03.08.2009

Bergbau in Kolumbien - zweifelhafter Nutzen und schwere Menschenrechtsverletzungen

03.08.2009 | Stephan Suhner

Die ask arbeitet v.a. zu Kohlenminen, die im Besitze der in der Schweiz ansässigen Konzerne Xstrata und Glencore sind. Sie unterstützt und begleitet Gewerkschaften, NGOs und lokale Gemeinschaften, die durch die Minen betroffen sind, gibt ihnen im deutschsprachigen Raum eine Stimme, unterstützt sie bei der Einforderung ihrer Rechte und trägt ihre Lobbyaktivitäten mit. Stephan Suhner, Fachstellenleiter in Bern, besuchte im Mai 2009 zum vierten Mal die Departemente Cesar und Guajira, wo die "Schweizer" Kohlenminen liegen. Zwei Problemfelder waren Schwerpunkt des Besuchs: die Situation der Arbeits- und Gewerkschaftsrechte in den Kohlenminen in Cesar und die ungelösten Probleme rund um die Umsiedlung von Dorfgemeinschaften, die den Minen im Tagbau weichen müssen.

Gewerkschaftsrechte

Xstrata hat im März dieses Jahres die Kohlenminen in La Jagua, Cesar, von Glencore übernommen. Die Arbeits- und Gewerkschaftsrechte wurden bisher in diesen Minen schwer missachtet: durch Repression und willkürliche Entlassungen wurde die Bildung von Gewerkschaftssektionen verhindert, Kollektivverhandlungen werden verzögert und vor Schiedsgerichte gebracht, immer mehr Arbeiter unterstehen einem von der Firma einseitig vorgegebenen Kollektivvertrag und nicht mehr einem mit der Gewerkschaft ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag. Überlange Arbeitsschichten von bis zu 12 Stunden, mangelnde Ausbildung der immer zahlreicheren Temporärarbeiter und Stress führen zu häufigen Unfällen, arbeitsbedingte Erkrankung werden von den Minen nicht als solche anerkannt. Wir hoffen, durch die Übernahme der Minen durch Xstrata Verbesserungen in diesen Bereichen erreichen zu können, weshalb wir eine gezielte Kampagne für dieses Jahr gestartet haben. Aktuelle Informationen und Aktionsmöglichkeiten finden Sie auch auf unserer Homepage.

Umsiedlungen

Im Falle der Mine El Cerrejón in der Guajira führen aktuell vier Gemeinschaften Verhandlungen mit dem Unternehmen über ihre Umsiedlung. Erst durch starken internationalen Druck, auch seitens der ask! Hat das Unternehmen überhaupt eingewilligt, über kollektive Umsiedlungen zu verhandeln. Früher wurde den Bewohnern ihr Besitz einfach für viel zu tiefe Preise abgekauft und die Leute ihrem Schicksal überlassen, oder sie wurden wie im Fall von Tabaco gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Cerrejón sagt, dass heute Weltbankstandards für unfreiwillige Umsiedlungen angewendet würden; bezüglich Kommunikation, Transparenz, Konsensfindung etc. bestehen aber noch grosse Defizite, ebenso hat das Unternehmen nie umfassend dargelegt, wie es die Umsiedlungen genau durchführen will und was das konkrete Angebot an die Umzusiedelnden ist. Die ask! berät zusammen mit kolumbianischen und internationalen Organisationen die lokalen Bewohner über ihre Rechte, unterstützt sie in den Verhandlungen mit dem Unternehmen und trägt zur Stärkung ihrer Verhandlungsfähigkeit bei.

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