02/03/09

Ein Bergbauprojekt droht den heiligen Berg der Emberas zu zerstören

03.02.2009 | Stephan Suhner

Seit einigen Jahren hat das Unternehmen Muriel Mining aus Colorado, USA, Interesse an Mineralienvorkommen am heiligen Berg der Embera Indigenen am Oberlauf des Flusses Jiguamiandó. Es handelt sich um Gold-, Kupfer und Molybdänvorkommen zwischen den Departementen Antioquia und Chocó. Eine korrekte Konsultation der betroffenen fand bisher nicht statt. Seit Ende Dezember 2008 ist die Region jedoch militarisiert und hat das Unternehmen die Explorationsarbeiten gestartet. Die Indigenen wehren sich mit internationaler Unterstützung gegen die Zerstörung ihres Lebensraumes.
Die indigenen und afrokolumbianischen Gemeinschaften wehren sich gegen die Ausbeutung dieser Rohstoffe und gegen die Invasion des Bergbauunternehmens. Die Jaibanas, die Medizinmänner oder traditionellen Oberhäupter der Embera, schicken die Seelen zur Reinigung zum Usa-Kirandarra oder Cerro Cara de Perro. Lediglich die Jaibanás dürfen zum heiligen Ort vordringen, da nur sie in Verbindung mit den dort wohnenden Geistern treten können. Wird dort die Erde aufgeschürft, um Metalle abzubauen, geht das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur verloren, die Geister werden in ihrer Ruhe gestört und über die Indigenen Gemeinschaften kommt Zwietracht und Unglück. Der Berg ist also für die Emberas von enormer Wichtigkeit, die drohende Zerstörung führte schon zu Selbstmordversuchen in den Gemeinschaften.
Einen sauberen Prozess, um die vorgängige, informierte Zustimmung der betroffenen Bevölkerung (consulta previa oder free, prior and informed consent) einzuholen, gab es nicht. Wie so oft ist es dem Bergbauunternehmen gelungen, einige Einzelpersonen zu kaufen, und diese gaben ihre Zustimmung. Damit wird nun vorgegeben, es habe Konsultationsprozesse gegeben, es sei alles in Ordnung. Diese Farce wird von den lokalen Behörden und vom Innenministerium gestützt, die ihre Einwilligung in den Beginn der Explorationsarbeiten gaben, und gerne bestätigen, dass die Indigenen gesetzeskonform konsultiert wurden.
Am 28. Dezember 2008 begannen Militäroperationen, um - wie die Militärs selber sagen - die Arbeiten des Unternehmens Muriel Mining Corporation abzusichern. Es handelt sich um Angehörige der Brigaden Nr. 15 und 17. Sie halten sich am Oberlauf des Jiguamiandó Flusses auf, in der Nähe der indigenen Siedlung Coredocito und sie bewegten sich auf dem Territorium der Humanitären Zonen Nueva Esperanza und Pueblo Nuevo. Am 3. Januar 2009 kamen vier Geologen nach Coredocito und erklärten, sie hätten die Erlaubnis für die Arbeit von zwei Indigenen und von einem Funktionär der Muriel erhalten. Zudem hätte die indigene Organisation CAMIZBA die Zustimmung gegeben. Diese Personen und Organisationen sind aber gar nicht befugt, ihre "Zustimmung" zu geben. Am 5. Januar 2009 wurde ein weiterer Geologe per Helikopter eingeflogen. Die ganze Zeit landeten Helikopter auf dem Fussballplatz des indigenen Dorfes Coredocito und luden Material ab, gegen den Willen der Bewohner.
Muriel plant, während zwei Monaten Explorationsarbeiten durchzuführen, v.a. werden dazu Löcher in den Boden gebohrt. Das Unternehmen hat illegalerweise begonnen, Wald abzuholzen, um dann die Erdarbeiten vornehmen zu können. Am 5. Januar 2009 kam es wegen der Militarisierung der Zone zur Vertreibung von sechs indigenen und einer afrokolumbianischen Familie von Coredocito nach Alto Guayabal. Dies führte dann zur Mobilisierung von 500 Indigenen der Resguardos Murindó, Uradá-Jiguamiandó und Chageradó, sowie von Afrokolumbianern der humanitären Zonen. In den drei Resguardos leben ungefähr 800 Indigene. Am 9. Januar 2009 beschlossen alle, zurück zu kehren nach Coredocito. Die Überlegung war, wenn sie nicht zurückkehren, werden sie alles verlieren. So begaben sie sich gemeinsam zum Ort, wo die Bohrungen vorgenommen werden. Dort wurden sie von den Soldaten mit vorgehaltener Waffe eingeschüchtert. Die Dutzenden von Indigenen waren aber mit ihrem Willen stärker als die Soldaten und konnten die Einkesselung friedlich durchbrechen.
