen des Cerrejón kritisiert, da Cerrejón die Vorgehensweise und die Daten einfach beschloss und dies kommunizierte, statt mit den Indigenen auszuhandeln. Auch wurde denunziert, dass Cerrejón nicht alle Personen konsultiert und gewisse Gemeinschaften und Personen mit Geschenken wie Saatgut, Werkzeuge und Ziegen zu beeinflussen suchte[4]. Dies führte dazu, dass mehrere Resguardos die Konsultationsprozesse zeitweise aussetzten und das Resguardo Provincial sich der Konsultation durch das Unternehmen ganz verweigerte und statt dessen eine interne, autonome Konsultation durchzuführen begann.

Verschiedene Ökonomen haben bestätigt, dass die Kohlenpreise in Europa, Hauptmarkt für die Cerrejón-Kohle, auf 65 Dollar pro Tonne gesunken sind, während sie vor kurzem noch 120 Dollar betrugen. Verschiedene Beobachter vermuten aber dennoch andere Gründe hinter dem Aufschub des Projektes und denken, dass die schwache Nachfrage und die negative Preisentwicklung  der Kohle diesen Entscheid lediglich einfacher gemacht haben: So hat das Innenministerium begonnen, das korrekte Zustandekommen von 66 Vorabkommen zu untersuchen, die Cerrejón mit indigenen Gemeinschaften entlang des Flusses abgeschlossen hatte; das Verfassungsgericht hat eine Grundrechtsklage zugunsten der Indigenen gefällt, und im Kongress begannen Debatten über die Flussumleitung. [5]  Ein Communiqué des Innenministeriums stellt die Sache so dar, dass wohl die Debatten im Kongress über den Prozess der vorgängigen Anhörung über das Projekt sowie die Äusserungen des Innenministers Fernando Carillo der wahre Grund für die Suspendierung des Projektes seien. Der Innenminister hielt in einer Rede vom 6. November 2012 klar fest, dass das Projekt der Flussumleitung unmöglich bewilligt werden könne, ohne dass die indigenen Gemeinschaften konsultiert worden seien. Auch kündigte er an, dass das Vorgehen für die vorgängige Konsultation überprüft werden müsse.[6]

Die Sprecher des Zivilgesellschaftliches Komitees der Guajira zur Verteidigung des Ranchería – Flusses und des Quellgebietes Cañaverales halten die Argumente des Cerrejón, dass der tiefe Kohlepreis Auslöser der Suspendierung sei, für eine Ausrede. Für sie ist klar, dass der immer machtvollere Widerstand Cerrejón dazu gezwungen hatte, das Projekt aufzugeben. Gleichzeitig misstrauen sie aber auch der Ankündigung und wollen weiter darauf hin arbeiten, dass das Projekt definitiv begraben und nicht nur aufgeschoben wird.[7]

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[1] Carbones del Cerrejón, Cerrejón pospone estudios sobre la posible desviación del río Ranchería, Communiqué vom 8. November 2012. http://www.cerrejon.com/site/sala-de-prensa/archivo-de-noticias/aplazamiento-p500.aspx

[2] RCN Radio, Cerrejón suspende la cuestionada desviación del río Ranchería, 9. November 2012. http://m.rcnradio.com/noticias/cerrejon-suspende-la-cuestionada-desviacion-del-rio-rancheria-31866 

[3] Stephan Suhner, Cerrejón: Massiver Widerstand gegen Flussumleitung, Bern, 1. September 2012, http://www.askonline.ch/themen/wirtschaft-und-menschenrechte/bergbau-und-rohstoffkonzerne/el-cerrejon-und-xstrata/widerstand-gegen-flussumleitung/

[4] Pressemitteilung von Senator Jorge Enrique Robledo, Con chivos y alambre “aceitan” falsa consulta sobre el río Ranchería, Bogotá, 10. Oktober 2012.

[5] Diario del Norte, Cuales fueron las verdaderas causas de la caída de P 500?, 10. November 2012, http://www.diariodelnorte.net/noticias/generales/13674-cu%C3%A1les-fueron-las-verdaderas-causas-de-la-ca%C3%ADda-del-p-500.html

[6] Innenministerium der Republik Kolumbien, Compañía Cerrejón pospone proyecto que busca deviar el río Ranchería. Bogotá, 8. November 2012. http://www.mij.gov.co/Ministerio/NewsDetail/1882/1/CompaniaCerrejonposponeproyectoquebuscadeviarelrioRancheria

[7] El Heraldo, Presión social evitó desvío del ranchería y no los bajos precios, 11. November 2012, www.elheraldo.co/region/presion-social-evito-desvio-del-rancheria-y-no-los-bajos-precios-88961

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