01/29/18

Arbeitskonflikt in der Kohlemine El Cerrejón endet mit massiver Zustimmung zum Streik

29.01.2018 | Von Stephan Suhner

Bei einem Arbeitskonflikt rund um die Aushandlungen eines neuen Gesamtarbeitsvertrages in der Kohlemine Cerrejón wurde heute Montag durch die Arbeiterschaft beschlossen, einen Streik durchzuführen[1]. In über 40 Tagen Verhandlungen war es nicht möglich gewesen, mit dem Unternehmen eine Einigung für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zu finden. Am 29. November 2017 hatte die Gewerkschaft Sintracarbon dem Minenunternehmen Cerrejón den Forderungskatalog präsentiert, am 11. Dezember begannen die formellen Verhandlungen. Die Hauptforderungen der Gewerkschaft für die Verhandlungen sind: Lösungen für die Gesundheitsprobleme der Arbeiter und der umliegenden Gemeinschaften; Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung (Zugänglichkeit und Qualität der medizinischen Versorgung), darunter auch Verbesserungen in den Spitälern und Rehabilitationszentren; Lohnerhöhungen; Ausbildung; individuelle persönliche Entwicklung der Arbeiter; Direktanstellung für alle Temporärarbeiter; Lösungen für die Informalität und das Subcontracting; Lösungen für die negativen Auswirkungen des Bergbaus auf Gemeinschaften und die Umwelt; Auswirkungen der Energiewende.

Die Verhandlungen verliefen von Anfang an schlecht, die Verhandlungsvorschläge des Unternehmens waren armselig und völlig ungenügend. Es waren die Vorschläge eines Unternehmens, das kurz vor dem Bankrott steht. Dabei hat sich die wirtschaftliche Situation deutlich verbessert: seit 2016 hat sich der Kohlepreis von 43 Dollar auf 91 Dollar erhöht, und auch der Wechselkurs und die tiefen Treibstoff- und damit Transportpreise haben sich zu Gunsten des Unternehmens entwickelt. Bei der Verhandlung des letzten Gesamtarbeitsvertrages vor zwei Jahren waren die Arbeiter bereit, der schwierigen Marktlage Rechnung zu tragen und ihre Ansprüche bescheiden zu halten. Umso mehr würden sie nun aber erwarten, dass sich das Unternehmen angesichts der besseren wirtschaftlichen Situation erkenntlich zeigt. Gemäss einer Untersuchung der Nationalen Gewerkschaftsschule ENS betragen die Kosten des jetzigen Forderungskataloges (d.h. der Kosten für die 4000 gewerkschaftlich organisierten Arbeiter) 7,68% des Gesamtumsatzes von Cerrejón von 2016, was die Wettbewerbsfähigkeit Cerrejóns nicht gefährdet.

Die grössten Differenzen zwischen den Verhandlungsvorschlägen der beiden Parteien gab es bei der Anerkennung und Behandlung von arbeitsbedingten Erkrankungen, bei der Frage nach der Häufigkeit der Vorsorgeuntersuchungen und der Qualitätsverbesserung bei den Krankenversicherung und Gesundheitszentren sowie wegen dem Verlust der GAV-Vorteile im Falle von krankheitsbedingten Umplatzierungen. Als zu gering wurden auch die Zuschüsse für die Ausbildung der Arbeiterkinder, die Zuschüsse für den Kauf von Wohnraum und für Sport und Erholung beurteilt. Auch bei der Formalisierung der Temporärarbeiter gab es keine Lösung. Am 18. Januar 2018, ein Tag vor Ablauf der verlängerten Verhandlungsfrist, gelangte die Gewerkschaft mit einem letzten Aufruf an Cerrejón, weitere Zugeständnisse zu machen, um eine Verhandlungseinigung zu erzielen und einen allfälligen Streik zu verhindern.

Am 19. Januar, dem 40. Verhandlungstag, präsentierte Cerrejón sein viertes Verhandlungsangebot, das aber immer noch Meilenweit von den Erwartungen der Gewerkschaften entfernt war. Viele Artikel sollten gemäss Cerrejón so belassen werden, wie sie in der vorherigen Konvention waren, und die meisten vorgeschlagenen Erhöhungen waren tiefer als bei früheren Verhandlungen, als die wirtschaftlichen Bedingungen schlechter waren. Die Lohnzuschüsse sollen lediglich um den Konsumentenpreisindex IPC von 2017 (4.09%) und die Löhne dieses Jahr um 5,9% und 2019 um den IPC plus 1,4% erhöht werden. Die fünf tiefsten von 35 Bildungszuschussstufen sollen um den IPC erhöht werden. Einige Artikel des GAV sollen für eine bessere Anwendbarkeit angepasst werden. Die Bonuszahlung für die Unterzeichnung des GAV soll um 9,1% erhöht werden. Vom 20. bis 22. Januar diskutierte Sintracarbón nun dieses „Verhandlungsergebnis“ intern und bestimmte in Versammlungen das weitere Vorgehen. Bis zum 29. Januar 2018 kam es an allen Standorten von Cerrejón zur Abstimmung über Streik oder Schiedsgericht. In der Zwischenzeit suchte Sintracarbón weiterhin eine Verhandlungslösung, da sie den Streik nur als letzte Kampfmassnahme sehen, diesen aber lieber verhindern.    

Mitten in den Protesten, Abstimmungen über das weitere Vorgehen im Arbeitskonflikt und weiteren Verhandlungen kam es am 25. Januar 2018 zu einem tragischen Arbeitsunfall. Ein Arbeiter wurde in seiner Maschine eingeklemmt, als sich an einer steilen Böschung der Mine ein grösserer Erdrutsch löste. Carlos Roberto Urbina Martínez wurde gerade mal 40 Jahre alt.

Bei den Verhandlungen mit Cerrejón, die trotz der Trauer um den tödlich verunfallten  Arbeitskollegen und trotz der laufenden Abstimmung über den Arbeitskonflikt praktisch pausenlos weitergingen, wurde eine neue Methode angewandt, bei denen eine Auflistung aller Differenzen zwischen den Verhandlungspositionen gemacht wird, um dann einen Ausgleich und Lösungen zu finden. Ausser wenn Cerrejón eine ganz neue, grosszügigere Verhandlungsofferte machen würde, wird die Zeit bis zur Stunde null eines möglichen Streikbeginns für einen Verhandlungsabschluss kaum reichen, da Cerrejón während den regulären Verhandlungen zu viel Zeit vertrödelte.   

Die Abstimmung über Streik oder Schiedsgericht endete am 29. Januar 2018 am Morgen. Nach der Auszählung der Stimmzettel ergab sich folgendes Resultat: von 3‘435 Stimmen waren lediglich 19 Stimmen für die Einberufung eines Schiedsgerichtes abgegeben worden (0,55%), 17 Stimmen waren ungültig. 3‘399 Arbeiter (98,95%) stimmten für den Streik. Die Führung der Gewerkschaft wird nun den Streik in den zehn folgenden Tagen beginnen. Die Gewerkschaft betonte einmal mehr, dass sie den Streik nicht wolle, und dass es die alleinige Verantwortung des Managements von Cerrejón sei, da die Angebote viel zu mickrig gewesen seien.    

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[1] Sämtliche Communiqués, Pressemitteilungen, Videos etc. sind unter folgendem Link abrufbar: https://sintracarbon.org/negociacion-colectiva-2017/ 

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12.04.2018

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

www.kaffee-knubel.ch

www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com