11/04/13

Einigung zwischen den acht Familien und Cerrejón verhindert die Zwangsenteignung von Roche

04.11.2013 | Von Dominique Rothen und Stephan Suhner

Am 17. Oktober fand ein öffentlicher Akt statt, in dem die Einigung zwischen den 8 Familien die noch im alten Roche ausharrten und der Minengesellschaft Cerrejón verkündet wurde. Für die acht Familien endet damit – zumindest vorläufig - ein fast fünfzehnjähriges Drama, für Cerrejón bedeutet es den erfolgreichen Abschluss schwieriger Verhandlungen, wie das Unternehmen in einem Communiqué betont. Die acht Familien selber sagen, dass das Abkommen in ihnen sehr gemischte, bittersüsse Gefühle auslöse, gerade auch wegen den schwierigen letzten Monaten. Immerhin – und darin sind sich alle einig – konnte eine Zwangsenteignung, die alte Wunden erneut aufgerissen hätte, verhindert werden. Zu was für einem Preis ist noch nicht klar, das Abkommen liegt noch nicht öffentlich vor.

Mit dem Abkommen konnte nach jahrelangem Hin und Her eine Verhandlungslösung gefunden und die seit rund einem Jahr drohende Zwangsenteignung verhindert werden. Bei den Verhandlungen der letzten Monate gab es mehrere schwierige und strittige Punkte zu lösen. Erschwerend für die Gemeinschaft kam hinzu, dass die drohende Enteignung über dem ganzen Verhandlungsprozess schwebte, was unter den acht Familien grossen Stress auslöste und sie zwang, unter grossem Druck zu verhandeln. Viele komplexe und auch emotional schwierige Themen waren zu verhandeln, so die Entschädigungen für erlittenes Unrecht und Leid. Die acht Familien haben ihre Ansprüche in den letzten Verhandlungsrunden massiv reduziert, um eine Einigung zu ermöglichen. Ein wesentliches Element scheint dann gewesen zu sein, dass in der Landfrage – insbesondere genügend Weideland für die Tiere - eine Einigung gefunden werden konnte, was dann Einigungen auch in anderen Bereichen ermöglichte. Das Abkommen liegt noch nicht schriftlich und vollständig vor, dies wäre aber für ein Follow-up sehr wichtig. So können auch die Lösungen, die für die zentralen Punkte gefunden wurden, sowie die gegenseitigen Zugeständnisse noch nicht beurteilt werden.

Soweit bekannt ist, ziehen die acht Familien nun ebenfalls in die neue Siedlung Nuevo Roche. Ursprünglich wollten sie nicht nach Nuevo Roche ziehen, da es durch die Umsiedlung zu Spannungen in der Gemeinschaft kam. Cerrejón hat ja viele Familien mit Bargeldzahlungen im Dezember 2010 dazu gebracht, dem Umzug Anfang 2011 zuzustimmen. In einer ersten Phase waren diese Familien am neuen Ort auch zufrieden und es ging ihnen dank Zahlungen des Cerrejón gut. Cerrejón hat damit aber die Gemeinschaft gespalten und massiv Neid und Zwietracht gesät, sodass zwischen den Bewohnern des Alten und des Neuen Roche nicht viel Kontakt bestand. Da es nun jedoch schwierig war, für die 8 Familien an einem selben Ort passende Häuser zu finden, zogen sie nun doch nach Nuevo Roche in die ursprünglich für sie gebauten Häuser. Wie die Gemeinschaft mit dieser angespannten Vergangenheit wieder zusammenwachsen soll, ist noch unklar und bedarf jedenfalls einer sorgfältigen Begleitung. Der Zuzug dieser letzten acht Familien von alten ins neue Roche hat für das Dorf Folgen, und auch das Abkommen zwischen dem Unternehmen Cerrejón und den 8 Familien umfasst Themen, die Nuevo Roche betreffen, worüber die Bewohner von Nuevo Roche aber nicht konsultiert wurden. Das birgt neues Konfliktpotential.

Zudem haben die acht Familien besser verhandelt als diejenigen, die sich zu einem raschen Umzug hinreissen liessen. Obwohl Cerrejón nie Zahlen veröffentlicht, gibt es immer schnell Gerüchte, wer wie viel mehr erhalten habe. Aus der Begleitung der Verhandlungen wissen wir, dass sich die Entschädigungszahlungen für die acht Familien am internationalen Rechtsrahmen orientieren. In den letzten Jahren haben wir Cerrejón immer wieder darauf hingewiesen, dass es über den Kompensationsrahmen transparente Verhandlungen braucht, mit denen klar definiert wird, wie was entschädigt wird. Da Cerrejón das nicht gemacht hat, rächt es sich nun, und es ist sehr wahrscheinlich, dass Cerrejón mit den zuerst umgesiedelten Familien nachverhandeln muss. Wir hoffen, dass Cerrejón das notwendige Fingerspitzengefühl hat, um die bestehenden Konflikte lösen zu helfen, und nicht dazu beiträgt, neue Zwietracht zu säen. Diese Konflikte zu beheben, am neuen Ort für die acht Familien ein neues Leben aufzubauen und die sozialen Netze der Gemeinschaft wieder herzustellen braucht noch längere Zeit intensive Begleitung.

Es bleibt zu hoffen, dass Cerrejón aus diesem schwierigen, von Fehlern geprägten Umsiedlungsprozess seine Lehren zieht, und versucht, die anderen laufenden Prozesse transparenter, partizipativer und nach klaren Vorgaben zu gestalten. Das Communiqué von Cerrejón lässt da aber gewisse Zweifel aufkommen, denn Cerrejón betont zwar, dass es ein schwieriger Prozess gewesen sei, aber wie er doch von gegenseitigem Respekt und gutem Willen geprägt gewesen sei. Unser Eindruck in diesem Prozess war, dass es Cerrejón häufig an Transparenz, Respekt und Verhandlungsbereitschaft mangeln liess. Als Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien werden wir die gesamte Gemeinschaft von Roche weiter begleiten, ebenso wie auch andere Gemeinschaften, die sich noch im Umsiedlungsprozess befinden. Sowohl Tamaquitos wie auch Casitas stehen noch vor grossen Herausforderungen. Die indigene Gemeinschaft von Tamaquitos ist zwar vor kurzem an den neuen Ort gezogen, aber Cerrejón hat nun verschiedene Zusagen nicht eingehalten. Probleme bereitet u.a. die mangelnde Wasserversorgung und die Gemeinschaftsmitglieder fühlen sich in den neuen Häusern nicht wohl. Wir werden unsere Leser über diese Entwicklung auf dem Laufenden halten.        

Download PDF

http://www.cerrejon.com/site/sala-de-prensa/archivo-de-noticias/familias-de-roche-y-cerrejon-firman-acuerdo.aspx

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Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

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www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com