30.12.2012

Indigene Gemeinschaft der Embera erneut in Bedrängnis

30.12.2012 | von Ann-Seline Fankhauser

Zwei Helikopterflüge Ende November über das indigene Schutzgebiet Uradó - Jiguamiandó, welches reich an Gold- und Kupfervorkommnissen ist und deshalb auf dem Radar von Bergbauunternehmen steht, haben erneut Unsicherheit und Angst unter der indigenen Bevölkerung verbreitet.

Wie die Menschenrechtsorganisation Justicia y Paz berichtet, gingen den Überflügen militärische Operationen voraus, sowie Angebote von Unternehmen an die Bewohner der Gegend, Kleidung, Fussbälle und die Gründung von Fussballmannschaften zu finanzieren. Zudem habe die Muriel Mining Corporation (MMC) die Konstruktion von 40 Häusern versprochen, falls sich die Fussballmannschaften im indigenen Schutzgebiet formieren würden und diese die Teilnahme an Fussballspielen akzeptieren würden.[1]

Ähnliche „verlockende“ Angebote machte das amerikanische Minenunternehmen den indigenen Gemeinschaften schon 2009, um deren Zustimmung für das gigantische Bergbauprojekt „Mandé Norte“ zu gewinnen. Doch die willkürliche und illegale Erkundung des Gebietes wurde im März 2010 in einem wegweisenden Urteil des Verfassungsgerichts augrund der fehlenden Konsultation der betroffenen indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften vorübergehend gestoppt. Das Verfassungsgericht ordnetet eine ordnungsgemässe Konsultation der betroffenen Gemeinschaften, sowie eine Nachbesserung und Ergänzung der Umweltverträglichkeitsstudie an.[2]

Ein gefährliches Abkommen

Durch Finanzspekulationen hat die MMC unterdessen den Wert ihrer Aktien am Projekt „Mandé Norte“ bis zu 200% hochgetrieben. Dies trotz diverser Risikofaktoren wie die politisch unsichere Situation, der bewaffnete interne Konflikt, das Urteil des Verfassungsgerichtes zu Gunsten der indigenen Gemeinschaften, Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung etc.  Doch die Aussicht auf hohe finanzielle Gewinne und die angeblich stabilere politische Situation in der Region hat das Interesse eines weiteren Unternehmens auf das Gebiet gelenkt. Mitte November kündete die kanadische Santa Fe Metals Corp (SFMC) an, alle sich in Umlauf befindenden Aktien der Muriel Mining Corporation in Kolumbien aufzukaufen. Dem Abkommen zufolge verpflichtet sich die MMC, die Explorationsarbeiten des Projektes „Mandé Norte“, welches 16'000 Hektaren umfasst, vorzunehmen.[3] Doch fragt sich Justicia y Paz, wie MMC diese Explorationsarbeiten und eine Machbarkeitsstudie vornehmen will, angesichts der durch das Verfassungsgericht bestätigten Verletzung der vorgängigen Konsultation der betroffenen Gemeinschaften und einer bis anhin fehlenden Studie über die Auswirkungen des Projektes auf Gesellschaft und Umwelt. Zudem sprach sich eine interethnische Befragung (consulta interétnica) einstimmig gegen ein Bergbauprojekt auf ihrem Gebiet aus.

Es wird befürchtet, dass die MMC, wie auch schon in der Vergangenheit, zu willkürlichen und illegalen Mitteln greifen wird, um die Explorationsarbeiten erneut aufzunehmen und dass es erneut zu einer Militarisierung des Gebietes kommen wird. Wird Präsident Santos seine Entwicklungslokomotive „Bergbau“ über die Rechte der indigenen Gemeinschaften und den Umweltschutz stellen?

Die jüngsten Entwicklungen stellen die gemeinschaftliche Entscheidung der Embera, sowie die vorgängige Anhörung (consulta previa) zumindest in Frage.

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[1] Justicia y Paz, 21. 11. 2012, Sobrevuelos en resguardos indígenas Embera, http://justiciaypazcolombia.com/Sobrevuelos-en-resguardos

[2] Ein ausführlicher Hintergrundbericht zu den damaligen Vorfällen und zum Urteil von 2010 findet sich unter: http://www.askonline.ch/publikationen/monatsberichte/jahrgang-2010/der-lange-kampf-der-embera-gegen-die-zerstoerung-des-heiligen-berges/

[3] Justicia y Paz, 18. 11. 2012, Negocio de MMC aceleraría operaciones a cielo abierto, http://justiciaypazcolombia.com/Negocio-de-MMC-aceleraria

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