06/21/10

Kolumbien im Visier bei der Jagd nach Gold

21.06.2010 | Sylvia Meyer

Junior-Goldunternehmen aus Kanada investieren verstärkt in Kolumbien. Der steigende Goldpreis schürt Hoffnungen auf ein neues Eldorado. So genannte greenfield discoveries zeigen, dass der Goldrausch in Kolumbien noch lange nicht beendet ist. Leidtragende des neuen Kolonialis mus sind auch gut 500 Jahre nach der Eroberung die autochthone Bevölkerung und die Natur. Selbst Reservate sind im Visier.

Auch das 476 Jahre alte Dorf Marmato im Departement Caldas spürt die Entwicklungen auf dem Weltmarkt. Die kanadische Bergbaugesellschaft Medoro Resources Ltd. will dort eine Goldmine im Tagbau errichten – das Dorf soll verschwinden. Fünf Jahre lang blieben die Bewohner von Marmoto im Unklaren über ihre Zukunft. Nun hat die Firma bekannt gegeben, dass eine Umsiedlung entgegen vorheriger Erwartungen nötig werde. Seit 2005 führte Colombia Goldfields, eine weitere kanadische Bergbaufirma, Explorationen in der Region durch. Bis 2008 war nicht sicher, ob die Mine im Tagbau oder untertage betrieben werden würde. Die Regierung des Departements wollte schon damals die Menschen zur Umsiedlung bewegen, da für das Gebirge Einsturzgefahr bestünde. Spätestens 2008 war klar, dass die Goldvorkommen in der Region nach neuesten Schätzungen mit 7,49 Millionen Unzen weit über den zunächst veranschlagten fünf Millionen liegen würden. Ende 2009 und Anfang 2010 erwarb Medoro die Minen der Region, die teilweise Colombia Goldfields gehörten und teilweise im Besitz des kolumbianischen Unternehmens Mineros Nacionales S.A. waren. Im Falle von Marmoto hört sich die Planung nach einem Vorzeigefall an: eine NGO ist damit beauftragt, die Bevölkerung auf das Projekt vorzubereiten. Auch gibt es Gelder, um die Häuser der Bewohner legal kaufen zu können. Die Bevölkerung, die sich nach Meinung der Experten künftig der Landwirtschaft widmen soll, wehrt sich aber gegen die Pläne, die ihr Leben und ihre Tradition völlig umkrempeln würden.

Goldrausch, Natur und ausländische Investitionen

Marmoto ist nur eines von zahlreichen neuen Projekten in Kolumbien. Die Unternehmen investieren nicht zuletzt auch aufgrund der in ihren Augen verbesserten Sicherheitslage im Land. Die Entwicklungen auf dem Weltmarkt machen die Investitionen zusätzlich interessant. Gold gilt immer noch als sichere Anlagemöglichkeit und einige Expertenkreise prognostizieren, dass sich der Goldpreis innerhalb der nächsten zehn Jahren verdoppeln könnte. Bereits von 2005 bis 2010 hat mehr als eine Verdopplung stattgefunden: Im Januar 2005 stand eine Unze bei 445$, am 21. Juni 2010 war sie 1262,75$ wert. Auch wenn es, wie üblich, auch Fachmänner gibt, die ein baldiges Ende des Rausches annehmen: Der Handel mit Gold entwickelt derzeit eine grosse Dynamik, die auch Schweizer Firmen wie Argor Haraeus spüren.
Kolumbien könnte sich zu einem zentralen Schauplatz dieses neuen Goldrauschs entwickeln: Das Land produzierte im Jahr 2009 1,57 Millionen Unzen Gold und das staatliche Institut für Geologie und Bergbau (Ingeominas) sagt für die nächsten zwei Jahre eine Verdopplung der Fördermenge voraus.

Der Export von Gold soll bis 2019 verfünffacht werden. Diese Berechnungen erfolgen allein auf der Basis bereits bekannter Vorkommen und rechnen nicht mit potentiellen Funden in Amazonien und dem Chocó, weil die Informationen zu diesen Gebieten noch dürftig sind. Asomineros, die Bergbauvereinigung Kolumbiens, geht davon aus, dass Goldminenunternehmen in Kolumbien im Jahr 2010 um die 400 Millionen Dollar investieren werden.

Neben Junior-Goldunternehmen engagieren sich mit Anglo Gold Ashanti, drittgrösster Goldunternehmer weltweit, auch bekannte Namen. Die südafrikanische Firma ist an bedeutenden greenfield discoveries beteiligt, also an der Exploration bisher unbekannter Vorkommen. So entdeckten die Experten von Anglo Gold auch Ertrag versprechende Abbaugebiete nähe Medellin. Das Projekt Gramalote auf einer Fläche von 85’534 Hektaren ist ein Joint Venture von Anglo Gold (51 Prozent der Anteile) und der jungen B2Gold Corporation mit Sitz in Vancouver.