Bei einem Treffen am 10. Januar 2009 wurden die Armee und das Unternehmen klar aufgefordert, das Territorium zu verlassen. Es wurde seitens der Indigenen klar festgehalten, dass sie nicht konsultiert wurden und auch nicht ihr Einverständnis für die Explorationsarbeiten gaben, und dass die Einzelpersonen, die ihre Zustimmung gaben in keiner Art und Weise den Willen der Gemeinschaften repräsentieren. Zudem verlangten sie von der Muriel, bis am 16. Januar 2009 Beweise für den Konsultationsprozess vorzulegen und die Personen mitzubringen, die angeblich die Zustimmung zur Ausbeutung gaben. Die Gemeinschaften haben verlangt, dass Vertreter des Büros des Menschenrechtsombudsmannes und der Procuraduria am 16. Januar 2009 zu gegen sein sollen, als Garanten. Deren Präsenz ist nicht gesichert, während das Innenministerium weiter behauptet, der Konsultationsprozess habe stattgefunden. Die Direktion für Ethnien des Innenministeriums führte drei Treffen durch, im März und Juni 2006 und im September 2007. Zehn Vertreter jeder Gemeinschaft waren eingeladen. Die Guidelines für eine korrekte Konsultation wurden jedoch nicht eingehalten, da nicht die ganzen Gemeinschaften beteiligt waren. Die betroffenen Gemeinschaften klagen zudem an, dass auch Indigene „konsultiert“ wurden, die gar nicht in der Region leben, sowie regionale Organisationen der zweiten Ebene, nicht jedoch die zuständigen Basisorganisationen.
Als eine Widerstandsmassnahme planen verschiedene Organisationen vom 24. bis 28. Februar 2009 die Durchführung einer Consulta de los Pueblos, eine Volksbefragung als Alternative zur nicht korrekt durchgeführten Consulta Previa gemäss den Vorgaben der ILO – Konvention 169. Alle Personen die in den indigenen Siedlungen und den afrokolumbianischen Gemeinschaftsräten leben und über 14 Jahre alt sind, können darüber abstimmen, ob sie das Bergbauprojekt auf ihrem Land erlauben wollen oder nicht. Die Grundlage für diese autonome Volksbefragung bilden die traditionellen Gesetze der Gemeinschaften, die kolumbianische Verfassung mit den verbrieften territorialen und ethnischen Rechten und Autonomiebestimmungen, sowie die ILO Konvention 169.
Die indigenen und afrokolumbianischen Siedlungen liegen in der geologischen Zone des Batolito Mandé, einer geologischen Formation, die sehr reich an Mineralien ist. Gleichzeitig wurde diese Region schon 1959 zu einer geschützten Waldreserve erklärt. Seit 1975 gab es immer wieder geologische Untersuchungen und Versuche von internationalen Bergbaukonzernen, eine Konzession zu erhalten. Seit 2005 ist die Muriel Mining Corporation in der Gegend präsent. Die Regierung hat der Muriel Mining Corporation eine Bergbaukonzession über 16'000 Hektaren für eine Zeitspanne von 30 Jahren vergeben, verlängerbar um nochmals 30 Jahre. Die Konzession liegt auf dem Gebiet der Departemente Antioquia und Chocó. 11'000 Hektaren der Konzession befinden sich auf dem traditionellen Land und Indigenenschutzgebiet der Emberas. Die Explorationsarbeiten werden gemäss Plänen der Muriel Mining Corporation und dem Bergbauministerium voraussichtlich drei Jahre dauern und das Leben der Indigenen unwiderruflich verändern. Danach hat das Unternehmen drei Jahre Zeit, um alle Bauten und die Infrastruktur für den Mineralienabbau zu erstellen, um dann die Ausbeutung zu beginnen. Für die Indigenen und ihre bisherige Lebensform gibt es dann keinen Platz mehr.

Protestbrief der ask an Muriel Mining Corporation zu Cara de Perro

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26.10.2016

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