Im Jahr 2006 folgte die zweite bedeutende Entdeckung 150 Kilometer westlich von Bogota, in Tolima. In die La Colosa Mine allein will der Konzern zweieinhalb bis drei Milliarden Dollar investieren. Das Gesamtvorkommen schätzt Anglo Gold auf zwölf Millionen Unzen. Pro Jahr könnten 700’000 Unzen gefördert werden. Die Mine soll über 20 Jahre Laufzeit 4000 Arbeitsplätze schaffen. Derzeit wartet das Unternehmen auf Wassernutzungslizenzen, um die Explorationsarbeiten durchführen zu können, mit der die Machbarkeitsstudie endgültig fertig gestellt würde. Brisantes Detail: Die Mine liegt zum Teil auf einem Gelände, das nach einem Gesetz von 1959 ein Fortschutzgebiet ist.
Das Umweltministerium hielt bislang die Lizenzen zurück, weil es Befürchtungen gibt, dass in der Nähe gelegenen Resiplantagen im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben werden könnte: Grosser Bedrohung durch Minen sind nämlich die Páramos genannten Ökosysteme in den Höhenlagen der Anden, jenseits der Baumgrenze, ausgesetzt. Durch die Zerstörung der Páramos wiederum steigt die Gefahr von Dürren, da die Gebiete natürliche Wasserspeicher sind, die auch in Trockenzeiten noch Quellen speisen können. Daher stehen Páramos oft unter Naturschutz. Mehr als die Hälfte der Páramos weltweit befinden sich in Kolumbien. Für gut die Hälfte der mehr als
eine Millionen Hektaren in Kolumbien, die diese besondere Vegetationsform aufweisen, liegen Anträge auf Bergbau-Konzessionen vor. Und obwohl die kolumbianische Bergbaugesetzgebung die Nutzung von Nationalparks verbietet, gibt es ebenfalls erstaunlicherweise auf Flächen von insgesamt 348’291 Hektaren Anträge auf so genannte titulos mineros. Eine Infografik des El Espectador (siehe Link weiter unten) zeigt, dass die Natur durch Bergbauprojekte zunehmend unter Druck gerät.

Und selbst wenn die Regierung Willen zeigt, Projekte aufgrund von Umweltschäden zu verhindern, misslingt dies teilweise: so beispielsweise im Fall Angostura der kanadischen Greystar Resources Ltd., die sich auf Kolumbien spezialisiert hat. Das Projekt begann bereits im Jahr 1995, aber Greystar stoppte es vier Jahre später nach der Entführung eines Auftragnehmers. Im Jahr 2003, nach der Verbesserung der Sicherheitslage für ausländische Investoren unter Uribe, nahm Greystar die Arbeiten wieder auf. Das Projekt hat Einfluss auf den Páramo Santurbán in Santander. Derzeit arbeitet das Unternehmen, das alleiniger Besitzer ist, an einer Machbarkeitsstudie für die Minen östlich von Barrancabermeja. Eine Vorstudie hatte bereits ergeben, dass die jährliche Fördermenge bei 511’000 Unzen Gold und 2.3 Millionen Unzen Silber liegen könnte. Die geschätzte Lebensdauer die Mine beträgt 15
Jahre. Die Konzessionen für dieses Projekt umfassen eine Fläche von 30'053,88 Hektaren. Im vergangenen April forderte die kolumbianische Regierung nun neue Studien über die ökologischen Auswirkungen des Projekts, wodurch sich der Zeitplan von Greystar verschoben hätte. Das Unternehmen setzte sich jedoch dagegen zur Wehr, die neuen kolumbianischen Bergbauregula tionen berücksichtigen zu müssen, was ein Gros der Arbeit bei Angostura über die letz ten 15 Jahre nichtig gemacht hätte. Allein die Ankündigung der Notwendigkeit von Studien über ökologische Auswirkungen hatte dazu geführt, dass der Aktienkurs um 40 Prozent fiel. In der Argumentation zur Ablehnung der Ökostudien konnte sich Greystar auf die Zusicherungen der Regierung aus den 1990-er Jahren stützen. Als die Firma ihre Arbeit in Kolumbien begann, versprach man, dass nachfolgende Bergbaugesetze für Greystar nicht mehr relevant sein würden. Dies kommt der Firma nun zu Gute.

Die ask! wird die Entwicklungen der Goldinvestitionen in Zukunft verstärkt beobachten.

Infografik: static.elespectador.com/archivos/2009/11/428d037648d5fc3ddef495d5d51250e6.pdfdownload pdf

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26.10.2016

Dezalé - Café de origen

Foto: Christian Reichenbach

Im Hochland von Inzá (Cauca) produzieren kleine Familienbetriebe in ökologisch wertvollen Mischkulturen ein sortenreinen Spezialitätenkaffee. "Dezalé - Café de origen". Dieser wird ohne Zwischenhandel, direkt und exklusiv an acht ausgewählte Röstereien in der Schweiz exportiert. Der stolze Bauer erhält dadurch ca. 150 -170 % des aktuellen Marktpreises. Fairer als Fairtrade! "Dezalé" wurde als Kooperative im Jahr 2001 von Hansruedi Auer-Lopéz gegründet. Heute sind 45 Familienbetriebe am sozialen Projekt beteiligt.

Es sind 8 Röstereien in der Schweiz, die exklusiv den Dezalé-Kaffee rösten und verkaufen:

www.diamantkaffee.ch

www.hosennen-kaffee.ch

www.kuengkaffee.ch

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www.cafedumonde.ch

www.lacolumbiana.ch

www.spielhofkaffee.ch

www.oetterlikaffee.ch

Weitere Informationen direkt bei: dezalecafe@remove-this.yahoo.com